Neuer Riese in der Fleischbranche: Fusion von Reinert und Kemper genehmigt

Der Versmolder Fleischwarenhersteller darf sich mit dem bisherigen Konkurrenten aus dem Raum Osnabrück zusammenschließen. Die Wettbewerbshüter sehen keine Nachteile für Konsumenten.

Marc Uthmann

Künftig unter einem größeren Dach: Die Reinert-Gruppe wird unter der Holdung "The Family Butchers" mit dem Osnabrücker Wettbewerber Kemper zusammengeführt. Foto: Tasja Klusmeyer - © Tasja Klusmeyer
Künftig unter einem größeren Dach: Die Reinert-Gruppe wird unter der Holdung "The Family Butchers" mit dem Osnabrücker Wettbewerber Kemper zusammengeführt. Foto: Tasja Klusmeyer (© Tasja Klusmeyer)

Versmold/Bonn. Diese Pläne hatten für Aufsehen in der Fleisch- und Wurstwarenbranche gesorgt: Die beiden Unternehmen Reinert und Kemper wollen unter dem Dach "The Family Butchers" einen neuen Riesen schmieden, der es mit Marktführer Zur Mühlen (Tönnies) sowie dem mächtigen Handel und den Schlachtriesen aufnehmen kann (das HK berichtete). Nun können die künftigen Partner ihre Pläne forcieren, denn das Bundeskartellamt hat am Mittwoch den Zusammenschluss freigegeben.

Durch den Zusammenschluss der beiden Mittelständler entsteht in mehreren Produktkategorien der zweitgrößte Hersteller von Fleisch- und Wurstwaren in Deutschland. Marktführer ist in vielen Bereichen die Tönnies-Gruppe, die darüber hinaus auch über eigene Schlachthöfe verfügt.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, erklärte die Entscheidung: „Auch nach der Fusion gibt es für Abnehmer und Lieferanten noch hinreichende Alternativen. Trotz der seit einigen Jahren fortschreitenden Konzentration der Branche gibt es in Deutschland weiterhin eine ganze Reihe mittelständischer Fleisch- und Wurstwarenhersteller.

Die gemeinsamen Marktanteile von Kemper und Reinert sind auf den verschiedenen Märkten der Fleischverarbeitung nicht höher als zehn bis 20 Prozent. Die Lebensmitteleinzelhandelskonzerne verfügen außerdem über eine hohe Nachfragemacht und haben zum Teil auch eigene Fleischwerke."

Die Reinert-Gruppe ist ebenso wie die Kemper-Gruppe in der Herstellung und dem Vertrieb von verarbeiteten Fleisch- und Wurstwaren tätig. Beide Unternehmen betreiben keine eigenen Schlachthöfe oder Zerlegebetriebe. Die Reinert-Gruppe erzielte im Geschäftsjahr 2018 in der EU etwa 300 Millionen Euro Umsätze, in Deutschland waren es 194 Millionen Euro. Kemper erwirtschaftete 2018 in der EU 415 Millionen Euro Umsätze, in Deutschland 330 Millionen Euro. Besonders stark sind die Partner laut Kartellamt in den Teilmärkten gekochte Fleischwaren sowie Aspik/Sülze aus Geflügelfleisch. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich der Rohwurst-Herstellung.

In der Fleischverarbeitungsbranche, insbesondere im Bereich der Wurstherstellung, gebe es Überkapazitäten, die - verbunden mit dem Rückgang der Nachfrage nach Fleischprodukten - zu einem hohen Wettbewerbsdruck führten, konstatiert das Kartellamt in seiner Presseerklärung. Die Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels verfügten über eine hohe Nachfragemacht und hätten wie Edeka, Rewe und Kaufland zum Teil eigene Fleischwerke.

Auch das neue Gemeinschaftsunternehmen liege auf zahlreichen Märkten hinter dem Marktführer Tönnies, der auf der gesamten Wertschöpfungskette tätig sei. Hinzukomme, dass es in Deutschland weiterhin eine Reihe größerer mittelständischer Fleisch- und Wurstwarenhersteller gebe, die sich auf bestimmte Marktsegmente spezialisiert hätten.

Lesen Sie auch:

Kommentar zum Wurstmarkt-Wandel: "Es geht ums Überleben"

Umkämpfter Wurstmarkt: Nordamerika als Testballon für Reinert

Salami aus Versmold: Wie meistert Wiltmann die Wurstmarkt-Krise?

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.