Salami aus Versmold: Wie meistert Wiltmann die Wurstmarkt-Krise?

Gespräch auf der Anuga: Obwohl der Wurstmarkt kriselt, greift der Versmolder Unternehmer bewusst nicht zu den Gegenmaßnahmen, auf die seine Mitbewerber setzen

Melanie Wigger

Wiltmann-Geschäftsführer Ingmar Ingold und Unternehmenssprecherin Friederike Wilke - © Melanie Wigger
Wiltmann-Geschäftsführer Ingmar Ingold und Unternehmenssprecherin Friederike Wilke (© Melanie Wigger)

Versmold. Für Wiltmann-Geschäftsführer Ingmar Ingold ist die aktuelle Lebensmittelmesse in Köln ein Pflichtevent: „Als Markenhersteller ist die Anuga eine wichtige Plattform und eine gute Gelegenheit auch mal Gastgeber für seine Kunden zu sein."

Im Vordergrund stehen dabei die Gespräche mit Händlern. Schließlich gibt es momentan brennende Themen: Vorfälle wie der Wilke-Skandal würden zeigen, wie sensibel die Öffentlichkeit geworden ist. Ein Umstand, der für Wiltmann kein Nachteil ist: Schließlich setze das Unternehmen nicht auf Masse, sondern auf hochwertige Produkte, erläutert der junge Geschäftsführer, der das Versmolder Familienunternehmen 2017 von seinem Vater Wolfgang Ingold übernommen hat.

In einer Zeit, in der die Fleischerzeugung immer kritischer betrachtet werde, sei Qualität gefragt. Und obwohl der Wurstmarkt schwächelt, verzeichnet das Unternehmen ein leichtes Umsatzwachstum, das sich laut Ingold sicher fortsetzen wird: „Wir sind Dickbrettbohrer. Wir verkaufen mit einem langem Atem." Soll heißen, das Unternehmen setzt darauf, dass die Kunden zufrieden sind und wiederkommen.

Diese Pastetenschalen wurden von Otmar Alt gestaltet. Auf der Messe haben viele Besucher ein Selfie neben den Tieren am Wiltmann-Stand gemacht. - © Melanie Wigger
Diese Pastetenschalen wurden von Otmar Alt gestaltet. Auf der Messe haben viele Besucher ein Selfie neben den Tieren am Wiltmann-Stand gemacht. (© Melanie Wigger)

Und das nicht – wie immer mehr Unternehmen der Fleischbranche – im ausländischen Markt, sondern weiterhin mit dem Fokus auf deutsche Kunden. „Wir wollen nicht vor der Marktentwicklung in Deutschland fliehen."

„Wettbewerb nimmt zu, aber wir fahren einen eigenen Ansatz"

Stattdessen gehe das Unternehmen konsequent den Weg der Spezialisierung, wie zum Beispiel mit seinem Bio-Sortiment – auch wenn gerade dieser Sektor seit Jahren wächst. „Ja, der Wettbewerb nimmt zu, aber wir fahren einen eigenen Ansatz", sagt Ingold. Das zeigt auch ein Blick auf die Verpackung der nachhaltigen Wursterzeugnisse. „Wenn man Verpackungen sieht, auf denen fünfmal »Bio« steht, dann wirkt das schnell wie Greenwashing." Den Vorwurf den Bio-Begriff nur als PR-Masche auszunutzen, kann man dem Unternehmen nicht machen: Das Logo steht vergleichsweise unaufdringlich auf Wiltmanns Aufschnitttellern. Messebesucher könnten das nicht immer verstehen, berichtet er: „Aber wir machen das bewusst dezenter." Das sei glaubwürdiger. „Vielleicht ist es auch ostwestfälische Bescheidenheit", bestätigt er lachend.

Einen eher traditionellen Weg geht das Unternehmen auch beim Stichwort Fusionen: Unternehmensstrategien wie der jüngst bekanntgegebene Zusammenschluss des Versmolder Unternehmens Reinert mit dem Nortruper Unternehmen Kemper (wir berichteten), stehen bei Wiltmann nicht zur Diskussion.

Auf die Frage, ob Reinert auch bei ihm angefragt habe, antwortetet er nur, dass es allgemein immer mal wieder Unternehmen gegeben habe, die angefragt hätten. „Ohne das bewerten zu wollen, dass andere das machen, schließen wir das für uns aus. Wir sehen das Heil nicht in einer weiteren Volumensteigerung."

Stattdessen bleibe Wiltmann bei seinen Stärken. Ob Veggie-Experimente – an denen sich auch Konkurrent Reinert schon versucht hatte – demnach undenkbar sind? „Ausschließen wollen wir gar nichts", antwortet Ingold. Doch als vor einigen Jahren der Trend für veganen und vegetarischem Aufschnitt begann, haben die Unternehmer sich gefragt, ob das zu ihnen passe und ob Veggie auf das Kernprodukt – Salami – übertragbar sei, erläutert Ingold: „Bei Fleischwurst läuft vieles über Gewürze. Aber lässt sich der Reifeprozess auf die Salami übertragen?"

Damals entschieden sie sich dagegen. Der richtige Weg laut Ingold: „Heute zeigt, dass nicht sonderlich viele Veggie-Produkte im Aufschnittbereich geblieben sind." Trotzdem behalte er diesen Markt weiterhin im Blick.

Foto-Attraktion auf der Messe

Ein beliebtes Fotomotiv sind auf der Anuga die Pastetenschalen am Wiltmann-Stand. Viele hätten gefragt, ob sie ein Selfie neben den kunstvollen Porzellanfiguren machen dürften, berichtet Pressesprecherin Friederike Wilker. Die von Otmar Alt gestalteten Gefäße zeigen die Tiere, die im Versmolder Unternehmen verarbeitet werden.

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