Gehwege versperrt: Wer ist Schuld am Slalomlauf zwischen Mülltonnen?

Weil die Mülltonnen nach der Leerung oftmals kreuz und quer über dem Bürgersteig verteilt stehen, sieht ein Künsebecker darin eine Gefahr für die Bürger. Allerdings ist im Ernstfall gar nicht klar, wer der Schuldige ist.

Uwe Pollmeier

Die Mitarbeiter des auch im Haller Stadtgebiet tätigen Abfallentsorgers, hier bei einem Einsatz im Kreis Minden-Lübbecke, sind angewiesen, die leeren Tonnen wieder an den Platz zurückzustellen, an dem sie gestanden haben. Jedoch haben auch Bürger ihrer Pflichten, um mögliche Unfälle zu verhindern. - © Stefanie Dullweber
Die Mitarbeiter des auch im Haller Stadtgebiet tätigen Abfallentsorgers, hier bei einem Einsatz im Kreis Minden-Lübbecke, sind angewiesen, die leeren Tonnen wieder an den Platz zurückzustellen, an dem sie gestanden haben. Jedoch haben auch Bürger ihrer Pflichten, um mögliche Unfälle zu verhindern. (© Stefanie Dullweber)

Halle-Künsebeck. „Alle Bewohner stellen ihre Tonnen sauber an den Rand der Fahrbahn und der Entsorger stellt sie dann kreuz und quer auf dem Gehweg ab", ärgert sich Marcus Roscher. Dann stünden, so schildert der Anwohner des Dr.-Georg-Schäfer-Ring, nicht nur drei oder vier Tonnen, sondern „nahezu 100 auf dem Gehweg". Roscher sieht darin eine Gefahr für die Sicherheit der Bürger. „Vor allem Kinder auf dem Weg zur Schule oder zum Kindergarten sind davon betroffen", sagt Roscher. Dem Abfallentsorger sei dies wohl „vollkommen egal". Man sei nur daran interessiert, keinen Schritt mehr als nötig zu machen.

Besonders problematisch sei die Lage beim Abholen der gelben Säcke. „Gelbe Säcke werden nur mitgenommen, wenn sie auf dem Gehweg liegen", schildert Roscher die Situation. Da es sich um Säcke handele, könne man sie nicht akkurat am Fahrbahnrand abstellen. „Wir stellen unsere Säcke immer hinter dem Zaun und somit etwa zehn Zentimeter vor dem Gehweg ab. Da bleiben sie dann einfach stehen und werden nicht mitgenommen", ärgert sich der Künsebecker.

Nach der Leerung stehen die Tonnen am Dr.-Georg-Schäfer-Ring quer über den Gehweg verteilt. - © Markus Roscher
Nach der Leerung stehen die Tonnen am Dr.-Georg-Schäfer-Ring quer über den Gehweg verteilt. (© Markus Roscher)

„Die Situation ist lebensgefährlich"

Man verlange praktisch, mit den Gelben Säcken den Schulweg zu verstellen. „Alle Menschen, die normalerweise den Gehweg benutzen, müssen dann auf die Fahrbahn ausweichen. Das ist nicht nur in unserer Straße der Fall", sagt Roscher. „Gelbe Säcke gehören nicht auf die Fahrbahn, aber auch nicht auf den Gehweg. Macht man es aber nicht so wie gewünscht, werden sie einfach nicht mitgenommen."

Halles Abfallberaterin Janine Thannhäuser ist die Beschwerde von Marcus Roscher nicht unbekannt. Der Künsebecker hat sich auch schon bei ihr gemeldet. „Es kommt vor, dass sich Bürger wegen solcher Anliegen melden", sagt Thannhäuser. Von einer auffälligen Häufigkeit könne man jedoch nicht sprechen.

Beide Seiten sind in der Pflicht

Zugleich weist sie darauf hin, dass die Bürger selbst hinsichtlich der Müllbehälter in der Pflicht stehen. „Laut unserer Ordnungsbehördlichen Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und unserer Satzung über die Abfallwirtschaft und -entsorgung sind die Mülltonnen an der Grundstücksgrenze zur Straße, die vom Sammelfahrzeug befahren wird, rechtzeitig bereitzustellen", erklärt Thannhäuser. Die Behältnisse müssten am Tag der Leerung ab 6 Uhr bereitstehen. „Dabei ist darauf zu achten, dass eine Störung der öffentlichen Ordnung ausgeschlossen ist und die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs nicht beeinträchtigt wird", erklärt die Mitarbeiterin der Stadt Halle. Aber auch im Anschluss steht der Bürger in der Pflicht. „Nach der Entleerung sind die Müllbehälter unverzüglich zu entfernen", sagt Thannhäuser.

Abfallexpertin Janine Thannhäuser. - © Birgit Nolte
Abfallexpertin Janine Thannhäuser. (© Birgit Nolte)

Auf der anderen Seite müssten die Mülltonnen allerdings auch von der Müllabfuhr an die Stelle zurückgestellt werden, an der sie zur Leerung bereitstanden.

„Wer bei einem möglichen Unfall haften würde, lässt sich so pauschal nicht sagen", sagt Thannhäuser. Dies müsste dann wohl im Einzelfall geprüft werden. Grundsätzlich sei dies erstmal der Verursacher. Wer aber diese Rolle einnehmen müsse, sei ebenfalls oftmals nicht sofort klar.

Es gehe darum, Kinder zu schützen

„Ich empfinde die Situation mitunter als lebensgefährlich", fordert Roscher weiterhin eine Änderung der aktuellen Verhältnisse. Seiner Ansicht nach nehmen die Mitarbeiter des Abfallentsorgers offenbar lieber verletzte oder tote Menschen in Kauf, anstatt einen Schritt zu viel zu machen. „Und das, obwohl das doch deren Beruf ist", sagt Roscher.

Ihm gehe es nicht um Panikmache, sondern darum, die Kinder zu schützen. „Es ist der reine Zickzack-Kurs auf unseren Gehwegen. Verursacht durch unser Abfallunternehmen und unser Ordnungsamt, welches dieses Problem wohl einfach ignoriert", sagt Roscher. Er sei sich sicher, dass die von ihm beobachteten Szenen in Künsebeck auch an vielen anderen Stellen in der Stadt ein gewohntes Bild darstellten.

Copyright © Haller Kreisblatt 2021
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.