HalleHalles neuer Bürgermeister: Thomas Tappe fährt einen klaren Sieg ein

Der Favorit aus Hörste erobert für die CDU das Bürgermeisteramt und beendet ab November die 18-jährige sozialdemokratische Ära unter Anne Rodenbrock-Wesselmann. Edda Sommer (SPD) ist mit ihrem Ergebnis zufrieden – an anderer Stelle droht indes Streit.

Marc Uthmann

Als auch der letzte der 38 Stimmbezirke ausgezählt ist und sich bestätigt, was sich seit der ersten Auszählung um 18.12 Uhr angedeutet hat, freut sich Thomas Tappe über den Sieg. Ehefrau Sonja nimmt ihn direkt in den Arm, während Sohn Manuel noch einmal das Ergebnis auf der Videoleinwand überprüft. Foto: Uwe Pollmeier - © Uwe Pollmeier
Als auch der letzte der 38 Stimmbezirke ausgezählt ist und sich bestätigt, was sich seit der ersten Auszählung um 18.12 Uhr angedeutet hat, freut sich Thomas Tappe über den Sieg. Ehefrau Sonja nimmt ihn direkt in den Arm, während Sohn Manuel noch einmal das Ergebnis auf der Videoleinwand überprüft. Foto: Uwe Pollmeier © Uwe Pollmeier

Halle. Als der Applaus seiner Parteifreunde aufbrandet, seine Frau Sonja ihn in den Arm nimmt und auf dem Bildschirm nur „grüne", also fertig ausgezählte Wahlbezirke aufleuchten, da steht Thomas Tappe auf, lächelt und reißt kurz die Arme in die Luft. Um kurz darauf zu fragen: „Aber da stehen doch immer noch nur 37 von 38 Schnellmeldungen."

Gründlichkeit, Bescheidenheit, stets um Ausgleich bemüht – Halles künftiger Bürgermeister will seinen Sieg auch in diesem Moment erst feiern, wenn er wirklich feststeht. Kurz darauf räumt Wahlleiter Jürgen Keil auch die letzten Zweifel aus. Nur gut 70 Minuten dauert dieser Wahlabend für die Statistik-Fans, dann liegen alle Ergebnisse vor. Die Spannung ist schon deutlich früher raus. Um 18.20 Uhr liegen neun von 38 Schnellmeldungen vor und Tappe liegt mit 63,98 Prozent vorne. Sein Vorsprung wird kurz darauf etwas kleiner, doch fortan hält er seine 60 Prozent bis zum Schluss.

Thomas Tappe (CDU) und Edda Sommer (SPD) im Event Center - © Uwe Pollmeier
Thomas Tappe (CDU) und Edda Sommer (SPD) im Event Center (© Uwe Pollmeier)
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Der Liveticker zur Wahl

Auf die Bühne des OWL Event Centers möchte der CDU-Mann für seine Rede nicht steigen, er begründet das mit einem Bibelzitat: „Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden." Tappe dankt seiner Konkurrentin Edda Sommer (SPD) für einen fairen Wahlkampf und seinen Parteifreunden für die Unterstützung: „Besonders unser Stadtverbandsvorsitzender Axel Reimers war Tag und Nacht für mich unterwegs."

Ohne seine Familie aber, so betont der Wahlsieger, wäre er womöglich gar nicht angetreten: „Sie haben mich bestärkt und unterstützt – auch wenn sie mich in den vergangenen Wochen nur wenig gesehen haben." In seiner Analyse der Wahl zeigt sich der 49-Jährige durchaus erleichtert: „Es bestand die Gefahr, dass es viele meiner Unterstützer aufgrund des Vorsprungs aus dem ersten Wahlgang nicht für nötig halten, noch mal zu kommen."

CDU-Stadtverbandsvorsitzender Axel Reimers gratuliert Thomas Tappe zum deutlichen Sieg in der Stichwahl. - © Uwe Pollmeier
CDU-Stadtverbandsvorsitzender Axel Reimers gratuliert Thomas Tappe zum deutlichen Sieg in der Stichwahl. (© Uwe Pollmeier)

Doch obwohl die Wahlbeteiligung diesmal nur bei 49,91 Prozent liegt, konnte Thomas Tappe seine Klientel mobilisieren. Edda Sommer hätte hingegen die kompletten grünen Stimmen von Kirsten Witte einsammeln müssen, was ihr nicht gelang. Die Sozialdemokratin nimmt die Niederlage sportlich: „Es ist für mich respektabel, es in die Stichwahl geschafft zu haben. Thomas war ein guter Gegenkandidat." Das grüne Potenzial habe sie offenbar nicht gehoben, gesteht die 42-Jährige ein, um dann durchaus süffisant anzufügen: „Dabei haben SPD und Grüne in den vergangenen Jahren doch viel gemeinsam auf den Weg gebracht."

Auch SPD-Sprecher Jörg Witteborg ist es sauer aufgestoßen, dass sich die Grünen vor der Stichwahl nicht für Edda Sommer positioniert haben – und am Sonntag zudem kaum Präsenz zeigen: „Das ist schon eine Frage von Anstand und Fairness. Wie will man etwas in der Verkehrs- und Klimapolitik erreichen, wenn man seine Partner verprellt?"

Im Beisein von Wahlleiter Jürgen Keil gratuliert Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann (links) der Zweitplatzierten Edda Sommer. Foto: Marc Uthmann - © Marc Uthmann
Im Beisein von Wahlleiter Jürgen Keil gratuliert Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann (links) der Zweitplatzierten Edda Sommer. Foto: Marc Uthmann (© Marc Uthmann)

Grünen-Sprecher Frank Winter immerhin ist im Laufe des Abends ins Event Center gekommen – er reagiert deutlich auf die Kritik: „Wenn die SPD sauer ist, dann ist das so. Wir haben diesmal bewusst keine Position bezogen und es laufen lassen." Eine rot-grüne Koalition habe es im Rat explizit nie gegeben: „Wir werden uns wechselnde Mehrheiten suchen für unsere Projekte. Die CDU etwa trägt ja jetzt die große Fahne der Nachhaltigkeit – das wird sie unter Beweis stellen müssen."

Und während Edda Sommer ankündigt, für die SPD-Fraktion künftig eine wichtige Rolle im Rat spielen zu wollen, setzt der künftige Bürgermeister noch am Abend vorsichtig erste Akzente: „Ich möchte ein Bürgermeister für alle Parteien und Gruppierungen sein und ein vernünftiges Miteinander pflegen." Besonders wichtig ist Thomas Tappe der Haushalt für 2021, der in diesem Jahr noch eingebracht werden muss. „Ich denke, das sollte im Dezember geschehen, damit ich darauf als der Mann, der ihn künftig zu verantworten hat, auch Einfluss nehmen kann.

Thomas Tappe hat angekündigt, dass die Getränke des Abends jetzt auf ihn gehen – endlich kann Halles künftiger Bürgermeister sie mit seinen Gratulanten nun auch genießen.

Kommentar: Als Moderator gefragt

Die Haller haben einen Mann der Sachlichkeit an die Spitze des Rathauses gewählt. Thomas Tappe paart große Verwaltungserfahrung mit dem unbedingten Versuch, Konflikte möglichst kompromissorientiert zu lösen. Wenn er an diesem Kurs festhält, könnte das die Wogen in Verwaltung und Politik ebenso glätten wie bei vielen unzufriedenen Bürgern. Denn in vielen wichtigen Fragen für die Stadt sollten konstruktive Lösungen die polemischen Debatten ablösen.

Edda Sommer hat sich mit ihren achtbaren knapp 40 Prozent als eine starke Frontfrau der SPD empfohlen – solche wird die im Umbruch befindliche Partei indes auch brauchen. Die Risse im Verhältnis zu den Grünen sind allerdings offenbar geworden, die Zeit verlässlicher Mehrheiten ist endgültig vorüber.

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