VersmoldÜberall gibt es zu wenig Hebammen: Diese Stadt lockt nun mit einer Prämie

Werdende Eltern spüren zunehmend den Mangel an Hebammen. Finanzielle Anreize sollen die Situation vor Ort verbessern – die Geburtsstunde einer neuen Förderrichtlinie.

Tasja Klusmeyer

Ein Neugeborenes verändert das Leben. Eltern haben viele Fragen - da sind Hebammen wichtige Ansprechpersonen. - © Symbolfoto CCO Pixabay
Ein Neugeborenes verändert das Leben. Eltern haben viele Fragen - da sind Hebammen wichtige Ansprechpersonen. © Symbolfoto CCO Pixabay

Versmold. Ende 2004 kam das letzte Baby im Versmolder Krankenhaus zur Welt. Die Wege in den Kreißsaal sind seitdem weiter geworden. Die Zahl der Säuglinge aber ist zuletzt nach oben gegangen. In den vergangenen Jahren gestaltete es sich zudem schwieriger für werdende und frisch gebackene Eltern, eine Hebamme für Vorbereitung und Nachsorge zu bekommen. Die Stadt wird nun tätig, um die Versorgung vor Ort zu verbessern. Die Verwaltung hat eine Richtlinie erarbeitet, wonach die Niederlassung freiberuflicher Hebammen und Entbindungspfleger mit einer Prämie unterstützt wird.

„Schon jetzt ist es für Familien mit Aufwand verbunden, eine Versorgung mit Hebammenleistung zu erhalten. Es ist absehbar, dass sich altersbedingt mittelfristig die Situation verschlechtern wird", begründet Bürgermeister Michael Meyer-Hermann diesen Schritt. Zum allgemeinen Problem des Hebammen-Mangels, unter anderem bedingt durch hohe Versicherungsprämien, kommt in Versmold die Lage. Denn für auswärtige Hebammen sei eine weitere Anfahrt nicht wirtschaftlich. Bei den Abrechnungsbeiträgen durch die Krankenkassen sei das Wegegeld auf eine Entfernung bis 20 Kilometer begrenzt.

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Finanzspritze soll Anreize schaffen

Bürgermeister Meyer-Hermann schlägt deshalb der Politik eine Niederlassungsprämie in Höhe bis zu 5.000 Euro vor, um neue Anreize zu setzen. Die Finanzspritze ist Teil der städtischen Förderung zur Stärkung des Gesundheitsstandortes. Anfang Februar hatte Meyer-Hermann einen ähnlichen Vorstoß gemacht, um Ärzte nach Versmold zu locken. Auch in der medizinischen Versorgung droht ein Engpass. Die Stadt bezuschusst deshalb Investitionskosten zu 50 Prozent bis zu maximal 35.000 Euro. Profitieren sollen Allgemeinmediziner und Fachärzte, die sich mit einer neuen Praxis niederlassen oder eine bestehende übernehmen wollen, ebenso wie Gemeinschaftspraxen, die eine neue Zweigstelle schaffen oder weitere Ärzte anstellen möchten.

Die Hebammen-Förderung sieht der Verwaltungschef nun als Ergänzung. Zweck ist die Sicherstellung einer ausreichenden Hebammenversorgung in der Stadt. „Wir haben uns das in Bayern abgeschaut, wo es landesweit ein Programm gibt", erklärte er im Haupt,- Finanz- und Digitalausschuss. Der einmalige Zuschuss kann für Betriebskosten oder Einrichtung einer Praxis verwendet werden. Voraussetzung ist, dass die Person sich für fünf Jahre an Versmold bindet. Die Richtlinie tritt zum 1. Juni in Kraft; Anträge können bis Mitte Dezember gestellt werden.

„Ein sehr gutes Zeichen, dass wir uns auf kommunaler Ebene kümmern", sagte CDU-Fraktionschef Ulrich Wesolowksi. Die anderen Fraktionen sehen das genauso und stimmten der Richtlinie allesamt zu. Final steht das Thema im Stadtrat am 6. Mai noch einmal auf der Tagesordnung.

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