Jede fünfte Geburt findet ohne Hebamme statt

Wegen des anhaltenden Mangels in der Geburtshilfe können Vorbereitungs- und Rückbildungskurse nicht stattfinden. Abhilfe könnten die Krankenkassen schaffen.

Jonas Damme

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Steinhagen. Beim Treffen der Kreisfamilienzentren gilt der Hebammenmangel mittlerweile als Dauerthema. Seit Jahren ist es für werdende Mütter in Steinhagen sehr schwierig, eine Betreuerin zu finden. Bei der Vor- und Nachsorge zeigt sich das Problem besonders deutlich: „Mütter müssen bis zu sechs Monate auf einen Rückbildungskurs warten", weiß Elisabeth Zsiska, Leiterin des Steinhagener Familienzentrums. In der Gemeinde würden solche Vorsorge- und Rückbildungskurse ihres Wissens gar nicht mehr angeboten.

Wie Zsiska berichtet, konnten nach ihrer Zählung im vergangenen Jahr 17 Prozent der 139 Steinhagener Familien, die sie besucht hat, keine Hebamme in Anspruch nehmen – obwohl sie das fast immer wollten. Insgesamt habe es in Steinhagen in dem Zeitraum rund 170 Geburten gegeben. Das Problem: Gegenwärtig gibt es keine einzige direkt für Steinhagen zuständige Hebamme.

Werdende Mütter müssen sich also an Praxen und selbstständige Hebammen aus den Nachbarkommunen wenden. „Die sind aber auch oft sehr ausgelastet", sagt die Familienzentrumsleiterin. So könne die Suche nach einer Geburtshelferin zur Sisyphusarbeit werden.

Sie habe schon mit Frauen gesprochen, die nach mehreren Anfragen schließlich aufgegeben hätten. Wer keine Hebamme hat, wendet sich, wenn es Probleme oder Fragen gibt, meist an einen Arzt oder geht direkt ins Krankenhaus. Das Überlastungsproblem verschiebt sich also nur.

Grund für den Mangel an Hebammen ist der schlechte finanzielle Rahmen der Geburtshelferinnen. Kurz: die Versicherungen sind zu teuer. „Die Berufshaftpflicht ist so hoch, dass es keinen Nachwuchs mehr gibt", berichtet Zsiska. „Für viele rechnet es sich einfach nicht mehr." Sie selbst habe schon mit der Gemeinde gesprochen, ihre Kolleginnen hätten das Problem auch auf Kreisebene thematisiert. „Aber auch diese Gremien habe keinen Einfluss. Es geht um die Krankenkassen", so Zsiska. Einzig eine Vergünstigung der Versicherung mit bundes- oder landespolitischen Mitteln können eine Lösung herbeiführen.

Elisabeth Zsiska, Leiterin des Familienzentrums Steinhagen. - © Jonas Damme
Elisabeth Zsiska, Leiterin des Familienzentrums Steinhagen. (© Jonas Damme)


„Die Kreisfamilienzentren wollen außerdem einmal pro Woche in jeder Kommune eine Hebammensprechstunde anbieten", so Zsiska. „Aber auch das ist ja nun ein Tropfen auf den heißen Stein." Auch in der Steinhagener Politik ist das Problem schon thematisiert worden, allerdings – da stimmt Bürgermeister Klaus Besser der Familienzentrumsleiterin zu – kann es nicht auf kommunaler Ebene gelöst werden.

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