Auch in Versmold fehlen Hebammen

Stilltreff: Deutschlandweit wird ein Mangel an Hebammen beklagt. Versmolder merken das an verschiedenen Stellen. Auch die Stadt musste jetzt ein Angebot umplanen

Tasja Klusmeyer

Gesprächsrunde auf der Krabbeldecke: Victoria Wasiu mit Tochter Aisosa Luna (von links), Marta Dauer mit Magnus, Kinderkrankenschwester Sabine Bredow, Anja Lorenz, deren Sohn Nino bei Kinderärztin Dr. Claudia Hamacher sitzt, sowie Isabel Imbernon, die fürs Foto die kleine Isabell auf den Arm genommen hat, treffen sich zum Informations- und Erfahrungsaustausch. - © Tasja Klusmeyer
Gesprächsrunde auf der Krabbeldecke: Victoria Wasiu mit Tochter Aisosa Luna (von links), Marta Dauer mit Magnus, Kinderkrankenschwester Sabine Bredow, Anja Lorenz, deren Sohn Nino bei Kinderärztin Dr. Claudia Hamacher sitzt, sowie Isabel Imbernon, die fürs Foto die kleine Isabell auf den Arm genommen hat, treffen sich zum Informations- und Erfahrungsaustausch. (© Tasja Klusmeyer)

Versmold. Kerstin Walter, Leiterin des Hauses der Familie, bittet einmal im Monat zum Still- und Fläschchentreff an die Altstadtstraße 4. Bislang leitete das Angebot immer eine Hebamme, zuletzt Katja Wilke. Eine berufliche Veränderung macht es der erfahrenen Kraft nicht mehr möglich, die regelmäßigen Treffen zu veranstalten. In Sabine Bredow hat die Stadt zwar eine Nachfolgerin gefunden, doch die Suche stellte sich schwieriger dar als gedacht.

Eine Hebamme zu finden, war nicht möglich. Kerstin Walter kassierte mehrere Absagen und griff deshalb auf eine andere bewährte Ansprechpartnerin zurück. Sabine Bredow ist gelernte Kinderkrankenschwester und als solche im Auftrag der Stadt seit 2011 im Babybesuchsdienst unterwegs. Dass es schwierig ist, für die Begleitung während der Schwangerschaft und für die Nachsorge eine Hebamme zu bekommen, erfährt Bredow bei den regelmäßigen Hausbesuchen. Vielen werdenden Eltern sei das nur „mit ganz viel Telefonieren" gelungen.

Suche oft schon im frühen Stadium der Schwangerschaft

Die Mütter, die beim Still- und Fläschchentreff sitzen, schafften es. Vor allem, weil sie sehr früh mit der Suche begannen. „Ich habe mich kurz nach dem Schwangerschaftstest schlaugemacht", erzählt eine Versmolderin. Wie ihr ging es den anderen in der Runde auch. Oftmals bekamen sie aus dem Freundes- und Familienkreis vom Hebammenmangel mit und kümmerten sich rechtzeitig.

Einen Trend, den auch Kinderärztin Dr. Claudia Hamacher, die Gast beim Still- und Fläschchentreff ist, neulich direkt erfuhr. In ihrer Praxis habe eine Schwangere angerufen und Nachwuchs für Juni angekündigt. So weit, dass man sich schon zu Beginn der Schwangerschaft einen Kinderarzt suchen muss, ist es in Versmold noch nicht.

Der Mangel an Hebammen dagegen ist deutlich spürbar. Konkrete Zahlen für die Region gebe es nicht, sagt Kerstin Walter. Beim Treffen der Kreisfamilienzentren Anfang der Woche sei das Thema besprochen worden. Man gehe davon aus, dass geschätzt zehn bis 20 Prozent der Frauen keine Hebamme finden. Im Rahmen der Jugendhilfeplanung will der Kreis sich des Themas annehmen und zunächst Zahlen ermitteln.

Still- und Fläschchentreff immer am vierten Mittwoch im Monat

Angesichts der angespannten Situation, das zeigen die Erfahrungen der Mütter beim Stilltreff, klappt es nicht immer mit der Hebamme der ersten Wahl oder direkt am Wohnort. Manchmal sind es auch verschiedene Hebammen, die die unterschiedlichen Phasen der Betreuung übernehmen. „Ich hätte es schöner gefunden, eine Hebamme während der ganzen Zeit zu haben", sagt eine Mutter.

Viele Mütter, das hört auch Kerstin Walter immer, fahren zur Geburtsvorbereitung oder später zur Rückbildung in umliegende Orte, insbesondere ins Niedersächsische. Die Hebammengemeinschaft am Haller Krankenhaus, aus der früher immer Kolleginnen für Versmold zuständig waren und die Angebote vor Ort abdeckten, hat sich aus Versmold weitgehend zurückgezogen. Vorbereitungs- oder Rückbildungskurse bietet sie in der Fleischstadt zurzeit nicht an.

Kerstin Walter gibt die Suche nicht auf. Und hofft, dass sich irgendwann Hebammen finden, die das Angebot vor Ort wieder aufstocken.

Der Still- und Fläschchentreff findet immer am vierten Mittwoch im Monat ab 10 Uhr im Haus der Familie statt.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.