VersmoldHK-Serie "Max mittendrin": So arbeitet Hebamme Christine Gallan

Max Backhaus

Babybaden: Christine Gallan zeigt Michael Gürlich, wie er seine Tochter Isabell richtig abtrocknet. - © Max Backhaus, HK
Babybaden: Christine Gallan zeigt Michael Gürlich, wie er seine Tochter Isabell richtig abtrocknet. © Max Backhaus, HK

Versmold. Denn seit 1990 kann sie nicht mehr im Kreißsaal arbeiten. Zwei Bandscheibenvorfälle machten der Arbeit einen Strich durch die Rechnung. „Ich habe es geliebt, den Frauen zu helfen, ihre Kinder auf die Welt zu bringen", sagt die 58-Jährige mit gesenkter Stimme. Über einen Berufswechsel musste sie sich dennoch keine Sorgen machen – zu facettenreich ist das Arbeitsfeld einer Hebamme.

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Und so entschied sich Gallan gegen einen kompletten Neuanfang und für eine Umorientierung innerhalb ihres Berufsfeldes. Vom Kreißsaal in den Hörsaal. Und zusätzlich zur Geburtsvorbereitung kommt nun auch die Nachsorge. Heute arbeitet die gebürtige Allgäuerin drei Tage in der Woche als Lehrerin in der Hebammenschule in Paderborn, wo sie eine 63-Prozent-Stelle hat. Dort bringt sie angehenden Hebammen etwa den richtigen Umgang beim Stillen bei, informiert über die Themen »alternative Heilmethoden« sowie die physio- und pathologischen Abläufe im Wochenbett. Schließlich gibt die Fachfrau Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse.

Den Rest der Zeit kümmert sie sich um Familien mit Neugeborenen in Versmold, Greffen, Brockhagen, Steinhagen und Harsewinkel. Wobei die Formulierung »Rest der Zeit« keinesfalls als fehlende 37 Prozent zur Vollzeitstelle verstanden werden darf. „Manchmal steige ich morgens um viertel nach sechs ins Auto und komme erst abends um neun wieder zu Hause an", rechnet Gallan vor. Der Hebammennotstand mache diesen Aufwand nötig: „Ich habe keine Zeit für den Haushalt oder für Rechnungen, es bleibt einfach viel auf der Strecke."

Anspruchsvolle Ausbildung, hohe Versicherungskosten

Dankbar: Michael Gürlich (von links) und Ines Rudert danken Christine Gallan für ihre Hilfe beim ersten Bad von Isabell. - © Max Backhaus, HK
Dankbar: Michael Gürlich (von links) und Ines Rudert danken Christine Gallan für ihre Hilfe beim ersten Bad von Isabell. (© Max Backhaus, HK)

Verantwortlich für den schwindenden Nachwuchs von Hebammen seien ihrer Meinung nach unter anderem die anspruchsvolle Ausbildung und die hohen Versicherungskosten. „Ich höre von Eltern oft, dass ich die letzte Rettung bei der Hebammensuche sei", sagt Gallan. Und das obwohl die Zukunftssicherung des Berufes garantiert sei und es auch an der Arbeitsnachfrage nicht mangle.

Keine Sorgen machen müssen sich derweil Ines Rudert und Michael Gürlich, deren Tochter Isabell vor dreieinhalb Wochen auf die Welt kam. Bis zur zwölften Woche bekommen sie regelmäßig Besuch von Christine Gallan, die in den ersten zehn Tagen bei Bedarf sogar täglich käme. Heute soll ihre Tochter zum ersten Mal gebadet werden. Hört sich vielleicht einfach an, doch dabei kommen mehr Fragen auf, als dies anzunehmen sei.

Worin wird gebadet? Womit wird gewaschen? Wie warm soll das Wasser sein? Gallan hat auf alles eine Antwort. „Bei der Größe nehmen wir einfach das Waschbecken, eine Hand voll Molkebad und lauwarmes Wasser", sagt Gallan, die selbst einen Sohn und ein Enkelkind hat. Am besten wärme man das Waschbecken vor und lege die Kleidung auf die Heizung, damit das Baby im Anschluss nicht auskühlt.

"Ich werde auch im nächsten Leben wieder Hebamme"

Anschließend zeigt sie den Eltern, wie das Baby beim Wickeln passend hingelegt und hochgehoben wird, damit sich Isabell möglichst sicher fühlt.„Trotzdem hat meine Arbeit eigentlich eher mit der Familie an sich zu tun", erklärt die Hebamme. Ratschläge bei Übelkeit oder Rückenschmerzen in der Schwangerschaft gibt sie genau wie Tipps an den Vater, wie er die Mutter am besten unterstützen kann. Dazu kamen jahrelang Babyschwimmen, Schwangerschaftsyoga, Elternkurse, Babymassagen und Rückbildungskurse, die sie aus Zeitgründen nicht mehr anbietet.

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Vor allem in der Schwangerschaft und der Rückbildung schwört Gallan auf die Craniosacrale Bioresonanztheraphie, bei welcher der Körper zurück ins Gleichgewicht kommen soll: Eine Mutter, die durch eine Frühgeburt ihr Kind verloren hatte, behandelte sie nach dem Schicksalsschlag ebenfalls damit. Es seien nun einmal nicht nur die schönen Seiten, die zum Beruf gehörten. Und trotzdem ist Christine Gallan felsenfest überzeugt: „Ich werde auch im nächsten Leben wieder Hebamme – dann nur mit einem gesunden Rücken."

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