Hotspot-Risiko? Menschenmengen wandern im Teuto durch den Schnee

Der Teutoburger Wald erlebt gerade einen riesigen Zulauf – Wandern, Biken oder Joggen sind angesagte Arten der Bewegung in der Pandemie. Hotspot-Risiko oder begrüßenswerter Trend?

Herbert Gontek

Heißgetränke gibt es hier natürlich nicht, trotzdem steht die Kaffeemühle bei vielen Wanderern auf dem Plan. - © Ulrich Fälker
Heißgetränke gibt es hier natürlich nicht, trotzdem steht die Kaffeemühle bei vielen Wanderern auf dem Plan. (© Ulrich Fälker)

Halle. Gestern war kein normaler Tag in den Hängen des Teutoburger Waldes. Die daumendicke Schneedecke sorgte noch einmal für einen besonderen Kick in Bezug auf den Zulauf. Auf jeder schrägen und halbwegs geraden Fläche wurde gerodelt.

Der Samstag war eher ein Standardtag in der Pandemie. Aber schon da machten sich Hunderte von Menschen auf den Weg in den Wald, um sich körperlich zu belasten und maskenfrei durchatmen zu können. Es wurde eng rund um und auf dem Hermannsweg und den Wanderparkplätzen – und nicht nur da: Man wandert wieder und das nicht erst seit dem verschärften aktuellen Lockdown.

Auch die Müllmengen sind deutlich angestiegen

Der Parkplatz am Haus Ascheloh war schon am Samstag überfüllt. Am Sonntag, bei Schnee, standen die parkenden Autos sogar bis zum Kreisel. - © Herbert Gontek
Der Parkplatz am Haus Ascheloh war schon am Samstag überfüllt. Am Sonntag, bei Schnee, standen die parkenden Autos sogar bis zum Kreisel. (© Herbert Gontek)

Dass seit einem Jahr mehr los ist im Wald, macht ein Jagdpächter am Hermannsweg in Halle auch daran fest, dass seit Corona deutlich mehr Müll entsorgt wird. Nahm er vor dieser Zeit monatlich einen Sack mit ins Tal, sind es jetzt vier bis fünf mal so viele.

Auf dem Hermannsweg waren früher überwiegend Fernwanderer unterwegs. Dies ist heute auch noch so, aber es kommen viele heimische für einen kürzeren Spaziergang dazu. Interessant sind auch die anvisierten Ziele. Vom Parkplatz am Grünen Weg vor dem Haus Ascheloh gingen am Samstag die meisten Kurzwanderer in Richtung Bielefeld. Zum Beispiel eine junge Familie mit zwei kleinen Kindern aus Spenge. Sie hatten zunächst mit ihren Kindern in Werther die mobile Zuckerbude besucht und trainierten anschließend die gewonnene Energie auf dem Kammweg wieder ab.

Auffallend ist der hohe Anteil von Familien mit Kindern

Die Etappenwanderer starteten dagegen überwiegend in Richtung Ravensburg oder kamen aus dieser Richtung, wie Birgitt und Martin Huster aus Warendorf. Eigentlich, so sagten sie am Samstag, hätten sie vorgehabt, den Hermannsweg in Richtung Detmold etappenweise zu erwandern, doch fehlende Übernachtungsmöglichkeiten hätten das zunächst zunichte gemacht.

Der weiter unten gelegene Wanderparkplatz Grüner Weg an der Drachenwiese ist dagegen Anlaufpunkt für einen kürzeren Gang durch den Haller Stadtwald oder zu den Waldbegräbnissen.

Spaziergang wird zur matschigen Angelegenheit

Der Wanderparkplatz an der Wertherstraße wird überwiegend wieder von Aktiven angefahren, die die Ravensburg zum Ziel haben. Die rund 16 Kilometer lange Strecke hin und zurück wird zum Beispiel von der Wander-App „Komoot" empfohlen und als mittelschwere Tagesetappe beschrieben. Auf dieser Tour waren am Samstag Katharina (30) aus Münster und Nane (30) aus Bielefeld, die hier morgens auch gestartet waren.

Auffallend ist der hohe Anteil von Familien mit Kindern, die sich selbst mit Kinderwagen auf die Waldwege wagen, um mal raus zu kommen. Und das wird streckenweis zu einer matschigen Angelegenheit, denn viele Abschnitte des Hermannsweges sind bedingt durch die umfangreichen Fällarbeiten und die damit verbundenen Holztransporte nur schwer begehbar und seit dem Wochenende nach den frostigen Temperaturen spiegelglatt.

Auf Abstand wird geachtet

Etappenwanderer: Birgitt und Martin Huster aus Warendorf kämpften sich auf matschiger und glatter Piste von der Ravensburg nach Werther. Hier am Wanderparkplatz war das Ende dieses Tages. - © Herbert Gontek
Etappenwanderer: Birgitt und Martin Huster aus Warendorf kämpften sich auf matschiger und glatter Piste von der Ravensburg nach Werther. Hier am Wanderparkplatz war das Ende dieses Tages. (© Herbert Gontek)

Zu den heimischen Wanderern, die sich durch körperliche Belastung und kalten Wind mal ein paar Stunden von ihren Jobs einen Abstand verschaffen, gehörte am Samstag auch Thorsten Klute. Der ehemalige Versmolder Bürgermeister und heutige Vorsitzende der AWO in Ostwestfalen-Lippe war mit seiner Familie unterwegs. „Das machen wir öfter und haben es auch schon vor Corona getan", sagte er im Vorbeigehen in Richtung Bielefeld.

Auch wenn viele Menschen gegenwärtig zur gleichen Zeit unterwegs sind, verhalten sich die meisten gesetzeskonform. Oft sind sie in Zweiergruppen unterwegs, aber auch Familienverbände, die augenscheinlich die Bedingungen der Bestimmungen erfüllen, sind dabei. Beim Rasten oder auf den Parkplätzen kann es schon mal enger werden, aber viele drängen auf die Einhaltung der Distanz, um sich in Ruhe ankleiden oder ein Pausenbrot essen zu können.

Was fehlt? Kaffee to go!

Stichwort Pause: Auf das Brot können die Kurzwanderer verzichten, aber ein Heißgetränk an der Strecke stand bei mehreren Angesprochenen auf der Wunschliste. „Jetzt fehlt nur noch ein Kaffee to go", sagte zum Beispiel ein Wanderer. Leider gibt es ihn derzeit zwischen Ravensburg und Haus Ascheloh nicht – erst wieder am Kiosk der Schwedenschanze.

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