HalleSo hatte sich Thomas Tappe seinen Start als Bürgermeister nicht vorgestellt

Offiziell hat seine Amtszeit bereits Sonntag begonnen, der erste richtige Arbeitstag ist allerdings erst heute. Um halb acht möchte Halles neuer Bürgermeister am Schreibtisch sitzen, für den Rest des Tages ist der Kalender dicht. Die erste Herausforderung steht indes vorher schon an.

Nicole Donath

30 Jahre bogen Sonja und Thomas Tappe morgens nach rechts in Richtung Versmolder Rathaus ab. Jetzt geht es in entgegengesetzte Richtungen – aber nur, was den Arbeitsplatz betrifft! - © Nicole Donath
30 Jahre bogen Sonja und Thomas Tappe morgens nach rechts in Richtung Versmolder Rathaus ab. Jetzt geht es in entgegengesetzte Richtungen – aber nur, was den Arbeitsplatz betrifft! © Nicole Donath

Halle. Die Präsente, die Thomas Tappe anlässlich seiner Wahl zum Bürgermeister erhalten hat, sind schon zur Seite geräumt. Entweder haben sie einen Platz in dem Hörster Anwesen gefunden oder sie sind mittlerweile in Gebrauch. Und doch steht der Esszimmertisch gerade schon wieder voller Geschenke. Dieses Mal sind es die Abschiedsgeschenke, die der 49-Jährige von seinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Versmolder Rathaus bekommen hat.

Tappe mit der Sitzungsglocke seines Großvaters Fritz Ostmeyer. - © Nicole Donath
Tappe mit der Sitzungsglocke seines Großvaters Fritz Ostmeyer. (© Nicole Donath)

Thomas Tappe schüttelt den Kopf. Nur schwer kann er die Tränen der Rührung zurückhalten. „Die letzten Tage waren schon besonders", sagt er dann. „Viele haben geweint und wir hatten ja auch eine gute Verbindung." 30 Jahre habe er in der Stadtverwaltung gearbeitet. „Mit 19 habe ich da angefangen. Dort habe ich meine Frau kennen gelernt, in der Zeit wurden unsere drei Kinder geboren. Und wenn du zur Arbeit gekommen bist, hat der eine oder andere schon mal gefragt, was Mutter und Vater machen..." Einen Moment schweift sein Blick nachdenklich über den Tisch. Dann aber lächelt er und erzählt über seine neue Aufgabe. Über sein neues Amt als Bürgermeister der Stadt Halle und das, was er gleich am Montag und spätestens in den ersten Tagen angehen will. Wenn er sich denn nicht verfährt.

Ab heute biegt der neue Bürgermeister links ab

„30 Jahre bin ich morgens rechts in Richtung Versmold abgebogen", sagt Thomas Tappe und lacht. Übrigens immer mit dem Fahrrad, denn das diene der körperlichen Ertüchtigung und sei außerdem ein super Ausgleich. „Wenn ich wieder zu Hause bin, habe ich die Anspannung des Tages verarbeitet", sagt der Familienvater. Ab heute nun geht’s morgens links rum und zwar erst mal bergauf. „Aber wir haben meistens Westwind. Das bedeutet Rückenwind", stellt er fest und zwinkert.

Klingeln muss er übrigens nicht, wenn er in der Ravensberger Straße angekommen ist, denn den Schlüssel für die Haller Verwaltung hat Tappe ebenso wie Dienst-Laptop und iPad längst bekommen. Und dann will er sich direkt in die Arbeit stürzen. 8.30 Uhr Besprechung mit seinem Allgemeinen Stellvertreter Jürgen Keil, später Treffen mit dem Verwaltungsvorstand, Gespräche mit den Fachbereichsleiterinnen und -leitern, irgendwann geht’s noch zum Bauhof und dann, ganz wichtig, stehe noch die Einberufung des Stabes für außergewöhnliche Ereignisse auf dem Programm. „Hier müssen wir klären, ob Feuerwehr, Polizei und Rotes Kreuz voll einsatzfähig sind."

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Der Haushalt ist gleich zu Beginn ein wichtiges Thema

Thomas Tappe runzelt die Stirn. „So habe ich mir den Start weiß Gott nicht vorgestellt. Eigentlich hätte ich eine Personalversammlung angesetzt und es hätte Häppchen gegeben und auch Getränke, dafür hätte ich dann gesorgt. Aber das geht in Zeiten von Corona natürlich nicht. Und deshalb muss ich nicht nur gucken, in welcher Form ich mich bei den neuen Kolleginnen und Kollegen als Chef vorstelle, sondern wie wir uns überhaupt im neuerlichen Lockdown organisieren." Unter anderem habe Landrat und Parteifreund Sven-Georg Adenauer angeordnet, dass die Polizei eine größere Präsenz zeigen soll, um die angeordneten Maßnahmen zu kontrollieren. „Eigentlich fällt das aber vornehmlich in den Bereich des Ordnungsamtes. Mal sehen, aus welchen Fachbereichen wir da Unterstützung dazuholen."

Ein weiteres großes Paket, das Tappe zu Beginn seiner Amtszeit schnüren will, ist der neue Haushaltsentwurf. „Den möchte ich natürlich mitgestalten und aufstellen." Viele wichtige Projekte mit der dazugehörigen Zeitplanung stünden da an. „Allein die Empfehlung des Baukulturrates, eine neue Leitbilddiskussion anzustrengen, verändert einiges." Tappe nennt als Beispiele die Gestaltung der Langen Straße, die Betrachtung der Verkehrsflüsse, die rechte Herzhälfte der Innenstadt. „Das wird uns über Jahrzehnte begleiten und wir müssen vieles neu denken und eine verstärkte Bürgerbeteiligung organisieren. Wenn wir den Haushalt im Dezember einbringen wollen und im Februar verabschieden, gibt es also noch viel zu tun."

Er bringt seine eigene Sitzungsglocke mit

Hühner und Hähnchen, so wie früher, haben die Tappes nicht mehr, aber die beiden Schafe Sissy und Stopsy. Sie halten die Rasenflächen auf dem großen Anwesen kurz.  - © Nicole Donath
Hühner und Hähnchen, so wie früher, haben die Tappes nicht mehr, aber die beiden Schafe Sissy und Stopsy. Sie halten die Rasenflächen auf dem großen Anwesen kurz.  (© Nicole Donath)

Dann lächelt der Hörster vielsagend, geht ins Nebenzimmer und kommt mit einer schweren Messingglocke zurück. „Das war die Sitzungsglocke meines Großvaters, dem Landrat Fritz Ostmeyer. Die hat er 1985 anlässlich seines 75. Geburtstages bekommen. Jetzt hat sie mir mein Onkel geschenkt und ich freue mich so sehr darüber." Zur konstituierenden Sitzung des neuen Rates, der auf Basis eines Sondererlasses trotz Pandemie wird tagen können, will er die mitnehmen. „Wenn es Zwischenrufe gibt, läute ich damit", sagt er und lacht.

Thomas Tappe überlegt kurz, dann sagt er: „Am ersten Tag kann ich übrigens doch nicht mit dem Rad fahren. Da muss ich zu viele Sachen mitnehmen." Unter anderem einen guten Anzug für die Anlässe, da Jeans und Regenjacke nicht angemessen sind. „Der kommt in den Schrank im Rathaus." Aber ab Dienstag fährt der neue Verwaltungschef dann mit dem Rad – den Wind im Rücken.

Info

Tappe persönlich

Was darf auf Ihrem Frühstückstisch nicht fehlen?

Thomas Tappe: Müsli und Kamillentee, beides tut mir gut. Auf jeden Fall gibt’s zum Frühstück kein Brot.

Welches Buch lesen Sie zurzeit?

Tappe: Da bin ich ganz ehrlich, gar keines. Dafür musste ich zuletzt zu viele Akten, Mails und Unterlagen durcharbeiten. Aber wenn jetzt die dunkle Jahreszeit kommt, ergibt sich das vielleicht wieder.

Welche Musik würden Sie auf einer Party auflegen?

Tappe: Ich tanze gerne mit meiner Frau, deshalb passen Schlager ganz gut – beispielsweise von Helene Fischer. Disco geht auch, aber zu Schlagern kann man besser partnerschaftlich tanzen.

Welchen Menschen würden Sie gerne (noch einmal) treffen?

Tappe: Die Kanzlerin! Sie managt gerade die dritte Krise in Folge. Erst die Finanzkrise, dann die Flüchtlingskrise, jetzt die Coronakrise – und das macht sie sehr solide und unaufgeregt. Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich auch gerne noch einmal meinen Großvater treffen: Fritz Ostmeyer. Als früherer Landrat würde er sich bestimmt riesig freuen, wenn er hören würde, dass ich jetzt politisch in seine Fußstapfen trete. Und er könnte mir bestimmt den einen oder anderen Rat geben. Aber leider lebt er nicht mehr.
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