HalleStorck-Inhaber Axel Oberwelland hat Ärger auf St. Pauli

In den Hamburger Zeitungen tauchte der Storck-Inhaber zuletzt häufiger auf, als im Haller Kreisblatt. Ein PR-Unternehmen, an dem der Milliardär große Anteile hat, ist an einem umstrittenen Bauprojekt beteiligt.

Jonas Damme

Mit diesem Banner versucht eine Bürgerinitiative gegen das Paulihaus zu mobilisieren. - © Jonas Damme
Mit diesem Banner versucht eine Bürgerinitiative gegen das Paulihaus zu mobilisieren. © Jonas Damme

Halle/Hamburg. Die renommierte Hamburger Werbeagentur „Markenmacherei" betreibt für das Haller Traditionsunternehmen Storck PR-Kampagnen und betreut die verschiedenen Süßigkeitenmarken. Sie sorgt zum Beispiel dafür, dass die Welt es mitbekommt, dass es Werther’s Echte nun auch als Popcorn gibt oder Nimm-2-Lachgummis für Veganer.

Der Gründer der Markenmacherei, Otto Pahnke, ist ehemaliger Storck-Beiratsvorsitzender. Storck-Erbe Axel Oberwelland hingegen startete bei der befreundeten Werbeagentur seine Karriere. Auch finanziell sind die Storck-Eigentümer erheblich an der großen Agentur beteiligt.

Auf St. Pauli gerät die Markenmacherei allerdings ins Kreuzfeuer und das bekommt auch der Chef des Haller Süßwarenriesens zu spüren. Ein großes Banner mit den Worten „Werthester Axel (...), verschone den Pferdemarkt" prangte vergangene Woche am Neuen Kamp auf St. Pauli. Es ist bereits das zweite Banner dieser Art, das erste war von der Polizei entfernt worden.

Ob das neue "Paulihaus" ein Gewinn ist, dazu gibt es verschiedene Ansichten

Dort, nur wenige Meter vom Millerntor-Stadion entfernt, soll ein Neubau entstehen, in den die Markenmacherei einziehen will. Das Backsteingebäude, in dem sich noch ein indisches Restaurant befindet, soll abgerissen und durch das sechsstöckige Renomee-Projekt „Paulihaus" ersetzt werden. Neben der Markenmacherei sind drei andere Unternehmen beteiligt. Alle wollen den Bau selbst nutzen. Als Milliardär bekommt Axel Oberwelland aber nun am stärksten den Zorn der gentrifizierungs-kritischen Paulianer zu spüren, die um ein weiteres altes Gebäude der Gegend fürchten.

Ob das neue „Paulihaus" ein Gewinn für den Stadtteil ist, dazu gibt es verschiedene Ansichten. Die Boulevardzeitung Hamburger Morgenpost berichtet von „heftigem Widerstand" und vom existenziellen „Kampf" St. Paulis „um seine Identität". Das gemäßigtere Abendblatt bestätigt zumindest, dass es ein „umstrittenes Projekt" ist.

So soll das neue Paulihaus aussehen. - © Bloomimages
So soll das neue Paulihaus aussehen. (© Bloomimages)

Deutlich positiver beurteilt das ausführende Immobilienunternehmen „Hamburg Team" das Vorhaben. „Auf dem Grundstück, das wir in Erbbaupacht übernehmen, stehen derzeit noch zwei alte, eingeschossige Backsteingebäude, in denen früher ein Tonstudio, eine Autowerkstadt und ein indisches Restaurant untergebracht waren", berichtet Kommunikationsleiterin Dr. Regine Jorzick auf HK-Anfrage. Ziel sei es, alle drei Mieter in den späteren Neubau wieder zu integrieren.

Einzig das indische Restaurant bereite Probleme. „Die Betreiberin des Restaurants hat die Verhandlungen mit uns in 2019 leider abgebrochen und gegen die Ausübung des vertraglich verankerten Sonderkündigungsrechts für ihre Fläche einen Prozess gegen die Vermieterin (die Stadt Hamburg) angestrengt", so Jorzick. Den Prozess hat die Restaurantchefin mittlerweile in zweiter Instanz verloren.

Für die Stadt könnte das Bauprojekt ein Minusgeschäft werden

Um das Restaurant herum habe sich eine Initiative gebildet, die seitdem den Neubau verhindern wolle und versuche, den Stadtteil zu mobilisieren, so die Erklärung der Markenmacherei.

Allerdings spiegele sich in dem Streit auch die Protestkultur, die unter den Linken in den Stadtteilen St. Pauli, Schanzenviertel und Karolinenviertel ein lange Tradition hat. „Dabei geht es inzwischen nicht nur um den Neubau an dieser Stelle an für sich. Vielmehr dient das Neubauprojekt als Projektionsfläche für eine Diskussion darüber, was im Stadtteil St. Pauli, der für sich die Wahrung einer bestimmten Lebenskultur in Anspruch nimmt, überhaupt geschehen darf", beschreibt Dr. Regine Jorzick ihre Sicht der Proteste.

Über die Hamburger Lebenskultur hinaus hat die Debatte mittlerweile aber auch einen wirtschaftlichen Aspekt bekommen. Nach NDR-Berichten könnte sich die Verpachtung des Filetstückes unter den Hamburger Grundstücken für die Stadt paradoxerweise zu einem Minusgeschäft entwickeln.

Baugenehmigung für "Paulihaus" liegt bereits vor

 So förderte eine Anfrage der Linken im Hamburger Senat zu Tage, dass die Stadt für das Erbbaurecht von den Bauherren 6,5 Millionen Euro bekommt, aber allein für den Abriss, die Erschließung und weitere Kosten mehr als sechs Millionen Euro kalkuliert sind. Sollte die Rechnung so gültig sein, verdiente die Stadt bisher mit den Mieteinnahmen der alten Gebäude ein Vielfaches.

Obwohl finanzstarke Unternehmer im Hintergrund stehen, soll der Bau Wirtschaftsförderung erhalten. Bei vielen Hansestädtern rufen diese finanziellen Verwicklungen keinen guten Eindruck hervor. So widmet zum Beispiel das freie Stadteilmagazin „Übersteiger" dem „überdimensionierten Büroklotz" einen langen kritischen Artikel.

Stoppen werden die Proteste das „Paulihaus" aber wohl nicht mehr. Die Baugenehmigung liegt vor. Nach Unterzeichnung des Erbaurechtsvertrages wollen die Partner zum Jahreswechsel mit der Bauvorbereitung beginnen. 2023 soll es fertig werden.

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