Bekenntnis zum Standort: Storck drückt Halle den Stempel auf

Der zweitgrößte Süßwarenhersteller in Deutschland bleibt das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt. Und wird auch in diesem Jahr wieder kräftig investieren. Das verriet Chef Axel Oberwelland beim Bilanzgespräch. Die Debatte über Grenzen der Erweiterung kann er verstehen.

Marc Uthmann

Diese leckeren Süßwaren ernähren zu einem guten Teil auch die Stadt Halle. Storck schreibt seine Erfolgsgeschichte fort. - © Nicole Donath
Diese leckeren Süßwaren ernähren zu einem guten Teil auch die Stadt Halle. Storck schreibt seine Erfolgsgeschichte fort. (© Nicole Donath)

Halle. Storck bleibt eine Stadt in der Stadt: 3.178 Menschen arbeiteten Ende 2019 für den heimischen Süßwarenhersteller in Halle. 213 neue „Storckis" kamen dazu, auch in diesem Jahr möchte das Unternehmen 200 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen. Das ist ein Bekenntnis zum Standort – und es ist möglich, weil es weiterhin prächtig läuft.

10,8 Prozent Umsatzplus in Deutschland, wieder ein bestes Jahr in der Unternehmensgeschichte und ein gruppenweiter Umsatz, der jenseits der Drei-Milliarden-Euro-Grenze liegen dürfte – Storck bleibt ein Kraftpaket. Und wird darum weiterhin auf die Produktion in Halle setzen und dafür auch Personal einstellen. Obwohl das immer kniffliger wird. „Der Fachkräftemangel betrifft auch uns,wir müssen uns länger und intensiver bemühen. Aber wir haben naturgemäß weniger Probleme als kleine oder mittelständische Betriebe", sagt Unternehmenschef Axel Oberwelland.

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„Die Banken laufen uns die Tür ein"

"Müssen Sie für Ihre Investitionen Kredite aufnehmen?" Bei dieser Frage lehnt sich Axel Oberwelland genussvoll zurück – obwohl er es so konkret eigentlich gar nicht mag. „Ich will es mal ostwestfälisch zurückhaltend ausdrücken: Wir sind schuldenfrei", sagt der 53-Jährige.

Folgerichtig für ein so gesundes und zudem enorm wachsendes Unternehmen sei: „Die Banken laufen uns natürlich die Türen ein." Doch lasse man trotzdem Obacht walten und „schalte das Hirn nicht ab", betonte der Oberwelland. Ehe man irgendwelche Anlagen tätige, „verbauen wir unser Geld lieber".

Und das nicht zu knapp: 90 bis 95 Millionen Euro (2019: 75 Millionen) will Storck in diesem Jahr baulich allein in Halle investieren. In Fertigungskapazitäten für verschiedene Produkte – und in das neue Versandgebäude. „Das soll unter dem neuen Strommasten liegen und wir müssen noch in diesem Jahr fertig sein, ehe der scharfgeschaltet wird", verriet der Storck-Chef.

"Emotionen und Fakten sollten das richtige Verhältnis haben"

Trotzdem befasse man sich fortlaufend mit dem Thema Automatisierung, um die Produktion noch effizienter zu gestalten. Platz braucht Storck dennoch, weshalb das Unternehmen in Halle mittelfristig um 18 Hektar erweitern will. Dass dieses Großprojekt eine zum Teil emotionale Debatte in der Stadt ausgelöst hat, kann Axel Oberwelland nach eigenem Bekunden sehr wohl verstehen: „Das ist zu Recht ein großes Thema. Wir müssen Ökonomie und Ökologie hier in Einklang bringen." Doch nur wenn beide Aspekte Hand in Hand gingen, „dann wird ein Schuh draus", wie Oberwelland betont, und sich einen Hinweis erlaubt: „Manchmal würde ich mich freuen, wenn man anerkennt: Dieses Unternehmen geht nicht weg, sondern setzt weiter auf Ostwestfalen und den heimischen Standort Halle, egal, ob es woanders günstiger produzieren könnte. Emotionen und Fakten sollten hier das richtige Verhältnis haben."

Die Erweiterung sei von vielen Auflagen begleitet und insgesamt ein komplexer Prozess, „aber ich habe hohes Vertrauen in unsere Genehmigungsverfahren", betont der 53-jährige Unternehmer: „Wäre ich an der einen oder anderen Stelle froh, wenn es schneller ginge? Ja, natürlich." Dennoch sei er mit dem Ablauf der Planungen insgesamt zufrieden. Setzt Storck sein Wachstum so fort, ist der Vergleich von der Stadt in der Stadt zunehmend besser greifbar. Die schiere Größe des Unternehmens wird damit auch verkehrspolitisch eine Herausforderung für Halle. Auch hier redet Axel Oberwelland in einem viel diskutierten Punkt Klartext: „Wir sind bereit, Parkhäuser zu bauen, auch wenn wir uns nicht darum reißen."

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