DFB verschärft die Regeln: Droht auch im Altkreis eine Kartenflut?

Dennis Bleck

Hägers Chris Heidemann (links) erhält auch in Zukunft von Schiri Kilian Krämer nicht mehr oder weniger gelbe Karten. - © Christian Helmig
Hägers Chris Heidemann (links) erhält auch in Zukunft von Schiri Kilian Krämer nicht mehr oder weniger gelbe Karten. (© Christian Helmig)

Altkreis Halle. Jagdszenen, Faustschläge, Spielabbrüche – Es sind Schlagwörter wie diese, die den Amateurfußball zuletzt immer Mal wieder einholten. Die Opfer solcher Gewaltausbrüche sind häufig die Schiedsrichter. Landesweit stieg die Zahl an tätlichen Übergriffen auf dem Platz um zehn Prozent. Bundesweit meldet der Deutsche Fußball Bund (DFB) 2.906 Vorfälle für die vergangene Saison. Tendenz steigend.

DFB verschärft Regeln

Um der ausufernden Gewalt auf den Sportplätzen Herr zu werden, hat der DFB zum Jahreswechsel deshalb die Regelauslegung verschärft. Unsportlichkeiten werden nun härter bestraft. Davon betroffen sind auch die Profifußballer in Deutschlands Eliteligen, die laut DFB-Schiedsrichterboss Lutz-Michael Fröhlich eine Vorbildfunktion haben. „Es soll eine neue Linie eingeschlagen werden, um den Unparteiischen bis runter in die Kreisligen wieder zu mehr Akzeptanz und Autorität zu verhelfen", sagt er.

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So zeigte Referee Deniz Aytekin allein beim Rückrundenauftakt zwischen Schalke und Gladbach sieben gelbe Karten. Durchschnittlich verwarnt der 41-Jährige sonst nur 3,8 Mal pro Spiel. Überhaupt stieg der Schnitt an gelben Karten und Platzverweisen in den vergangenen Wochen an – laut Kicker vor allem in Liga zwei und drei. Am Wochenende rollt in einigen heimischen Ligen wieder der Ball und viele Fußballer fragen sich. Droht nun auch auf Amateurebene eine Kartenflut?

KSA positioniert sich noch

Noch hat der Kreisschiedsrichterausschuss (KSA) darüber keine Absprache getroffen. „Die heimischen Fußballer müssen nicht mit mehr und auch nicht mit weniger Karten als sonst rechnen", sagt Klaus Münstermann. Der Versmolder ist zweiter Vorsitzender des KSA. Er betont: „Ein Amateurschiedsrichter war schon in der Vergangenheit gut beraten, die Vergehen konsequent zu ahnden, die seit Beginn der Rückrunde nun auch im Profibereich härter bestraft werden." Am kommenden Lehrabend Anfang März werden sich die Unparteiischen des Fußballkreises einige Videosequenzen aus der Bundesliga anschauen und über die Situationen diskutieren.

Vorgehen erntet Zuspruch

Dass die neue Maßgabe des DFB unter den Fußballfans viele Befürworter findet, beweist eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungs-Instituts „Forsa", die der DFB beauftragt hatte. Demnach wünschen sich 86 Prozent der Befragten über 14 Jahre, dass Spieler, die reklamieren oder sich respektlos verhalten, gnadenlos bestraft werden. Auch die Profischiedsrichter verteidigen ihr Vorgehen: „Wir haben so viele Übergriffe auf Kollegen in den Amateurligen. Deshalb müssen wir da ran, das tun wir jetzt konsequent", sagt der Hamburger Bundesliga-Referee Patrick Ittrich.

Vor allem die „Rudelbildung" um den Schiedsrichter strahle negativ in den Amateur-Fußball ab. „Alle Beteiligten in der Bundesliga – Spieler, Trainer, Schiedsrichter – sind gefordert, ihre Vorbildfunktion auszuüben", betont der 41-Jährige. Auch Münstermann lobt die neue Maßgabe des DFB. „Unsportlichkeiten sind Auslöser für hitzige Spielverläufe", sagt er. Ein konsequenteres Vorgehen könne Gewaltausbrüchen präventiv vorbeugen.

Trainer üben Kritik

Kritik erfährt die verschärfte Regelauslegung aber vor allem von Trainern und Funktionären. „Ich sehe den Zusammenhang zwischen dem, was im Amateur-Fußball passiert und dem, wie sich Spieler in der Bundesliga verhalten nicht. Das ist für mich konstruiert, weil wir in der Bundesliga keine Jagdszenen haben und irgendeiner Vorbildfunktion gerecht werden müssen", sagt beispielsweise Schalkes Coach David Wagner im Kicker. Auch Martin Przondziono, heute Manager beim SC Paderborn und einst aktiver Kicker beim TuS Solbad Ravensberg äußert Zweifel: „Dass man durch die neuen Regeln die Vorbildfunktion stärkt, dass es in der Kreisliga nicht mehr denjenigen gibt, der den Schiedsrichter verprügelt, diese Verbindung habe ich überhaupt nicht", sagt er. Fußball lebe von Emotionen: „Diese sollte man nicht stoppen."

Eine Meinung, die Münstermann nicht teilt: „Auch wir Schiedsrichter wollen Emotionen sehen", sagt er: „Aber positive und nicht den laut herumbrüllenden Spieler oder Trainer." Anders als Schalke-Trainer Wagner oder SCP-Manager Przondziono ist Münstermann der Meinung, „dass der Profifußball sehr wohl eine Vorbildfunktion für den Amateurbereich hat". Dass Funktionäre von Profivereinen das anzweifeln, mache ihn fassungslos.

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