Mit diesen Problemen kämpft der lokale Jugendfußball

Dennis Bleck

Die grüne Karte gibt Hinweise für faires Verhalten. - © Dennis Bleck
Die grüne Karte gibt Hinweise für faires Verhalten. (© Dennis Bleck)

Weniger Teams gemeldet

Der Trend ist alarmierend: Noch immer ist die Zahl an Jugendmannschaften im Fußballkreis Bielefeld rückläufig. 365 Teams sind am vergangenen Wochenende in die Saison gestartet. Im Vorjahr meldete der Verband noch etwa 400 Mannschaften. Vor allem Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren haben offenbar immer weniger Lust auf Vereinsfußball. Nur noch 19 A-Junioren-Teams kämpfen in diesem Jahr in zwei A-Liga-Staffeln um Ligapunkte – so wenig wie nie zuvor. Im SC Halle hat ein Altkreisverein am 6. September seine Mannschaft noch vom Spielbetrieb zurückgezogen. „Die Entwicklung ist besorgniserregend", sagte der Koordinator für den Spielbetrieb, Thorsten Sewing, während der Jugendleiterarbeitstagung im »Sechzehner« der Schüco Arena.

Dass der hiesige Fußballkreis mit diesem Problem aber nicht alleine dasteht, beweist der Blick nach Gütersloh. Auch dort meldeten die Vereinsvertreter weniger Juniorenteams als noch im Vorjahr. Allerdings ist der Rückgang dort mit sechs Teams deutlich geringer. „Wir haben den Trend zwar nicht gestoppt, aber immerhin gebremst", sagt Jürgen Tönsfeuerborn. Der Gütersloher Kreisjugendchef hat als Grund für den Schwund vor allem fehlende Trainer ausgemacht. „Kinder haben wir genug, aber die Arbeitszeiten bei den Erwachsenen haben sich geändert", sagt er.

Eltern sehen Grün

Um (über-)ehrgeizigen Eltern Einhalt zu gebieten, verteilte der Fußballkreis Bielefeld nun schon zum zweiten Mal die »grüne Karte«. Die kleinsten Fußballer der G- und F-Junioren übergaben diese direkt vor dem Anstoß am Wochenende an ihre Mütter und Väter. „Fair bleiben, liebe Eltern", steht auf der Vorderseite der Karte. Auf der Rückseite formuliert der Deutsche Fußball Bund (DFB), der den Druck beauftragt hat, fünf pointierte Verhaltenstipps. »Danken statt zanken« oder »Vorbild statt fuchsteufelswild« lauten die Vorgaben. „Der Spaß und die Freude sollen beim Kinderfußball ganz klar im Vordergrund stehen. Wir Erwachsene können positiven Einfluss nehmen, wenn wir unser Vorbildfunktion gerecht werden", sagt Harald Ollech, Vorsitzender des Verbands-Jugend-Ausschusses im FLVW zu der bundesweiten Aktion.

»Ehrenkodex« geplant

Weil außerdem einige Trainer immer skrupelloser Jugendspieler anderer Vereine abwerben, plant der Fußballkreis einen »Ehrenkodex«. Zuletzt sei es häufiger vorgekommen, dass schon F-Junioren nach Turnieren oder Trainingseinheiten ohne das Wissen von Eltern oder Verein von anderen Clubvertretern angesprochen worden seien. „Das wollen wir in Zukunft verhindern", sagt Hans Keuch. Gemeinsam mit seinem Team vom Bielefelder Kreis-Jugend-Ausschuss hat der Vorsitzende deshalb Richtlinien erarbeitet, die die Vorgehensweise reglementieren.

Darin heißt es vereinfacht, dass der Jugendleiter des interessierten Vereins immer erst Kontakt zum Kollegen des abgebenden Vereins aufnimmt und über das Interesse informiert. Erst im Anschluss darf der Spieler oder ein Elternteil angesprochen werden. Sollten Vereine diesen offiziellen Weg missachten, beschäftigt sich zukünftig das Jugend-Sportgericht mit diesem Vergehen. „Ich gehe davon aus, dass der Kodex bis zur nächsten Wechselperiode gültig sein wird", sagte Keuch. Eine Abwerbung im Bereich der E-bis G-Junioren sollte aber grundsätzlich nur im Rahmen des Leistungsfußballs und der Talentförderung erfolgen.

Schulungen nur wenig beliebt

Für die Kurzschulung der D- und C-Junioren am 14. September haben sich bislang nur wenige Teilnehmer angemeldet. Der Borgholzhausener Tom Rerucha, der seit Anfang des Jahres Koordinator für die Trainerausbildung ist, geht deshalb nun den umgekehrten Weg. Statt Schulungsthemen vorzugeben, bat er die Trainer und Vereinsvertreter um Input. „Wir wollen Inhalte anbieten, die in der täglichen Trainingsarbeit auch ankommen", sagt Rerucha. Gleichzeitig gab der 43-Jährige bekannt, dass das beliebte FLVW-Feriencamp auch im nächsten Jahr in der ersten Woche der Sommerferien in Steinhagen stattfinden wird. Rerucha wies darauf hin, dass die Anmeldung für die Veranstaltung schon jetzt über die Internetseite des Fußballkreises erfolgen kann.

Zukunftsmodell Funino?

Mitte Mai berichtete das Haller Kreisblatt über die Pläne des DFB, die Regeln im Kinder- und Jugendfußball zu ändern. Statt bisher Sieben-gegen-sieben sollen G-Junioren beispielsweise im Drei-gegen-drei ohne Torwart auf insgesamt vier Mini-Tore spielen. Funino, so der Name der Spielform, soll den Juniorenfußball revolutionieren. Das Ziel: Durch viele Ballkontakte mehr Spaß am Spiel erzeugen und technisch bessere Talente hervorbringen.

Bis zur Umsetzung in Westfalen aber wird es noch einige Zeit dauern. „Bestimmt fünf oder sechs Jahre", sagte Jörg Pudel. Der Versmolder ist Koordinator für Talentsichtung und Förderung im Bielefelder Kreisjugendausschuss. In einer Arbeitsgruppe soll nun durchleuchtet werden, wie das Konzept in den Spielbetrieb integriert werden kann. Schon Vor Beginn der Spielzeit hatten sich Pudel und einige F-Juniorentrainer zu einem Funino-Workshop am Steinhagener Cronsbach getroffen.

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