DFB plant Reform: So soll sich der Juniorenfußball in naher Zukunft ändern

Dennis Bleck

Wie hier beim Rabauken-Camp der Spvg. Steinhagen sollen die Jüngsten in Zukunft nur noch auf Minitore schießen. - © Christian Helmig
Wie hier beim Rabauken-Camp der Spvg. Steinhagen sollen die Jüngsten in Zukunft nur noch auf Minitore schießen. (© Christian Helmig)

Altkreis Halle. Die Junioren-Fußballer der Spvg. Steinhagen sind praktisch schon alte Hasen. Seit knapp vier Jahren ist die Spielform Funino am Cronsbach Teil des Trainings. Nun soll die Minifußball-Variante, so scheint es, in naher Zukunft den Spielbetrieb der westfälischen Nachwuchsfußballer revolutionieren: Das Spielfeld, die Tore und die Mannschaften werden kleiner. G-Junioren zum Beispiel spielen im Drei gegen Drei, ohne Torwart, auf insgesamt vier Minitore. Nach jedem Treffer, spätestens aber nach zwei Minuten, wird ausgewechselt.

Der Sportwissenschaftler Matthias Lochmann, von dem viele der Ideen kommen, ermittelte in einer Studie, dass im Drei gegen Drei jeder Spieler auf mehr als doppelt so viele Ballkontakte und viermal so viele Abschlüsse kommt als im derzeit gängigen Sieben gegen Sieben. Es geht darum, durch viele Aktionen technisch gute, auf engen Raum ballsichere Fußballer auszubilden.

FLVW-Präsident ist ein Befürworter

„Funino ist viel gerechter, weil alle Spieler gleich viele Ballaktionen haben", erklärte Oliver Erdmann. Der Jugendleiter der Spvg. Steinhagen ist ein Befürworter des Konzepts, „weil die Kinder auf dem Platz eigene Lösungen entwickeln und sich die schwächeren nicht mehr hinter den stärkeren Spielern verstecken können".

Dass kein fester Torwart zum Einsatz kommt, findet Erdmann – im Vergleich zu vielen Kritikern – unproblematisch. „Manuel Neuer oder Marc-André ter Stegen sind auch erst spät Torhüter geworden", sagte er.

Info
Was ist überhaupt Funino?

• Der Name setzt sich zusammen aus dem englischen Wort fun (deutsch: Spaß) und dem spanischen Wort niño (deutsch: Kind). Die Nachwuchsfußballer kicken ähnlich wie früher auf der Straße auf einem kleinen Feld: Die Maße sind 32 mal 25 Meter. Zwei Dreier-Teams spielen ohne Torwart und ohne Abseits auf insgesamt vier kleine Tore, Treffer dürfen nur innerhalb der Sechs-Meter-Torschusszone erzielt werden. Ziel ist die Verbesserung der Spielintelligenz, also der Wahrnehmung, Antizipation, Kreativität sowie der Analyse von Spielsituationen. Jugendabteilungen von Clubs wie Schalke, Leverkusen, Hoffenheim und St. Pauli setzen bei den Jüngsten nur noch auf Funino.

Auch Gundolf Walaschewski, Präsident des Fußball und Leichtathletikverbands Westfalen, begrüßt die Reformpläne. Das sagte er im Gespräch mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. „Wir haben in unserem Verband im vergangenen Jahr 566 Jugendmannschaften verloren", sagte Walaschewski. Besorgt nimmt der 65-Jährige zur Kenntnis, dass immer mehr junge Spieler die Lust am Fußball verlieren. Nun soll Funino die Kehrtwende einläuten. Aber wann überhaupt?

Clubs stehen vor neuen Herausforderungen

„Es gibt keine Überlegungen, Funino bereits mit Beginn der Spielzeit 2019/2020 verpflichtend einzuführen", erklärte dazu Harald Ollech. Der Vorsitzende des Verbands-Jugend-Ausschusses im FLVW betonte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass das Funino-Konzept zunächst praktisch probiert und anschließend ausgewertet werden müsse. Derzeit geht der Verbands-Funktionär davon aus, dass die Erprobungsphase bis zu fünf Jahre andauern könnte.

Hans Keuch, Vorsitzender des Jugend-Ausschusses im Fußballkreis Bielefeld ist der Reform gegenüber „grundsätzlich aufgeschlossen". Allerdings äußerte der Ummelner auch seine Bedenken. „Schon jetzt haben die kleineren Vereine es schwer, ehrenamtliche Trainer zu finden – bei reduzierter Mannschaftsgröße werden nun aber noch mehr Betreuer benötigt", sagte Keuch, der weiß wovon er spricht: Als Jugendleiter des VfL Ummeln steht er in seiner täglichen Arbeit vor der Herausforderung, Ehrenamtliche zu finden. Weil zudem ausreichend Platzkapazitäten benötigt werden und Trainer qualifiziert ausgebildet werden müssen, stehen die Clubs vor neuen Herausforderungen.

„Ich kann mir das als Trainingsform sehr gut vorstellen. Aber als Ersatz für den derzeitigen Spielbetrieb noch nicht", sagte Keuch. Trotzdem will er dem Ganzen „eine Chance geben". Als alternative Lösungsvorschläge für das unbefriedigende Sieben gegen Sieben im G- und F-Juniorenbereich schlug Keuch vor, das Spielfeld erneut zu verkleinern sowie die Tore abzuhängen. „Ähnlich wie beim Handball", sagte er.

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