"Der Mann mit dem Hut": Werthers Bürgermeisterkandidat sorgt in Berlin für Furore

Veith Lemmen will Verwaltungschef werden. Doch gerade erst hat er mit einer Kampagne in der Hauptstadt einen Coup gelandet – ein Teil des Glamours wird ihm in die Kleinstadt folgen.

Marc Uthmann

Amtsinhaberin Marion Weike gratuliert Genosse Veith Lemmen zur Kandidatur als Wertheraner Bürgermeister. In den 36-Jährigen setzt die SPD große Hoffnungen. - © Pat Röhring
Amtsinhaberin Marion Weike gratuliert Genosse Veith Lemmen zur Kandidatur als Wertheraner Bürgermeister. In den 36-Jährigen setzt die SPD große Hoffnungen. (© Pat Röhring)

Werther. Seit Tagen wird Veith Lemmen in den überregionalen Medien als hochtalentierter politischer Strippenzieher gefeiert. Als einer der jungen Köpfe hinter der erfolgreichen Kampagne innerhalb der SPD, die zur Wahl von Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans als neues Führungsduo der Partei führte.

Dabei hatten die Engagierten aus dem Umfeld der Jusos weder ein dickes Budget noch eine breite Riege prominenter Unterstützer aufzuweisen. Doch der 36-jährige Veith Lemmen und seine Crew – zu der auch seine Lebensgefährtin, die heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Wiebke Esdar, zählt – machten diese vermeintlichen Nachteile im parteiinternen Wahlkampf gegen den Vizekanzler Olaf Scholz mit Fleiß und ihren ausgezeichneten Kontakten wett. Werthers Bürgermeisterkandidat war es, der die Kampagne koordinierte und auch mit Thesenpapieren fütterte. Dass er und sein Team dabei manche Nacht zum Tag machten, zählt mittlerweile auch zur Heldengeschichte. In seinem jüngsten Tweet nahm der Mann mit dem Hut als Markenzeichen auf die Extraschichten Bezug: „Sehr geil, in einem Team zu arbeiten, bei dem sich keiner wegduckt und jeder über sich hinauswächst. Danke an alle (viel mehr als hier erwähnt)! Da macht es auch nichts, wenn der Wecker nach zwei Stunden klingelt."

Erste Gerüchte über Ambitionen auf Job in Berlin

Versehen hat Veith Lemmen seine Wortmeldung bei Twitter mit einem Link zum Tagesspiegel, der über das Team hinter der Kampagne berichtet. Nicht fehlen dürfen natürlich die Hashtags #Eskabolation und #Eskabo, mit der die Unterstützer seit Monaten für Walter-Borjans und Esken warben – und die der 36-Jährige in erster Reihe mit stark machte.

Der Tagesspiegel schreibt vom „Mann mit Hut", der „immer da" sei, und die WAZ schürte nach seinem Triumph prompt Personalspekulationen: Es werde gemunkelt, dass der gebürtige Mönchengladbacher und heutige Bielefelder als SPD-Bundesgeschäftsführer in die Parteizentrale wechsele. Auch in Werthers Politik machen diese Gerüchte nach HK-Informationen schon die Runde – gerade weil Veith Lemmen seinen großen Erfolg in Berlin so kurz nach der Entscheidung für die Kleinstadt feierte.

Dass diese Überlegungen aufkommen, liegt nahe: Denn nun könnte der einstige NRW-Juso-Chef und aktuelle stellvertretende SPD-Landesvorsitzende den nächsten großen Schritt auf der sozialdemokratischen Karriereleiter machen. Doch er bekräftigte seinen doch überraschenden Weg in Richtung Werther, indem er sich laut WAZ mit Werther’s Original aus dem Willy-Brandt-Haus verabschiedete. Süßigkeiten als Servus also, und obendrauf gab es die Zusage von Juso-Chef Kevin Kühnert, zum Wahlkampf nach Werther zu kommen.

All das schürt bei den Entscheidungsträgern der SPD im Kreis Gütersloh natürlich die Vorfreude auf das Wahljahr 2020. Nicht nur, dass es ihnen gelungen ist, in Marion Weike eine Kandidatin mit Format gegen Landrat Sven-Georg Adenauer zu positionieren. Nun haben sie völlig unverhofft auch noch einen Politpromi mit Markenzeichen als Bürgermeisterkandidaten in Werther. Das größte Problem an dieser Kampagne dürfte es werden, Veith Lemmen als Mann für die Kleinstadt zu verkaufen, nachdem er politisch schon am so großen Rad gedreht hat.

Strippenzieher behält sein gutes Netzwerk

Allerdings: Dass er gern den Strippenzieher im Hintergrund statt eines politischen Zampanos in Berlin gibt, hat der 36-Jährige mit seinem politischen Wirken der vergangenen Jahre dokumentiert. Und als Verwaltungschef bliebe er politisch gut vernetzt, wie es auch Amtsinhaberin Marion Weike ist. Die nächsten Monate werden Antwort auf die Frage geben, ob der Mann mit Hut jetzt auch in Werther immer da ist.

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