VersmoldVom Pelztier zum Umweltsünder - Nutrias geht es an den Kragen

Nutrias breiten sich weiter am Aabach aus. Jäger befürchten Beeinträchtigung für die heimische Tierwelt und bejagen sie jetzt mit Fallen.

Rita Sprick

Die Nutrias können zu einer echten Plage werden. - © Symbolfoto: CC0/Pixabay
Die Nutrias können zu einer echten Plage werden. © Symbolfoto: CC0/Pixabay

Versmold. Nutrias haben Gewässer in Versmold als idealen Lebensraum entdeckt. Der Aabach ist inzwischen eines ihrer beliebtesten Reviere. In Höhe der Aabachstraße entdeckten im vergangenen Sommer Angler und Anwohner mehrere der Pflanzenfresser in einer Wiese nahe dem Wasserlauf. Sie waren besorgt und kontaktierten Hegeringsleiter Tassilo Marowsky und den Jagdpächter Tim Bißmeier. Beide sagten ihre Hilfe bei der Eindämmung der sich rasant ausbreitenden Tiere zu.

Sie entschieden sich für die Fangjagd. Dazu stellen sie mit einem Sensor ausgestattete Fallen auf. Sobald eines der ganzjährig bejagbaren Tiere darin sitzt, wird der Jagdpächter über ein Handy-Signal informiert. 50 Fallen stehen an verschiedenen Revierorten. Sieben Monate später ziehen die Jäger ein Resümee. Zur Nutria-Lage insbesondere im Naturschutzgebiet Versmolder Bruch äußert sich der Geschäftsführer der Biologischen Station Bielefeld/Gütersloh Bernhard Walter. Nutria-Informationen der Stadt steuert Sven Rabaschus vom Fachbereich Bürgerdienste bei.

Jagdpächter und Jäger Tim Bißmeier (links) stimmt sich mit dem Hegeringsleiter Tassilo Marowsky über die Bejagung der Nutrias am Aabach ab. - © Rita Sprick
Jagdpächter und Jäger Tim Bißmeier (links) stimmt sich mit dem Hegeringsleiter Tassilo Marowsky über die Bejagung der Nutrias am Aabach ab. (© Rita Sprick)

„Nach der Kälteperiode haben wir drei Nutrias gefangen", stellte Tim Bißmeier fest. Insgesamt gingen in seinem Jagdrevier in den letzten Monaten sieben Tiere in die Falle. Im Bruch entdeckte Bernhard Walter nach dem Schneechaos zwei tote Nutrias. Rund 200 wurden 2019 in allen Versmolder Revieren erlegt. „Wir werden sie nicht mehr ausrotten können, aber wir müssen am Ball bleiben und die Jagd intensiver betreiben", meint Marowsky. Es fehlt jedoch an Fallen, denn die sind teuer. „Die Drahtfallen bezahlen die Jäger. Sie kosten mit technischer Ausrüstung und Telefongebüren über 500 Euro", zählt Bißmeier die Kosten zusammen und bedankt sich bei Landwirten für die finanzielle Unterstützung.

Gefangene Tiere werden erschossen

Die gefangenen Tiere werden erschossen, das Fell wird weiterverwertet und die Schwänze bis zur Zählung eingefroren. Für die bekommen Jäger Fangprämien von je zehn Euro. „Früher wurden hier noch die Schwänze abgegeben. Heute bekommen wir die Zahlen von der Landwirtschaftskammer. Die Prämie setzt sich aus jeweils fünf Euro von der Stadt und dem Kreis zusammen. Im letzten Jahr wurden 156 Nutrias und drei Bisamratten abgerechnet", resümiert Sven Rabaschus von der Stadt.

Die ursprünglich in Südamerika beheimateten Nutrias wurden einst als Zuchttiere für den Pelzhandel gehalten. Heute breiten sich die Nachkommen entflohener oder freigelassener Tier europaweit rasant aus. Sie halten keinen Winterschlaf. Erwachsene Tiere können über 50 Zentimeter groß, mehr als sechs Kilogramm schwer sowie rund zehn Jahre alte werden und mehrfach im Jahr bis zu zwölf Junge bekommen. Ihre Wohnungen bauen sie röhrenartig tief in die Uferwände mit einem Kessel am Ende in dem sie leben.

„Nutrias richten beträchtliche Schäden an Gewässerufern an. Der Gewässerschutz ist bedroht und damit unser Niederwild", sagt Marowsky, der auch als Bisamfänger für die Stadt fungiert. Und er sieht noch mehr Gefahren: Abbruch von Böschungen, Zerstörung von Deichanlagen, Schäden bei Weidetieren und an Landmaschinen durch Einbrechen in unterhöhlte Bereiche, Vernichtung von Bäumen durch abgekratzte Rinde, Verwüstung von Maisfeldern, Ausrottung von Pflanzen wie Schilf. Er beobachtet zudem, dass Nutrias auch Eier verspeisen. „Es könnten auch Gelege von Bodenbrütern bedroht sein", vermutet Marowsky.

Strenge Winter reduzieren den Bestand

Im Bruch ist der Nutria als Nesträuber noch nicht aufgefallen. „Er spielt eine untergeordnete Rolle und strenge Winter reduzieren den Bestand. Der Nutria ist nicht mehr wegzukriegen. Er gehört wie der Waschbär zu den invasiven Arten, die ihre Umgebung negativ verändern. Uns macht der Waschbär größere Probleme", stellt Walter fest, der seltene Grasarten wie die deutsche Schneide und Süßwasser-Muschelvorkommen bedroht sieht.

Für Uferregionen an flachen Gewässern im Bruch sieht er keine Gefahr. „Anders ist es bei Böschungen am kastenförmigen Aabach", sagt Walter. Zum Erhalt der Umwelt ist der Geschäftsführer auch im Kontakt mit Jägern. Die werden die Bejagung der Umweltsünder fortsetzen und hoffen auf Fallenspenden für eine intensivere Reduzierung der einstigen Pelzlieferanten.

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