Putzige Pelztiere oder Plagegeister? Biberratten machen Probleme

Anwohner entdecken am Aabach in Versmold zunehmend Nutrias. Ganze Familien scheinen sich dort angesiedelt zu haben. Erste Schäden sind sichtbar. Die Jägerschaft reagiert.

Rita Sprick

Nutrias wie dieses Nagetier auf dem Symbolbild scheinen sich am Aabach und auf den Wiesen drumherum wohlzufühlen. - © CC0 Pixabay
Nutrias wie dieses Nagetier auf dem Symbolbild scheinen sich am Aabach und auf den Wiesen drumherum wohlzufühlen. (© CC0 Pixabay)

VersmoldAuf den Wiesen entlang der Aabachstraße fallen auf den ersten Blick Esel, Alpakas und die artverwandten Lamas auf. Seit einiger Zeit tummelt sich auf dem Areal von Familie Beintmann eine Pelztierhorde. „Meine Tochter hat eins entdeckt, als sie mit dem Hund unterwegs war. Sie kannte das Tier nicht, ging darauf zu und wurde angefaucht", beschreibt Hartmut Beintmann die Begegnung mit einer Nutria. Inzwischen bekommt er Hinweise von Nachbarn, Landwirten und Anglern, die bis zu acht Tiere entlang des Aabachs beobachtet haben wollen.

Der Geflügel- und Eierhändler macht sich Sorgen um seine Weidetiere und kontaktierte Hegeringsleiter Tassilo Marowsky sowie Jagdpächter Tim Bißmeier. Gemeinsam entdecken sie eindeutige Spuren von Nutrias und entwarfen einen Plan.

Milder Winter lässt die Population steigen

Die bis zu 65 Zentimeter langen und circa zehn Kilogramm schweren Tier gehören zu den Pflanzenfressern. Etwa 15 Tiere leben in einer Gemeinschaften und sie werden rund zehn Jahre alt. Ursprünglich stammt die Biberratte aus Südamerika. In der ehemaligen DDR wurde sie zur Pelzgewinnung gehalten. Nach der Wiedervereinigung sollen sie von Farmen entwischt sein. Die Pflanzenfresser haben keine natürlichen Feinde und vermehren sich ungehindert.

Hegeringsleiter Tassilo Marowsky zeigt am Teichufer auf Spuren von Nutrias. - © Rita Sprick
Hegeringsleiter Tassilo Marowsky zeigt am Teichufer auf Spuren von Nutrias. (© Rita Sprick)

„Wir kommen kaum noch gegen die riesige Anzahl von Nutrias an. Im vergangenen Jahr haben wir 200 Tiere gefangen. Durch die letzten milden Winter ist ihre Population enorm gestiegen. Bald tauchen sie auch in Gartenteichen in Siedlungen auf", ist Tassilo Marowsky überzeugt. Die tag- und nachtaktiven Lebewesen, die dreimal jährlich bis zu acht Junge bekommen können, finden offenbar gute Lebensbedingungen vor. Waren sie anfangs im Naturschutzgebiet im Bruch zu finden, fühlen sie sich nun in allen Ortsteilen wohl. „Wir haben sogar einen Nutria weit entfernt von jeder Wasserstelle in einer Lebendfalle gefunden", erzählt Tim Bißmeier.

Zunehmende Fraßschäden bei Mais und Getreide

Inzwischen beklagen Landwirte mit Feldern entlang von Wasserläufen zunehmend Fraßschäden bei Mais und Getreide. „Nutrias fressen vom Mais die Wurzeln, die Pflanze kippt und sie können an die Kolben. Getreide ziehen sie ins Wasser und fressen die Ähren", beschreibt Bißmeier. Die ausgezeichneten Schwimmer bauen ihre Höhle bis zu zwei Meter tief in Uferböschungen. „Der Boden wird instabil und landwirtschaftliche Maschinen brechen ein. Auch Weidetiere können einsacken und sich die Beine brechen", beschreibt Marowsky mögliche Szenarien.

Familie Beintmanns von Schilf und anderen Pflanze umgebener Teich am Aaabach entpuppt sich als ideales Nutria-Revier. „Wir haben uns schon im Dezember gewundert, dass das Schilf immer weniger wurde. Aber an Nutrias dachte keiner", erinnert sich Christa Beintmann. Ihr Mann ist besorgt, dass die Uferböschung an den Aabach-Wiesen instabil wird und eine Überflutung droht. Marowsky und Bißmeier empfehlen das Aufstellen von Lebendfallen, die Beintmann zweimal täglich kontrolliert. „Wir handeln in Absprache mit der Kreisjägerschaft. Die Tiere werden fachgerecht getötet und das Fell wird weiterverarbeitet", so der Hegeringsleiter.

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