Überflutete Wiesen im Versmolder Bruch machen Gänse fett

Claus Meyer

Die Kanadagänse und die Graugänse finden derzeit im Versmolder Bruch genug Nahrung. - © Claus Meyer
Die Kanadagänse und die Graugänse finden derzeit im Versmolder Bruch genug Nahrung. (© Claus Meyer)

Versmold. Auch wenn Experten davon ausgehen, dass es wochenlang intensiv regnen müsste, damit sich die Böden und der Grundwasserspiegel nach zwei trockenen Sommern erholen, hilft das jüngste sehr nasse Wochenende den Tieren im Versmolder Bruch. „Das Defizit an Wasser dürfte der Regen ein bisschen verringert haben", sagt Frank Püchel-Wieling von der Biologischen Station Gütersloh-Bielefeld. Im Juli und August hatte die Dürre dafür gesorgt, dass viele Vögel ausblieben. Schnecken und Würmer fielen damals als wichtige Nahrungsquelle weg, auch die Amphibien litten unter der Trockenheit.

Nahrung im Schlamm

Nun können Grau-, Nil- und Kanadagans oder Kranich zumindest vorerst wieder aus dem Vollen schöpfen. „Wenn sie überflutete Wiesen oder Flachgewässer haben, finden sie Nahrung im Schlamm", erklärt Püchel-Wieling.

Neben den standorttreuen Vögeln ist auch die Blässgans ein regelmäßiger Wintergast im Bruch. Püchel-Wieling schätzt ihre Zahl im Naturschutzgebiet auf bis zu 1.500. Zurzeit halten sich im Versmolder Bruch auch Schnatterenten, Reiherenten, Krickenten, Kiebitze sowie Grau- und Silberreiher auf. Auch die ersten Großen Brachvögel sind da, erklärt Püchel-Wieling.

Am Montag hatte es sich auch ein Storchenpaar auf dem Horst am derzeit wegen Vandalismus gesperrten Aussichtsturm gemütlich gemacht. Mit der Eiablage lässt sich Meister Adebar allerdings noch Zeit. Vor Anfang April, in seltenen Fällen Ende März, fängt der Klapperstorch nicht mit der Brut an. „Die Paare sind da, treiben sich etwas herum und haben schon ein Auge auf den Horst", sagt Püchel-Wieling. Wenn dieser einmal besetzt ist, kommen die Altvögel in der Regel wieder, um hier ihre Küken aufzuziehen.

Amphibien finden viel Wasser "erst einmal gut"

Es gibt auch Tiere, denen der Regen in dieser Masse nicht ganz so willkommen ist. „Mäuse mögen ihn gar nicht", sagt Püchel-Wieling. Allerdings normalisiere sich der Wasserstand nach ein bis zwei Wochen in der Regel wieder, es sei denn, man habe ein sehr nasses Jahr. Zudem seien nicht alle Bereiche im Bruch überstaut.

Das Storchenpaar thront auf dem Horst am Aussichtsturm. Mit der Brut wird es noch ein wenig warten. - © Claus Meyer
Das Storchenpaar thront auf dem Horst am Aussichtsturm. Mit der Brut wird es noch ein wenig warten. (© Claus Meyer)

Die Amphibien im Bruch finden hingegen „ausreichend Wasser erst einmal gut", sagt Püchel-Wieling. Die Laichgewässer seien dann gut gefüllt. Allerdings könnte auch es ein Problem geben: nämlich dann, wenn die Amphibien in kleine Wassertümpel ablaichen, die später im Jahr zu früh austrocknen. Es gebe im Bruch jedoch mehr als 20 Kleingewässer mit guten Bedingungen für Amphibien.

„Keine großen Verluste" bei Insekten

Die im Boden überwinternden Insekten könnten eventuell Probleme bekommen bei langer Überstauung, merkt Püchel-Wieling an. „Aber sie sind ja auf Frost und Kälte angepasst und recht widerstandsfähig." Andere Insekten überwinterten in Pflanzenstängeln, die eventuell noch aus dem Wasser ragen und seien daher nicht betroffen. „Ich würde hier keine großen Verluste erwarten", sagt der Mitarbeiter der Biologischen Station.

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