Experiment: Mit Süßeicheln und Maulwürfen den deutschen Wald retten

Weil heimische Baumarten unter dem Klimawandel leiden, experimentieren Cora Brand und Birgit Lutzer mit einer widerstandsfähigen Eichen-Sorte aus Nordamerika. Maulwürfe gehören zu ihren engsten Verbündeten.

Frank Jasper

Cora Brandt (vorne) und Birgit Lutzer suchen Mitstreiter für die Pflanzaktion. - © Frank Jasper
Cora Brandt (vorne) und Birgit Lutzer suchen Mitstreiter für die Pflanzaktion. (© Frank Jasper)

Steinhagen-Amshausen. Während eines Spanienaufenthalts im Frühjahr vergangenen Jahres kam Cora Brandt mit der Bur-Eiche (lateinisch: Quercus macrocarpa) in Kontakt. Zusammen mit anderen Klimaaktivisten besuchte die Biologin und Heilpraktikerin die Wüste von Tabernas, Europas einzige Halbwüste, deren Begrünung Ziel der Aktivisten ist. „Vor 150 Jahren war dort noch Wald, der jedoch zugunsten der Eisenerzgewinnung abgeholzt wurde", erklärt Cora Brandt. Initiativen wie Urban Street Forest experimentieren dort mit widerstandsfähigen Baumsorten, die in einem heißen, regenarmen Klima gedeihen.

Die Bur-Eiche könnte Teil der Lösung sein. „Sie bieten uns einen zweifachen Nutzen", sagt Cora Brandt. „Das werden stattliche Bäume mit einem Stammdurchmesser von drei Metern. Damit sind sie ideal für die Holzgewinnung. Darüber hinaus dienen sie der Ernährung. Die Eicheln sind doppelt so groß wie die Früchte heimischer Sorten und sie schmecken süß."

Interessierte Unterstützer für Pflanzaktion gesucht

Zurück in Steinhagen verfolgt Cora Brandt darum auch hier das Ziel, die Bur-Eiche als Alternative zu hiesigen Baumarten im Rahmen einer Pflanzaktion zu testen. Denn auch in Deutschland machen die trockenen und heißen Sommer, die in den vergangenen Jahren immer extremer ausfielen, den Wäldern zu schaffen. Zusammen mit Birgit Lutzer, die ebenso wie Cora Brand zum Team des Online-Magazins „Umwelt trifft Technik" gehört, will Cora Brandt Bürger in den Feldversuch einbinden.

„Interessierte Steinhagener können sich bei uns melden. Wir werden für sie Süßeicheln oder Setzlinge bestellen, die wir dann aufziehen und beobachten wollen", erklärt Birgit Lutzer. Bis zum 15. Januar sammeln Brandt und Lutzer die Anfragen, um dann eine Sammelbestellung aufzugeben. Zu einem späteren Zeitpunkt wird es für alle Teilnehmer eine Einweisung in die Aktion geben.

Cora Brandt rät dazu, die Eicheln in Erde von Maulwurfshaufen einzupflanzen. „Der Maulwurf gräbt dort, wo es besonders viele Bodenorganismen gibt. Darum ist seine Erde besonders fruchtbar. Außerdem ist sie schon mal gut aufgelockert", sagt Cora Brandt. Wer gerade keinen Maulwurf zur Untermiete hat, dem empfiehlt Birgit Lutzer die Gegend um den Amshausener Sportplatz und entlang der Bahnschienen des Haller Willems. Dort werde man schon fündig.

Fremde Arten könnten Ökosystem durcheinander bringen

In das Projekt eingebunden ist der Steinhagener Waldbauer Ernst Niedermeyer, der bereits mit alternativen Baumarten experimentiert. „Darüber hinaus will der Versmolder Biohof Beckerwerth die Eiche auf seiner Obstwiese testen. Auch die Steinhagener Baumschule Upmann hat Interesse bekundet", berichtet Cora Brandt. Die Grundschule Amshausen soll ebenfalls eingebunden werden.

 

Die Süßeicheln sind etwas größer als die Früchte von heimischen Arten. - © Frank Jasper
Die Süßeicheln sind etwas größer als die Früchte von heimischen Arten. (© Frank Jasper)

Kritikern, die davor warnen, fremde Pflanzenarten in Deutschland anzusiedeln, weil sie das heimische Ökosystem durcheinanderbringen könnten, entgegnet Cora Brandt: „Wir haben keine andere Wahl. Was an Laubbäumen bei uns eine Überlebenschance hat – her damit. Da bin ich pragmatisch. Die in Aussicht stehenden Lösungen für unser Problem überwiegen die Bedenken."

Wer Süßeichen groß ziehen möchte, kann sich bei „Umwelt trifft Technik" melden unter der Telefonnummer (0 52 04) 92 12 96 oder über die E-Mail-Adresse: redaktion@umwelt-trifft-technik.info. In einigen Wochen erfolgt die gemeinsame Pflanzaktion mit Erläuterungen, gegebenenfalls coronakonform über eine Videokonferenz.

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