Zu wenig Grundwasser: Forstwirt warnt vor dramatischer Entwicklung

Forstwirt Dieter Brakensiek warnt vor einer dramatischen Entwicklung. Sie hat Folgen für Fauna, Flora – und den Menschen.

Frank Jasper

Steinhagen-Amshausen. Auf den ersten Blick: Idylle pur. Dieter Brakensiek wohnt mitten im Teutoburger Wald. Hinter der Friedrichshöhe rechts hoch, auf einem verschlungenen Weg vorbei an Wiesen, Feldern und Bäumen geht es zu seinem Grundstück. Doch der schöne Schein trügt. Auf dem Weg zu einem Gewässer, an dem der 59-Jährige die Folgen der anhaltenden Trockenheit erläutern will, wundern sich die Teilnehmer der Exkursion: Regnet es? „Nein", antwortet Brakensiek und zeigt nach oben, „das sind die Tannennadeln, die auf den Boden rieseln". Und richtig: Der Himmel ist wolkenfrei und der Waldboden mit lauter braunen Nadeln bedeckt.

Bereits diese Beobachtung verdeutlicht, in welcher Situation sich die Vegetation im Teutoburger Wald befindet. Nach Aussage der Forstbehörde seien 150 Festmeter Fichten im Quellsiek rund um das Biotop bereits abgestorben. „Das entspricht etwa hundert dicken Bäumen und ist ein Verlust von wertvollem Holz und der weiteren CO2-Einbindung aus der Atmosphäre", sagt Brakensiek.

Kahle Äste der Fichten ragen in den Wald. Auch die Buchen leiden unter den lang anhaltenden Trockenperioden. - © Frank Jasper
Kahle Äste der Fichten ragen in den Wald. Auch die Buchen leiden unter den lang anhaltenden Trockenperioden. (© Frank Jasper)

Das angesprochene Biotop wurde vom Kreis Gütersloh einst als Artenschutzgewässer empfohlen. Es speist sich aus Quellwasser, das in den Jückemühlenbach und schließlich in den Abrooksbach fließt, der wiederum in die Ems mündet. Doch momentan ist der Überlauf des Tümpels trocken. „Der Wasserspiegel ist derzeit um zwanzig Zentimeter abgesackt", nennt Dieter Brakensiek den Grund.

Appell an Verbraucher: „Wasser ist ein kostbares Gut"

Auch die komplette Bedeckung der Wasseroberfläche mit Wasserlinsen deute darauf hin, dass der Wasserstand viel zu niedrig sei. „In der Folge bekommen die Amphibien, die hier leben, weniger Sauerstoff", warnt er vor einer Gefährdung des Artenreichtums. „Eigentlich müsste der Teich mal ausgebaggert werden. Die tiefste Stelle beträgt nur noch einen Meter."

Auch die Menschen, die hier in hoher Lage ihre Häuser haben, merken, dass der Grundwasserspiegel seit Jahren sinkt. „In der Umgebung werden gerade wieder neue Brunnen gebohrt, weil die Hauswasserversorgung sonst nicht mehr gewährleistet ist", berichtet Dieter Brakensiek. Weil sich sein Haus in einer Art Trichterlage befindet, reicht bei ihm auf dem Grundstück noch ein 30 Meter tiefer Brunnen. „Meine Nachbarn haben aber gerade 80 Meter tief gebohrt", sagt Brakensiek.

Immer weniger Niederschläge und deren ungleiche Verteilung fordern längst ihren Tribut im Teuto. Daneben sorgen höhere Temperaturen dafür, dass Wasser schneller verdunstet. Schnee, dessen Schmelzwasser im Frühjahr langsam im Boden versickere, habe es in den vergangenen Jahren kaum noch gegeben, bedauert der Forstwirt.

Die beiden CDU-Mitglieder und Amshausen-Aktivisten Dr. Birgit Lutzer und Axel König machten sich jetzt vor Ort ein Bild von der Situation. „Angesichts dieser Zustände müssen wir an das Bewusstsein aller appellieren, dass Wasser ein kostbares Gut ist, mit dem man sparsam umgehen muss", forderte auch Birgit Lutzer. Hier sei auch das Klimamanagement im Rathaus gefragt.

Forstwirt Dieter Brakensiek (rechts) zeigt Birgit Lutzer und Axel König von der CDU das Biotop, das mangels Wasser auszutrocknen droht. Zu ihren Füßen befindet sich normalerweise der Überlauf in den Bach. - © Frank Jasper
Forstwirt Dieter Brakensiek (rechts) zeigt Birgit Lutzer und Axel König von der CDU das Biotop, das mangels Wasser auszutrocknen droht. Zu ihren Füßen befindet sich normalerweise der Überlauf in den Bach. (© Frank Jasper)

„Es kann nicht angehen, dass Bürger im Sommer über Stunden ihren Rasen sprengen." Das sieht auch Axel König so, der selbst einen Brunnen im Garten hat. „Wasser sparen fängt schon im Kleinen an. Warum beim Zähneputzen weiter den Wasserhahn laufen lassen?!", nennt er ein alltagstaugliches Beispiel.

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