Auch die Satire-Partei hat einen Bürgermeisterkandidaten

"Die Partei" schickt ihren Kreisvorsitzenden Glenn Krüger ins Rennen um den Chefsessel im Rathaus. Die Partei besetzt alle 17 Wahlkreise. Ein weiteres für sie wichtiges Ziel hat sie auch erreicht.

Ekkehard Hufendiek

Die ersten fünf Plätze der Reserveliste besetzen Eugen Hoffmann (Platz 3, von links), Christoph König (1), Jan Herkströter (4), Bürgermeisterkandidat Glenn Krüger (2) und Marc Meyer zu Hücker genannt Homann (5). Foto: Ekkehard Hufendiek - © Ekkehard Hufendiek
Die ersten fünf Plätze der Reserveliste besetzen Eugen Hoffmann (Platz 3, von links), Christoph König (1), Jan Herkströter (4), Bürgermeisterkandidat Glenn Krüger (2) und Marc Meyer zu Hücker genannt Homann (5). Foto: Ekkehard Hufendiek (© Ekkehard Hufendiek)

Steinhagen. „Ich wäre froh, wenn wir hier in Steinhagen die Macht übernehmen können", sagte Glenn Krüger. Er leitete die Aufstellungsversammlung, führte Regie bei deren juristisch-korrektem Vorgehen und ließ sich zudem als Bürgermeisterkandidat aufstellen. Er ist damit der mittlerweile sechste Kandidat für den Chefsessel im Steinhagener Rathaus.

Den obersten Posten im Rat der Gemeinde strebte er indes nicht an, ohne die Versammelten vorher zu fragen: „Will einer von euch Bürgermeister werden?" Manch ein zögerliches „Och, nö" war daraufhin zu hören. „Zur Not stelle ich mich zur Wahl", sagte Glenn Krüger. Seine Frau Alexandra Brungs fragte, ob er dann auch auf Wahlplakaten für sich werbe. „Die Wahlplakate muss ich alle selbst bezahlen", antwortete Glenn Krüger. „Dann bin ich dagegen", sagte seine Frau. Dennoch wählten ihn die zwölf stimmberechtigten Mitglieder einstimmig zum Bürgermeisterkandidaten. Wahlplakate mit seinem Konterfei wird es vermutlich keine geben.

„Mehr Stimmen holen, als ich Nachnamen habe"

Anschließend telefonierte Christoph König, der zuvor auf den Reservelistenplatz eins gewählt worden war, mit einer Parteikollegin: „Wenn du gleich ins Rathaus kommst, kannst du gleich ein Sixpack Bier mitbringen" – Gelächter unter den Anwesenden. Dabei wussten die meisten zunächst gar nicht, für welchen Wahlbezirk sie antreten. Glenn Krüger klärte darüber auf. Sabine Schlüter, die für den Wahlbezirk zwölf auf Stimmenfang geht, kommentierte ihre Kandidatur wie folgt: „Ich kenne da zwar kaum Leute, aber ich bin auch bei der Partei, um die AfD zu bekämpfen."

Die Kandidaten der Reserveliste bestimmten die Mitglieder der Partei in einem recht komplizierten Verfahren: Jeder ihrer sechs Listenplätze wurde einzeln nach Mehrheit gewählt. Dabei könnte der Steinhagener Ortsverband bei der Kommunalwahl am 13. September hier durchaus Chancen besitzen: Denn 17 der 34 Ratsmitglieder werden nicht direkt, sondern über die Reserveliste gewählt. Geschätzt nur etwa 300 Steinhagener müssten demnach der Partei ihre Stimme geben, damit sie mit einem Sitz im Rat vertreten ist. Dass das möglich ist, hat die vergangene Europawahl gezeigt, bei der sowohl der Parteimitbegründer und Berufssatiriker Martin Sonneborn als auch der Kabarettist Nico Semsrott ins Europaparlament einzogen.

"Kampf der AfD"

Das politische Hauptziel ist schlicht: Kampf der AfD. Viele Steinhagener Parteimitglieder motivierte allein das zur Kandidatur in den einzelnen Wahlkreisen: Die Partei will der Alternative für Deutschland nicht nur eins auswischen, sie will sie kleinkriegen. Ralf Neuholz etwa outete sich als bekennender Antifaschist und sagte: „Ich kandidiere, damit wir die AfD verhindern." Ähnlich äußerte sich Bettina Simon: „Ich lasse mich für Wahlbezirk fünf aufstellen, weil die AfD weg muss – das ist das Wesentliche." Marc Meyer zu Hücker genannt Homann formulierte für seine Kandidatur ein vermeintlich bescheidenes Ziel: „Ich möchte mehr Stimmen bekommen, als ich Nachnamen habe."

Bei der anschließenden Abstimmung zeigte die Partei eine große Geschlossenheit: Alle 17 Kandidaten erhielten ausschließlich Jastimmen. Glenn Krüger stellte zwischendurch einen Teilerfolg fest: „Wir sind besser als die AfD, weil wir alle 17 Wahlbezirke besetzt habe, und außerdem haben wir einen Bürgermeisterkandidaten aufgestellt – beides hat die AfD nicht geschafft."

Lesen Sie auch:

Die Partei ist jetzt in Steinhagen aktiv - und bringt Frauen an die Macht

"Die Partei" tritt an, den Kreis Gütersloh zu erobern

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

1 Kommentar

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.