HalleHat Storck bewusst getäuscht? Waldschützer kritisieren bisheriges Vorgehen

Eine Gruppe Haller Bürger hat sich schriftlich an den Inhaber Axel Oberwelland gewandt. Mit der Antwort des Pressesprechers will man sich nicht zufrieden geben. Man wirft dem Unternehmen eine bewusste Täuschung vor.

Heiko Kaiser

Die Fertigstellung der Strommasten von Amprion hat die Planungen von Storck ebenfalls beeinflusst. - © Ulrich Fälker
Die Fertigstellung der Strommasten von Amprion hat die Planungen von Storck ebenfalls beeinflusst. © Ulrich Fälker

Halle. In einem Brief haben sich die Haller Bürgerinnen und Bürger Armin Meier-Kühn, Silke Wilming, Tobias und Edith Rüter, Dietmar Althaus und Marion Weeke Anfang März direkt an den Storck-Inhaber Axel Oberwelland gewandt. Darin geben sie ihrer Erleichterung über die Entscheidung des Unternehmens Ausdruck, die Fällarbeiten auszusetzen und dadurch die angespannte Situationen nicht eskalieren zu lassen.

Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass die Stadt durch zahlreiche Baumaßnahmen (A 33, Stromtrasse, Ravenna-Park, Baugebiete) sowie durch klimatische Veränderungen (Waldsterben, Wasserknappheit) bis zum Anschlag gebeutelt sei. Die Unterzeichner beziehen sich auf eine Äußerung des Unternehmens, über Alternativen nachdenken zu wollen und möchten darüber mit Storck ins Gespräch kommen.

„Keine Äußerungen, über Alternativen nachzudenken"

Im Steinhausener Wald sind Plakate aufgehängt worden, die für die Erhaltung des Waldes werben. - © Heiko Kaiser
Im Steinhausener Wald sind Plakate aufgehängt worden, die für die Erhaltung des Waldes werben. (© Heiko Kaiser)

In seiner Antwort stellt Unternehmenssprecher Dr. Bernd Rößler klar, dass man keine Äußerung getroffen habe, über Alternativen nachzudenken. Er umreißt zudem noch einmal die Position des Unternehmens, die wir vergangenen Freitag bereits ausführlich dargestellt haben.

„Mit Befremden haben wir die Antwort der Firma Storck zur Kenntnis genommen. Sie enthält keine neuen Informationen, im Gegenteil: Storck dementiert, jemals Alternativen erwogen zu haben", wendet sich die Gruppe nun an die Öffentlichkeit. Sie fragt zudem: „Warum lädt die Stadt Halle die Firma Storck ein, um kurz vor der wichtigen Sitzung zum Bebauungsplan eine Stellungnahme zur Erweiterung abzugeben? Warum wurden keine weiteren Teilnehmenden eingeladen, um ein einseitiges Bild nur aus Sicht der Firma Storck zu vermeiden?" Bürgermeister Thomas Tappe erklärte dazu: „Wir haben damit dem Antragssteller und der Presse die Möglichkeit gegeben, offene Fragen im Vorfeld des Ausschusses zu klären. Alle Beteiligten haben im Vorfeld im Rahmen des ordnungsgemäßen Verfahrens die Möglichkeit erhalten, sich zu äußern."

Gibt es noch nicht genutzte Möglichkeiten?

Die Unterzeichnenden kritisieren das Niveau der Informationen, die Storck in Zusammenarbeit mit der Stadt an die Bürgerinnen und Bürger weitergebe und fühlen sich mit „Floskeln abgespeist". Sie betonen, die Situation nicht schwarz oder weiß zu sehen. Glauben jedoch, dass es zwischen geplanter Erweiterung und Nullvariante ohne jegliche Erweiterung nicht genutzte Möglichkeiten gebe, die Erweiterung umweltverträglicher und bürgernäher zu gestalten. Sie bezeichnen die Fotomontage der Darstellung des Laibachs vor und nach der Maßnahme als „bewusste Täuschung". Der Laibach werde in weiten Teilen 2,50 Meter tiefer verlaufen. Die dazu notwendige Böschung nehme fast die gesamte Breite des Steinhausener Waldes ein. Dort werde kein Wald stehenbleiben.

Der Eindruck der Gruppe, Storck habe die Waldbesetzung mit dafür verantwortlich gemacht, dass eine Produktionshalle unter der Hochspannungsleitung um ein Stockwerk niedriger ausfallen muss, ist jedoch nicht richtig. Die Verantwortlichen hatten grundsätzlich die gesamte Verzögerung des Planungsprozesses als Grund dafür ins Feld geführt, die Besetzung jedoch nicht explizit erwähnt.

Im "Schoko-Check" als "faules Ei" bewertet

Auch Kritik der Unterzeichnenden, dass in der Storck-Skizze ein Parkhaus zu sehen sei, das im Bebauungsplan gar nicht enthalten ist, stellt die Stadt richtig. So ist es zwar korrekt, dass in der Werksplanung ein Parkhaus zwischen Bahnlinie und Margarethe-Windhorst-Straße vorgesehen ist. Dieser Bereich fällt jedoch nicht in den die Erweiterung betreffenden Bebauungsplan. „Hier besteht bereits Baurecht, Storck müsste lediglich einen Bauantrag stellen", sagt Michael Flohr von der Stadt.

Schließlich zieht die Gruppe in Zweifel, dass Storck eine nachhaltige Strategie verfolgt. Als Begründung führt sie die jüngste Bewertung des Unternehmens durch die Organisation Inkota ins Feld. Im „Schoko-Check" hatten Inkota und weitere vier Organisationen 31 Schokoladenunternehmen und Kakaoverarbeiter befragt. Sie wurden in den Kategorien Kinderarbeit, menschenrechtliche Sorgfaltspflichten, Transparenz, Entwaldung, ökologischer Anbau und existenzsichernde Einkommen bewertet. Sie verliehen an Storck das „faule Ei", weil es, nach Aussage von Inkota, als einziges deutsches Unternehmen die Beteiligung an der Befragung verweigert habe.

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