Ralf Weber: „Er hat alle mitgerissen“ – Halle trauert um Gerhard Weber

Der Tod von Unternehmer Gerhard Weber hat die Menschen in seiner Heimatstadt Halle tief getroffen. Zahlreiche Weggefährten würdigen das Lebenswerk eines Mannes, der sich nicht beirren ließ. Und mit dieser Hingabe Außergewöhnliches erreicht hat.

Marc Uthmann, Christian Helmig, Nicole Donath

Blau-Weiß gewinnt 2017 zum fünften Mal den Titel und feiert mit Gerhard Weber. - © Philipp Kreutzer
Blau-Weiß gewinnt 2017 zum fünften Mal den Titel und feiert mit Gerhard Weber. (© Philipp Kreutzer)

Halle. Ralf Weber kämpft mit den Tränen, als er vom Tod seines Vaters berichtet: „Er war in der Uniklinik Münster und ist dort behandelt worden. Dann ging alles so schnell, und leider ist er für uns alle überraschend in den frühen Morgenstunden gestorben." 30 Jahre haben die beiden auch beruflich Seite an Seite gestanden, im sportlichen Bereich zusammen gearbeitet, zuletzt zudem beim Modehersteller Gerry Weber. „Er war ein herausragender Unternehmer. Und er hatte diesen unbändigen Schaffenswillen", sagt Ralf Weber.

Tennis spielte Weber mit Leidenschaft. - © Archiv
Tennis spielte Weber mit Leidenschaft. (© Archiv)

Mut und eigener Kopf

1977 einfach mal eine Tennishalle zu bauen, anschließend die gesamte Anlage für den TC Blau-Weiß Halle – das war der Mut, der Gerhard Weber sein Leben lang auszeichnete. „All das neben dem Modeunternehmen", betont Ralf Weber. Es folgten fünf deutsche Meistertitel mit dem TC Blau-Weiß, die Etablierung eines Tennis-Rasenturniers, der Bau des Gerry Weber Stadions. „14 Monate nach der Zuteilung ging 1993 das erste Turnier über die Bühne, zehn Monate später war bei der zweiten Auflage das Dach drauf – so etwas kann man sich doch heute nicht mehr vorstellen", sagt Ralf Weber. „Um etwas nicht zu kämpfen, das gab es für meinen Vater nicht. Er hatte seinen eigenen Kopf, seine eigene Meinung – und er ist auch mal angeeckt. Aber so hat er vieles bewegt, was sich andere nicht vorstellen konnten."

Stolz auf eine Ära

Landrat Sven-Georg Adenauer und Gerhard Weber bei der Eröffnung des Outlet-Centers. - © Nicole Donath
Landrat Sven-Georg Adenauer und Gerhard Weber bei der Eröffnung des Outlet-Centers. (© Nicole Donath)

Frank Hofen arbeitete 27 Jahre als Pressechef für den sportlichen Bereich mit Gerhard Weber zusammen: „Ich bin stolz darauf, diese Zeit mit ihm erlebt zu haben." Von den Erinnerungen zehre er noch heute, bekennt Hofen: „Ich werde ihn nie vergessen." Eine Image-Kampagne, die den gleichen Glanz wie Webers Projekte gebracht hätte, meint Hofen, habe sich die Stadt Halle niemals leisten können.

Begeisterter Vereinschef

Thorsten Liebich hatte bis zuletzt regelmäßigen Kontakt zu Gerhard Weber. Zum letzten Mal sprachen sich der stellvertretende Vorsitzende des TC BW Halle und sein „Chef" in der vergangenen Woche, kurz nach dessen Rückkehr aus seinem Domizil auf Mallorca. „Gerhard war bis zuletzt ein begeisterter und an allen Vorgängen im Club aktiv interessierter Vorsitzender", sagt Liebich. 35 Jahre stand Weber an der Spitze des Clubs, unter seiner Führung wurde die erste Mannschaft zwischen 1995 und 2015 fünf Mal deutscher Meister.

Vermächtnis lässt hoffen

Genauso stolz, das vergaß Weber bei kaum einer Gelegenheit zu erwähnen, war er auf die weitläufige Anlage an der Weststraße mit ihren 13 Plätzen, die er selbst häufig als „Park" bezeichnete. Erbaut hatte er sie Anfang der 90er-Jahre maßgeblich selbst, als das alte Gelände an der Weidenstraße dem Stadion weichen musste. „Gerhard Weber hat den Verein mit seinem Herzblut, seiner Leidenschaft und auch mit Geld extrem geprägt", sagt Liebich. „Wir alle, die seinen Weg begleiten durften, sind stolz, dass wir das erlebt haben." Das Vermächtnis Gerhard Webers macht ihm Hoffnung, dass der TC BW Halle den Schicksalsschlag übersteht. „Der Verein ist schuldenfrei und hat ein funktionierendes Vorstandsteam", sagt Liebich.

Anruf von Mallorca

Neben den Profis von Arminia Bielefeld und TC BW Halle hatte Gerhard Weber auch für die Amateursportler in Halle ein Herz. 2007, nach dem Aufstieg in die Regionalliga, stieg er als Sponsor bei den Handballerinnen der HSG Union 92 Halle ein. Fast zehn Jahre lang blieb er für den kleinen Verein ein „verlässlicher Partner, wie sich Ernst-August Stüssel erinnert. An der Zusammenarbeit mit Gerhard Weber schätzte der Union-Vorsitzende, dass sich der Unternehmer nichts aufs Geldgeben beschränkte, sondern echtes Interesse zeigte. Ein bis zwei Mal im Jahr besuchte er die Heimspiele in der Masch. „Manchmal hat er mich sogar von Mallorca aus angerufen, um zu hören, wie unsere Mannschaft gespielt hat", erzählt Stüssel.

Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann und Gerhard Weber eröffnen die Modemesse My Way. - © Herbert Gontek
Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann und Gerhard Weber eröffnen die Modemesse My Way. (© Herbert Gontek)
Vom Court nach China

Eckard Wolff, der viele Jahre mit Gerhard Weber zusammen Tennis gespielt hat, sagt: „Gerhard war ein normaler Tennisfreund, der seinen Reichtum nie zur Schau gestellt hat. Er war immer für uns da, auch wenn er kaum Zeit hatte. Manchmal hatte er kaum ein Spiel absolviert, da wurde er bereits abgeholt, weil er nach China musste – um Seide zu kaufen." Er erinnert sich an (zu schnelle) Fahrten im Porsche von Gerhard Weber, um noch pünktlich zu einem Spiel zu kommen. Oder an ein Auswärtsspiel in Lemgo, das die Gastgeber wegen Regens absagen wollten. „Das will ich mir selber angucken", habe Gerhard Weber damals gesagt. „Also sind wir alle Mann losgefahren und Gerhard hat so lange verhandelt, bis wir auf den Nachbarplätzen doch spielen konnten."

„Er konnte gut laufen"

Udo Kleine kannte Gerhard Weber weit über 40 Jahre. „Wir haben auf dem Tennisplatz oft die Klingen gekreuzt, er konnte gut laufen." Doch nicht nur das Tennisspiel verband die beiden, sondern ebenso der Stammtisch bei Brune, zu dem sich jeden Freitag neben den beiden auch Udo Hardieck, Walter Kleyer, Lothar Lün-stroth, Hans Schwarz oder Wolfgang Kalbow trafen. „Wir haben zusammen Geburtstag gefeiert, konnten uns immer aufeinander verlassen. Es ist schon schlimm, ich habe einen Freund verloren."

Gerhard Weber und Sohn Ralf beim Bau der Tennisanlage. - © Archiv
Gerhard Weber und Sohn Ralf beim Bau der Tennisanlage. (© Archiv)
Zorn verrauchte schnell

Jochen Tappmeier, der bereits im Vorstand des TC BW Halle war, als Gerhard Weber den damaligen Vorsitzenden Dr. Geert Andersen ablöste, erinnert sich an die unterschiedlichen Ansätze, die er und der Unternehmer verfolgten: „Gerhard wollte groß – ich wollte den kleinen Verein. Und wir haben bestimmt viel gestritten, um alle möglichen Sachen." Allerdings sei es immer um die Sache gegangen, es sei nie persönlich geworden. „Manchmal hat Gerhard im Zorn die Vorstandssitzung verlassen, doch nach 20 Minuten kam er wieder, bereit für einen Kompromiss. Wenn wir vom Club etwas brauchten, war er da. Es ist ein bedauerliches Ende für einen solchen Macher, das tut mir für ihn sehr leid, denn er hat Großes geleistet", sagt Tappmeier.

Strenger Vater, lieber Opa

Zuletzt wurde es ruhiger um Gerhard Weber, hielt er sich häufig auf Mallorca auf. Doch die Familie blieb ihm wichtig: „Auch wenn er selbst früher ein strenger Vater war, haben wir uns immer ausgetauscht, und auch die Nähe zu seinen Enkeln war ihm wichtig", sagt Ralf Weber. Dann fallen ihm weitere Projekte ein, in denen Gerhard Weber mitmischte: soziale Initiativen, die Betriebskita für seinen Modekonzern, das Engagement für den A 33-Lückenschluss – „er hat alle mitgerissen".

Kirche und Politik trauern

Bewegt vom Tod Gerhard Webers zeigte sich Halles Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann: „Plötzlich sind so große Menschen einfach weg. Mit Gerhard Weber verliert Halle eine herausragende Persönlichkeit." Weber habe die Stadt weit über die Grenzen von OWL hinaus bekannt gemacht – als Tennismetropole wie als Modestandort. „Mit seiner anpackenden Art hat er nicht nur bleibende Werte, sondern auch unzählige Erinnerungen geschaffen. Halle wäre ohne Gerhard Weber heute eine andere Stadt."

Auch der evangelische Kirchenkreis hat Gerhard Weber viel zu verdanken, mit seiner Familie unterstützte er zum Beispiel Kreiskirchentage und die Haller Bach-Tage." Superintendent Walter Hempelmann denkt gerne auch an Gerhard Webers musikalische Anfänge in der Kirchengemeinde: „Besonders in Erinnerung sind mir seine lebhaften Schilderungen des Trompetenunterrichts geblieben, den er mit seinem Bruder erhielt."

Landrat Sven-Georg Adenauer würdigt Gerhard Weber als eine der „herausragenden Persönlichkeiten" im Kreis Gütersloh. „Mir hat es sehr imponiert, wie er aus kleinsten Anfängen diese große Firma aufgebaut hat. Dabei war er ein Mensch, der sehr ungeduldig war und alles immer sehr schnell haben wollte." Adenauer erinnert daran, dass Gerhard Weber als Vorstandsmitglied im Aktionsbündnis A 33 gewesen sei und den Lückenschluss maßgeblich vo-rangetrieben habe. „Ich bin wirklich traurig, dass er uns jetzt so plötzlich verlassen musste."

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