BielefeldHallerin kündigt bei Gerry Weber: Jetzt macht sie ganz Bielefeld neugierig

Beruflich hat sie bislang etwas ganz anderes gemacht, ihr fehlen unverzichtbare Kenntnisse. Jetzt hat sie ihren Job in einer Führungsposition bei Gerry Weber gekündigt, um etwas ganz Neues zu wagen.

Silke Kröger

Anja Langer (45) ist die neue Leiterin des Bielefelder Tierheims. - © Wolfgang Rudolf
Anja Langer (45) ist die neue Leiterin des Bielefelder Tierheims. (© Wolfgang Rudolf)

Bielefeld/Halle-Künsebeck. Es gibt Dinge, die scheinen höchst erstaunlich. Wie diese: Warum bekommt eine gebürtige Dresdenerin, die mit ihrer Familie in Halle-Künsebeck wohnt und vorher über 20 Jahre in der Modebranche, beim Unternehmen Gerry Weber, gearbeitet hat und die Berechtigung zur Tierheimleitung erst einmal erwerben muss, gleichwohl sofort eine Zusage für den Job als Bielefelder Tierheim-Chefin? Wer Anja Langer allerdings kennen lernt, der kann sich leicht vorstellen, warum sie den Vorstand des Tierschutzvereins so schnell überzeugt hat.

Merchandising, Verkaufsförderung, Projektentwicklung

Die 45-Jährige ist in einem "sehr tierlieben" Haushalt groß geworden. Wer einem Tier aus dem Tierschutz ein schönes Zuhause gibt, der tut ein gutes Werk, ist ihre Überzeugung. 1986, als Elfjährige, zog sie mit ihren Eltern nach Würzburg. Sie ist mit vielen verschiedenen Tieren aufgewachsen - ob Zwergkaninchen, Meerschweinchen oder Hund. Als ihr letzter Vierbeiner, Terriermischling Felix, mit 17 Jahren starb, war ihr sofort klar: "Es geht nicht ohne Hund." Das wurde dann Juna, 16 Monate jung, ein Beaglemix aus einer ungarischen Tötungsstation. Auf der Suche nach einem Nachfolger für Felix war Langer im Internet aber auch auf die Stellenanzeige des Bielefelder Tierschutzvereins gestoßen, und sie wusste sofort: "Das ist mein Ding." Dabei arbeitete sie eigentlich beim Modeunternehmen Gerry Weber, und das schon seit 22 Jahren, in den Bereichen Merchandising, visuelle Verkaufsförderung, Projektentwicklung und Mitarbeiterförderung. "Wir waren immer ein tolles Team." Doch im Zuge der Insolvenz habe sich vieles geändert, der Außendienst wurde aufgelöst. Ihre Arbeit fand fortan, auch durch Corona, im Büro statt. "Ich hatte keine Möglichkeit mehr, rauszufahren, mit Menschen zusammenzuarbeiten." Doch das brauche sie einfach, um glücklich zu sein.

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Nach Ostern Mitarbeit auf Probe

So schickte die 45-Jährige spontan eine Bewerbung nach Bielefeld. Eine ganze Reihe der Anforderungen - Mitarbeiterführung, Teamarbeit, Organisatorisches - kannte Langer, die verheiratet ist und eine elfjährige Tochter hat, bereits, anderes wie die Zusammenarbeit mit Behörden, Tiervermittlung und -beratung traute sie sich zu. Und wieder anderes würde sie lernen. Das sah auch der Vorstand des Tierschutzvereins so. Noch in ihrem Osterurlaub folgte eine Mitarbeit auf Probe. Gleich am ersten Tag habe sie morgens um sieben vor der Tür gestanden und sei abends um halb acht nach Hause gekommen, erzählt sie. "Mein Mann sagte nur: 'So spät? Da weiß ich ja Bescheid.'" Der Tierschutzgedanke, der hinter allem stehe, die vielschichtigen Aufgaben, der Vorstand, der immer ansprechbar sei ("Wo gibt es das schon"), der lockere Umgang - all das begeistert sie.

Barbara Snelting wird Stellvertreterin

Anja Langer kündigte ihren Job in Halle zum Anfang Mai. Seitdem arbeitet sie sich in Bielefeld ein, büffelt Grundlagen, informiert sich über andere Heime bundesweit. Hilft ehrenamtlich mit, als Gassigeherin, beim Telefondienst, bei Reinigungsarbeiten. Ein mehrtägiges Seminar mit anschließender Prüfung, um die Voraussetzung des Paragraphs 11 im Tierschutzgesetz zu erlangen, steht im November an. Am 1. Oktober beginnt ihre neue Stelle, dann wird Interims-Leiterin Barbara Snelting (60) ihre Stellvertreterin. Langer ist froh, dass sie die erfahrene ältere Kollegin weiter an ihrer Seite hat. "Bis ich 63 bin", verspricht Snelting, die künftig weniger Stunden machen möchte.

35 Mitarbeiter und 311 Tiere

Die neue Chefin von rund 35 Mitarbeitern und derzeit 311 Tieren, vom großen Hund bis zur kleinen Maus, will im Oktober erst einmal Mitarbeitergespräche führen und schauen, "wo der Schuh drückt". Natürlich hat sie auch schon einige eigene Ideen, wie sich das Tierheim weiter entwickeln könnte. "Aber jetzt muss ich erst einmal ankommen. Dann schauen wir weiter."

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