KommentarDebatte über Storck-Pläne: "Entscheidende Fragen der Bürger bleiben offen"

Nicole Donath

- © Ulrich Fälker
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Halle. Etwa 150 Bürger verfolgen im OWL Event Center die Entscheidung des Hauptausschusses zur Änderung des Flächennutzungsplanes. Bis auf den Grünen Frank Winter unterstützen alle Politiker das Vorhaben. Die Sorgen der Einwender mindert das nicht. HK-Redaktionsleiterin Nicole Donath kommentiert:

"Theoretisch ist in dem Verfahren zur Storck-Erweiterung noch alles drin – tatsächlich wurden am Mittwochabend die Pflöcke tief eingeschlagen: Mit Ausnahme des Grünen Frank Winter unterstützen alle Mitglieder des Hauptausschusses die Expansionspläne. Ganz gleich, wie die Kommunalwahl am 13. September ausgeht: Der Süßwarenriese wird sein Werk erweitern können. Auch mit einem neuen Stadtrat geht es maximal noch um Kleinigkeiten.

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Doch so klar das Abstimmungsergebnis ausfiel, so viele Fragen bleiben nach dem Abend bei jenen Bürger*innen, die sich mit Kritik und allgemeinen Bedenken zu dem Projekt geäußert haben. Die Einlassungen der Fraktionssprecher vor ihrem Votum waren zwar sehr wortreich – inhaltliche Antworten gab es indes keine.

Es wurde über den einen Plan abgestimmt. Weitere Varianten, weitere Ideen dazu, wie eine Alternative hätte aussehen können, standen nicht zur Debatte. Es gab auch keine Antwort auf die Frage aus dem Publikum, ob mit dieser Erweiterung dem Wachstum von Storck die Grenzen gesetzt werden sollen. Ebenso wenig gab es eine Aussage dazu, wie man sich grundsätzlich die Entwicklung der Stadt im Hinblick auf Gewerbeansiedlung vorstellt.

"Ohne Frage ein bedeutender Arbeitgeber für die Stadt!"

Stattdessen wurde immer wieder der Vorwurf laut, dass das Verfahren jetzt schon drei Jahre in Anspruch nehme und die Firma Storck endlich einen Anspruch auf eine Entscheidung habe. In diesem Zusammenhang darf allerdings nicht vergessen werden, dass der Kauf des Rieke-Anwesens im Frühjahr 2019 und die damit nun mögliche Verlegung der Zufahrt von der L 782 aus eine zwischenzeitliche Neuplanung erforderte. Das war der Grund dafür, warum auf Bezirksebene erst so spät entschieden werden konnte.

Nicht zuletzt bleiben Fragen rund ums Wasser. Während die aktuelle Prognose des Konzerns davon ausgeht, dass man im Jahr 2025 am Standort Halle rund 750.000 Kubikmeter Wasser benötigen wird, wurde Mittwoch „für einen späteren Zeitpunkt" ein Jahresverbrauch von 825.000 Kubikmeter in Aussicht gestellt. Wenn aber die (neue) Deckelung der Förderungsrechte für Storck bei 625.000 Kubikmeter bestehen bleibt und es kein zusätzliches Förderpotenzial gibt, werden die TWO weiterhin liefern müssen. Doch auch für die Stadt Halle besteht ja eine Deckelung. Angesichts einer defizitären Grundwasserneubildung muss deshalb auch hier geklärt werden, wo dieses Wasser herkommen soll.

Nicole Donath - © Nicole Donath
Nicole Donath (© Nicole Donath)

Der berechtigte wie dringliche Wunsch nach Antworten darf hier keinesfalls mit einer Geringschätzung von Storck gleichgesetzt werden: Storck ist völlig ohne Frage ein bedeutender Arbeitgeber für die Stadt! Aber angesichts des rasanten Wachstums, das der Konzern allein zwischen 2011 und 2019 genommen hat – Dr. Lörcher sprach von 50 Prozent plus – muss erörtert werden, was das für Halle und die Ressourcen bedeutet. Die Entscheidung der Politik war eindeutig. Entscheidende Fragen sind offen geblieben."

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