Storck: „Am Ende ist der Laibach der Gewinner“

Läuft es für den Konzern nach Plan, wird im Februar 2021 die Genehmigung für die Erweiterung erteilt und die Bagger rollen. Insgesamt sollen sechs Hektar im eigenen Wald östlich des Paulinenweges bebaut werden. Zunächst wird allerdings mehr Fläche gerodet.

Nicole Donath

Der Laibach soll als zentrales Element durch den Wald östlich des Paulinenweges mäandrieren, in dem Storck neue Produktionshallen errichten will. Laut Plan soll die Fläche im bis Ende März gerodet sein, im Sommer könnte die neue Zufahrt im Süden gebaut werden, ab Herbst 2021 würde gebaut. Foto: Rolf Uhlemeier - © Rolf Uhlemeier
Der Laibach soll als zentrales Element durch den Wald östlich des Paulinenweges mäandrieren, in dem Storck neue Produktionshallen errichten will. Laut Plan soll die Fläche im bis Ende März gerodet sein, im Sommer könnte die neue Zufahrt im Süden gebaut werden, ab Herbst 2021 würde gebaut. Foto: Rolf Uhlemeier (© Rolf Uhlemeier)

Halle. „Lieber hätten wir uns in Richtung Westen erweitert", sagt Dr. Marc Lörcher. „Die Erschließung wäre entschieden einfacher gewesen", ergänzt der Technische Direktor der Firma Storck. Doch der Grund, warum dieser Plan niemals genehmigungsfähig gewesen wäre, seien die Fledermäuse. Und mittlerweile stellten Grünbrücke und A 33 auch eine äußerliche Zäsur im Bebauungsplan dar.

„Axel Oberwelland denkt eher in Generationen"

Zumindest eine theoretische Möglichkeit für den Bau neuer Produktionshallen hätte auf der 5,5 Hektar großen Fläche nördlich der Margarethe-Windthorst-Straße bestanden, fährt Lörcher dann fort. „Und dort hätte es auch keiner Änderung des Regionalplanes bedurft und auch nicht des Flächennutzungsplanes." Vor allem aus verkehrstechnischen Gründen, aber auch mit Rücksicht auf den Naturschutz hätte man sich bei Storck allerdings dazu entschieden, diese Fläche aufzugeben und hier auch nichts zu reservieren. Stattdessen wolle man im eigenen Waldstück östlich des Paulinenweges bauen.

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Im Zuge der Expansion des Süßwarenriesen Storck sollen die beiden Teiche verfüllt und der Laibach in seiner Lauflänge fast verdoppelt werden. Wie der Konzern berichtet, werde man eine Million Euro investieren, um am Ende 2,5 Hektar Fläche an Bach und Grünbett zu haben. Foto: Planungsbüro Brokmann - © Planungsbüro Brokmann
Im Zuge der Expansion des Süßwarenriesen Storck sollen die beiden Teiche verfüllt und der Laibach in seiner Lauflänge fast verdoppelt werden. Wie der Konzern berichtet, werde man eine Million Euro investieren, um am Ende 2,5 Hektar Fläche an Bach und Grünbett zu haben. Foto: Planungsbüro Brokmann (© Planungsbüro Brokmann)

„Mit der aktuellen Lösung nutzen wir die Vorteile des bisherigen Standortes", erläutert Lörcher die Sichtweise der Firma Storck. Beispielsweise gebe es hier weniger Auflagen für den Transport von Zwischenprodukten, und auch die Betriebskosten seien weniger hoch. Nicht zuletzt könne man auf dieser Fläche größeren Umweltschutz erzielen: „Wir ersetzen den Paulinenweg, wir bauen ein Parkhaus und wir gestalten den Laibach neu", fasst der Storck-Manager zusammen. „Das sind Auflagen, die uns mehrere Millionen kosten. Im Gegenzug bekommen wir 13 Hektar, von denen am Ende sechs bebaut werden."

Dieser Grundstückspreis sei nicht mehr darstellbar, eigentlich, merkt Lörcher dann an. Doch Axel Oberwelland, der Eigentümer des Süßwarenriesen Storck, denke da eher in Generationen und habe ein klares Bekenntnis zum Standort Halle abgegeben. Da ergebe es Sinn, wenn man diese Investitionen tätige. „Bestehende Arbeitsplätze werden so gesichert, neue geschaffen und mit der verlässlichen Planung hat der Konzern Perspektiven. Dabei wissen wir heute nichts über den Absatz in 20 Jahren", betont der Technische Direktor. „Aber hier und jetzt werden die Grundlagen für zukünftiges Wachstum geschaffen."

Rainer Brokmann erläutert dann die Aspekte des Umweltberichtes, den er für Storck erstellt hat. Es gebe keine artenschutzrechtlichen Probleme in Bezug auf Amphibien, stellt er fest. Aber man habe viele Fledermäuse gefunden: „Zwölf Arten, eine gute Ausstattung", sagt der Diplom-Ingenieur und Landschaftsarchitekt. Die seien jedoch ebenso im nördlichen Waldstück zu Hause, also in dem Bereich, den Storck nun aufgebe. Außerdem sei dort oben ein älterer Eichenbestand zu verzeichnen.

Brokmann berichtet ferner, dass man auf die Vermeidung von Licht setzen und insektenfreundliche Beleuchtung verwenden werde. „Im nördlichen Bereich werden außerdem große Waldflächen verbleiben, ebenso erhalten wir die Randbereiche." Auch würden die Stickstoffbelastungen im FFH-Gebiet durch den Bau neuer Produktionshallen und die Verlagerung des Lkw-Verkehrs von der Margarethe-Windthorst-Straße in den Süden kein Problem darstellen: „Die Immissionen von Storck bleiben unter dem Grenzwert", versichert auch Dr. Marc Lörcher. Das gelte insbesondere auch für das kleine, dreieckige FFH-Gebiet nördlich der A 33.

„Wir geben eine Million Euro für den Bach aus"

Auch hier, aber mehr noch grundsätzlich trage die Verlegung und Verlängerung des Laibaches zu diesem Ergebnis bei, der künftig in einem breiten Grünbett mit fast doppelter Lauflänge fließen soll. Zu diesem Zweck werden die beiden („Enten"-)Teiche, die ohne ökologischen Wert seien, verfüllt. Weil es einen Höhenunterschied von rund zehn Metern auszugleichen gelte, werde das Gewässer meandrierend durch das Gebiet laufen und geöffnet, Fische könnten auf diese Weise in beide Richtungen schwimmen. „Wald und Gehölzer östlich des Steinhausener Weges werden ebenfalls erhalten", fährt Brokmann fort. „Am Ende ist der Laibach der Gewinner und erfährt eine deutliche Aufwertung." Eine Investition, die sich das Unternehmen eine weitere Million kosten lasse und für die Dr. Lörcher wirbt: „Anderswo würde man es sich leicht machen und einfach ein stabileres Rohr einsetzen – genau das machen wir nicht." Was die Storck-Manager einräumen: „In dem Moment, da die Bagger anrollen, sieht es erst fürchterlich aus." Aber am Ende bekämen Bach und Ränder rund 2,5 Hektar Fläche und die Ersatzaue sei definitiv besser als die Teiche, es gebe mehr Strukturen und weniger Erosionsprobleme.

Noch bis zum 17. Juli hat die Öffentlichkeit die Möglichkeit, Eingaben, Anregungen oder Bedenken zu dem Projekt zu machen. Alle Unterlagen sind auf der Website der Stadt Halle zu finden, die Nachbarn habe man gesondert angeschrieben und informiert. Wie Michael Flohr, Abteilungsleiter im Bauamt der Stadt Halle, betont, werde die Stadt auf jede Einwendung selbst antworten. „Gegebenenfalls bedienen wir uns der Fachbehörden."

Info zu neuen Arbeitsplätzen

Vier neue Produktionshallen à 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuzüglich 100 weitere Angestellte für ein neues Verwaltungsgebäude – macht zusammen 1.700 neue Arbeitsplätze bei Storck. Das ist die Zahl, die sich mit der ersten Vorstellung der Storck-Expansionspläne in den Köpfen festgesetzt hat und – mit der seitdem argumentiert wird.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Storck-Sprecher Dr. Bernd Rößler diese Zahl offiziell zurückgeholt. Jetzt hat Dr. Marc Lörcher, Technischer Direktor, im Pressegespräch erläutert, wie der Süßwarenkonzern tatsächlich kalkuliere. „Diese Zahl ist unter der Voraussetzung genannt worden, dass wir in gleicher Weise bauen, wie wir die vergangenen 15 Jahre gebaut haben, dass wir dasselbe Wachstum erzielen und dass wir so arbeiten, wie wir bisher gearbeitet haben." Tatsächlich wisse man heute noch nicht, wie sich die Technik entwickele, wie sehr die Automatisierung voranschreite. Aber an genau diesen Aspekten hänge am Ende die Frage, wie viel neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Und eben die könne man daher heute noch nicht konkret benennen.

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