Existenzangst: Gerry-Weber-Mitarbeiter starten Kampagne

Im Zuge der Corona-Krise ist der gerade sanierte Modekonzern erneut in Schieflage geraten. Weil einige Banken wohl nicht helfen wollen, machen IG Metall, Betriebsrat und Beschäftigte jetzt Druck.

Marc Uthmann

Gerry Weber steht in der Corona-Krise erneut massiv unter Druck. - © Ulrich Fälker
Gerry Weber steht in der Corona-Krise erneut massiv unter Druck. (© Ulrich Fälker)

Halle. Um das Haller Unternehmen zu retten, ist es wie berichtet unerlässlich, dass einige Gläubiger ihre Forderungen stunden. Für einen erheblichen Teil der erforderlichen Summe gibt es bereits Zusagen, doch derzeit könnte die erneute Rettung an einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag scheitern. Vor allem einige Sparkassen und eine Volksbank stellen sich demnach quer.

Am Dienstag initiierte die Gewerkschaft IG Metall mit Unterstützung des Betriebsrates kurzfristig eine Kampagne. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen moralischen Druck auf die Gläubiger ausüben, indem sie sich mit einem Schild fotografierten, auf dem der Name des entsprechenden Geldinstituts zu lesen ist. Botschaft: "Bank xy riskiert in dieser Corona-Krise meinen Arbeitsplatz." Die Selfies sollten dann über die IG Metall an die jeweiligen Banken gehen. Laut dem Gerry-Weber-Betriebsratsvorsitzenden Lutz Bormann habe die Aktion bereits erste Wirkung gezeigt: "Ursprünglich hatten sich 20 Banken quergestellt, mittlerweile sind nur noch knapp zehn übrig. Die übrigen haben Gesprächsbereitschaft angekündigt." Die emotionale Ansprache wirke also.

Unternehmen sieht keine Deadline

Hier zeigte sich Manfred Menningen von der IG Metall allerdings deutlich skeptischer. Der Gewerkschafter, der auch im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt, hatte die Aktion mit angestoßen: "Ich bin in tiefer Sorge", bekannte er dennoch. Man habe den Banken mit der Aktion allerdings signalisieren wollen: "Überlegt euch das. Hier gibt es auch Menschen."

Doch steht Gerry Weber offenbar auch massiv unter Druck. Bis zum Feiertag am Donnerstag brauche das Unternehmen ein Signal, sonst drohe die neuerliche Insolvenz, betont der Betriebsrat. Vor allem mit Blick darauf, dass in der kommenden Woche Löhne und Gehälter zu zahlen sind. Ein Unternehmenssprecher wollte eine Deadline hingegen nicht bestätigen, erklärte aber ebenfalls: "Wenn die Stundung nicht gelingt, wäre der Zukunftsprozess gefährdet und dann würde es auch sehr schnell gehen." Dennoch sei man "vorsichtig optimistisch".

Stellenabbau: Verhandlungen laufen

Dass es einen Stellenabbau geben wird, steht weiterhin fest. Rund 200 weitere Arbeitsplätze sollen wegfallen, hier steckte der Betriebsrat mitten in den Verhandlungen über einen Sozialplan, ehe sich die Ereignisse überschlugen und das Problem mit den Banken bekannt wurde.

Grundsätzlich sieht Lutz Bormann allerdings weiterhin gute Perspektiven für Gerry Weber: "Corona tat uns auch deshalb so weh, weil wir nach der Sanierung auf der richtigen Spur waren. Aber wir haben die Umstrukturierung schon hinter uns und auch nach der Wiedereröffnung gab es gute Resonanz." Doch ohne eine Einigung mit den Gläubigern wäre all das Makulatur.

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