Naturschützer bleiben kritisch: „Bau passt nicht zu Storcks Vision“

Erweiterung des Süßwarenherstellers: Die Gemeinschaft für Natur und Umweltschutz nimmt die Pläne ebenfalls kritisch unter die Lupe. Und verweist darauf, dass es vom Paulinenweg auch mal andere Töne gab

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Die GNU kritisiert die Erweiterungspläne von Storck mit Blick auf die Historie. - © Ulrich Fälker
Die GNU kritisiert die Erweiterungspläne von Storck mit Blick auf die Historie. (© Ulrich Fälker)

Halle (HK/maut). „Die Firma ist zweifellos ein gestandenes Familienunternehmen, mit einer langjährigen Tradition und Verbundenheit zum Standort Halle" – das will die heimische GNU-Sprecherin Marion Ernsting gar nicht bestreiten. Und doch lenkt sie den Blick auf die Vergangenheit des Süßwarenherstellers, um auf einige Widersprüche in der Philosophie aufmerksam zu machen, die aus ihrer Sicht bestehen.

„Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Storck in Halle eine Produktionsstätte mit Gleisanschluss. Der Bau galt damals als gutes Beispiel für eine Industrieanlage im Grünen." 1975 sei Storck für diesen Standort mit der Goldplakette »Industrie in der Landschaft« ausgezeichnet worden. „Allerdings ließ sich Grünes bei einem prosperierenden Betrieb wie der Storck KG nicht durchhalten, denn mit der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung folgte Schritt für Schritt auch die flächenhafte Erweiterung der Firma Storck", betont Marion Ernsting. Damit seien Versiegelung von Böden sowie die Rodung von Wald einhergegangen.

Vermisst Nachhaltigkeit: Marion Ernsting (GNU). - © HK
Vermisst Nachhaltigkeit: Marion Ernsting (GNU). (© HK)

„Ob alle Möglichkeiten tatsächlich ausgeschöpft sind, diese Flächenversiegelung zu vermeiden, ist noch zu belegen", schreibt die Umweltschützerin in ihrer Stellungnahme. Zudem passe ein weiter Zubau von freier Landschaft auch nicht zur in der Storck-Unternehmensgeschichte beschriebenen „Vision" passen. „Darin heißt es: Durch ein nachhaltiges Wachstum aus eigener Kraft sichern wir unser aller Existenz und Unabhängigkeit auch in Zukunft", zitiert Marion Ernsting und schlussfolgert: „Erst recht in unserer jetzigen Zeit bedeutet nachhaltiges Wachstum , dass wir für unsere Bedürfnisse mit den Flächen auskommen müssen, die wir jetzt dafür in Nutzung haben." Mit dieser Aussage zitiert die Steinhagenerin Dr. Klaus Töpfer, die Aussage stamme aus dem Jahr 1996, als er Bundesbauminister war.

Täglich gehen 7.563 Quadratmeter Bodenfläche verloren

Ein gelungenes Beispiel für die Umsetzung dieser Ziele sei im Kreis Gütersloh vorgestellt worden. Der Titel des Projektes aus dem Jahr 2015 habe »Unternehmensstandorte zukunftsfähig entwickeln – Flächenpotenziale gewinnen – nachhaltig bauen – Synergien nutzen« gewesen. „Initiatorin war die Stadt Karlsruhe, wegen ihrer Flächenknappheit, unter Mitarbeit des Deutschen Institutes für Urbanistik (Difu)."

Marion Ernsting beklagt für den Kreis Gütersloh einen täglichen Verlust von 7.563 Quadratmeter Bodenfläche und bezieht sich dabei auf den landwirtschaftlichen Fachbeitrag zum Regionalplan Detmold 2018. „Die GNU hat daher auch im Beirat den geplanten Flächenverbrauch sehr kritisch angemerkt. Leider vermissen wir dazu auch mögliche Vorgaben des Kreises Gütersloh." Vergleichbare Städte seien da schon weiter. Man müsse es nur wollen. „Wenn nicht schon zu unseren Lebzeiten, so werden nachfolgende Generationen unsere Verschwendungswirtschaft von heute schultern müssen. Das kann niemandem egal sein", schließt die Umweltschützerin.

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