Extrembergsteiger Jost Kobusch startet den finalen Versuch

Mit einem „Push“ versucht Extrembergsteiger Jost Kobusch die Route zum Everest-Gipfel zu erzwingen. Sein Fuß könnte ihn allerdings erneut ausbremsen.

Jonas Damme

Jost Kobusch - © DANIEL HUG
Jost Kobusch (© DANIEL HUG)

Borgholzhausen/Nepal. Jost Kobusch gerät zunehmend unter Zeitdruck. „Everest Winter solo" hat der 27-Jährige sein aktuelles Projekt getauft. Das Ziel: den höchsten Berg der Erde alleine, ohne künstlichen Sauerstoff im Winter besteigen. Damit das klappen kann, muss er vor dem 20. März auf dem Gipfel stehen. Dann endet der Winter offiziell auf der Nordhalbkugel und Kobuschs Klettertour wäre "nur" eine Solo-Besteigung von vielen.

Stürme, zweistellige Minustemperaturen und nicht zuletzt ein schmerzender Fuß hatten den Borgholzhausener in den vergangenen Wochen immer wieder gebremst. Viele Tage hatte er deshalb im sogenannten Camp eins am Fuße des Mount Everests auf rund 6.000 Metern Höhe verbracht.

„Finalen Push" angekündigt

Vor wenigen Tagen hat Kobusch nun seinen „finalen Push" angekündigt. Zuvor hatte er den Berg „per Zoomobjektiv abgescannt", wie er berichtet, um eine noch mögliche Route auf den Gipfel zu finden. Dabei war er erfolgreich. Zwar sei die Route ziemlich stark vereist, trotzdem wolle er es wagen.

Mit dieser Ankündigung hat Jost Kobusch die Welt der Kommunikation dann auch wieder verlassen. Einzig sein GPS-Tracker sendet noch Lebenszeichen. Und die sind eindeutig.

Zuletzt befand er sich endlich im zweiten Camp auf 6.760 Metern über Normalnull. Dem Gipfel ist er damit schon ein gutes Stück näher, allerdings folgt der weitere Anstieg dem langen Westgrat des Everests und ist Wind und Wetter ungeschützt ausgesetzt. Dieser Grat gilt als extrem schwierig.

Fuß macht Kobusch zu schaffen

Als wäre das alles nicht schlimm genug, macht dem jungen Bergenthusiasten seit einer Woche auch der Fuß wieder zu schaffen. Offenbar infolge der extremen Anstrengungen klagt er über Schmerzen, denen er abgesehen von Salbe und Bewegungsübungen wenig entgegensetzen kann. In den nächste Tagen wird sich somit entscheiden, ob Kobusch seine „Everest Winter solo"-Tour zu Ende klettern kann.

Jost Kobusch - © Privat
Jost Kobusch (© Privat)

Dass ein Scheitern möglich – sogar wahrscheinlich – ist, hatte er immer ehrlich eingestanden. Übereinstimmend mit anderen Profis hatte er die Expedition als schwierig, seine Chancen als „sehr gering" eingeschätzt. „Der Gipfel ist ein Bonus", so seine Ansicht. Am Ende gehe es ihm darum, seine eigenen Grenzen auszutesten. Das dürfte ihm auf jeden Fall gelingen.

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