LokalsportIm Lockdown hat es Zoom gemacht: Dieser Handballer hat sein Leben verändert

Jacob Schröder gehört zu den Gewinnern der Corona-Krise. Die Entscheidung, sein Fitnesslevel deutlich zu erhöhen, hat der Rechtsaußen des Handball-Verbandsligisten HSG Werther/Borgholzhausen an einem ganz bestimmten Zeitpunkt getroffen.

Johnny Dähne

Vom Schloss Werther aus bricht Jacob Schröder alle zwei Tage zu ausgedehnten Laufrunden aus. Sein Körpergewicht hat er in den vergangenen Monaten von 96 auf 80 Kilo reduziert. - © Johnny Dähne
Vom Schloss Werther aus bricht Jacob Schröder alle zwei Tage zu ausgedehnten Laufrunden aus. Sein Körpergewicht hat er in den vergangenen Monaten von 96 auf 80 Kilo reduziert. (© Johnny Dähne)

Werther. Christian Bunkenburg näherte sich in seinem Auto. Der Co-Trainer des Handball-Verbandsligisten HSG Werther/Borgholzhausen erblickte am Straßenrand vor sich einen Läufer, den er nicht zuordnen konnte. Zwar deutete beim Unbekannten aufgrund des Kleidungsstils vieles auf einen Handballer hin, doch die Kontur des Körpers war ihm fremd.

„Er hat mich später auf die Szene angesprochen und gefragt, ob ich es war. Solche Geschichten habe ich zuletzt öfters erlebt", sagt Jacob Schröder und schmunzelt. In der Tat hat sich das Aussehen des 21-Jährigen verändert. Wer ihn noch als schlitzohrigen, aber auch leicht pausbäckigen Rechtsaußen des TV Werther in Erinnerung hat, glaubt ihm sofort, dass er sein Gewicht von 96 auf 80 Kilogramm reduziert hat. Viele Lauf- und Krafteinheiten sowie eine komplette Umstellung seiner Ernährungsgewohnheiten haben seinen 1,76 Meter großen Körper geformt. „Früher kam ich bei Läufen von zwei, drei Kilometern schnell aus der Puste. Zuletzt bin ich 28 Kilometer am Stück gelaufen", erzählt Jacob Schröder.

Den Fans aus Werther und Borgholzhausen ist Jacob Schröder als schlitzohriger Rechtsaußen in Erinnerung. - © Johnny Dähne
Den Fans aus Werther und Borgholzhausen ist Jacob Schröder als schlitzohriger Rechtsaußen in Erinnerung. (© Johnny Dähne)

Doch warum diese Schinderei, für die viel Disziplin und Wille notwendig ist? „Da gab es einen klaren Startpunkt: Als wir mit der Mannschaft entschieden haben, dass wir in die Verbandsliga aufsteigen wollen", erläutert Schröder. Das war Ende April 2020. Der Handball-Verband Westfalen hatte aufstiegswilligen Vereinen, die einen bestimmten Punktequotienten vorweisen konnten, eine Wildcard für die nächst höhere Liga entgegengekommen.

„Süße Sachen wie Schokolade oder Cola kommen bei mir so gut wie gar nicht mehr vor"

Am Ende der virtuellen Besprechung war für Schröder klar: „Wenn ich da mitspielen und vor allem mithalten möchte, muss ich an meinem Körper arbeiten. Damit habe ich dann sofort angefangen", sagt der Rechtshänder.

Es hatte also „Zoom gemacht" bei Schröder: Wie im Schlager „1000 und eine Nacht" von Klaus Lage, der in den vorausgegangenen tausend Nächten davon singt, dass „nix passiert" sei, war für Schröder die Zeit gekommen, seine schon länger gehegten Planungen in die Tat umzusetzen. Neben der sportlichen Komponente machte er sich daran, seine Ernährung umzustellen. „Morgens und abends habe ich früher standardmäßig zwei Scheiben Brot gegessen. Süße Sachen wie Schokolade oder Cola kommen bei mir so gut wie gar nicht mehr vor", erklärt Schröder. Dabei habe er für sich auch das Kochen entdeckt. „Low-Carb-Gerichte gibt es viele. Fleisch mit Salat geht immer", erläutert der angehende Industriemechatroniker. Ob er die früheren, mit vielen Kohlenhydraten versetzten Leckereien vermisse? „Am Anfang war es schwerer, aber da hat mich meine Familie super unterstützt und meinen Essensplan mit umgesetzt", sagt Jacob Schröder, der nur einen Steinwurf weit entfernt vom Schloss Werther wohnt.

Schröder hofft, dass es bald wieder losgeht

Von dort bricht er regelmäßig zu seinen Laufrunden auf. Sein Maximum von 28 Kilometern führte ihn durch alle Stadtteile der Böckstiegelstadt, ehe er nach rund drei Stunden wieder zu Hause auftauchte. „Ich wollte schon eine längere Strecke laufen, aber dass es am Ende so eine lange Strecke wird, hätte ich nicht gedacht", erklärt der Mann, der bei seiner Runde Theenhausen, Langenheide und Häger einen Besuch abstattete. Neben seinen Laufeinheiten alle zwei Tage begann Schröder in den Tagen dazwischen mit Krafttraining. Wegen der geschlossenen Fitnessstudios setzte er vor allem sein eigenes Körpergewicht ein: Liegestütze, Sit-ups, Burpees – der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. 30 bis 60 Minuten investiert Jacob Schröder pro Einheit in das Krafttraining, das seine Muskelzellen stärken und vor der Umwandlung in Fettzellen schützen soll. „Ich habe von unserem Trainer Carsten Gahlmann schon Ärger bekommen, weil jeder in der Coronazeit fünf Kilogramm Muskelmasse zu- und nicht abnehmen soll", erläutert Schröder und lacht. Klar, dass sein Coach die körperlichen Veränderungen seines Spielers begrüßt.

Aktuell hofft Jacob Schröder, der auch als Jugendtrainer bei der HSG tätig ist, vor allem darauf, dass er seine neu gewonnenen PS auch in der Halle beim Handball testen kann. „Es wäre sehr schon, wenn es bald wieder losginge", sagt er, der im Alter von sieben Jahren unter Trainer Gerd Tubbesing beim TV Werther mit dem Handballspielen begonnen hatte.

Ob er sein neues Fitnesslevel auch ohne die Pandemie erreicht hätte? „Wahrscheinlich nicht. Durch Corona hatte ich die Zeit und die Konzentration darauf, meine Lebensgewohnheiten zu verändern.", erläutert Schröder. Ähnlich äußerte sich auch Fußball-Nationalspieler Leon Goretzka, der den Lockdown zu einer Transformation seines Körpers nutzte. Viele dürften sich eine ähnlichen Werdegang wie den von Goretzka oder Schröder wünschen. Etwaige Nebenwirkung neben einem verbesserten Körpergefühl: Bekannte erkennen einen nicht auf den ersten Blick.

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