Böse Überraschung in Oesterweg: Anlieger finden Müll im Boden

Die Stadt füllt eine Senke an der Nachtigallenstraße in Versmolds Ortsteil mit Erde auf. Dann kommt eine Menge Abfall ans Tageslicht. Die Anwohner sind sauer

Marc Uthmann

Fassungslos: Larissa Bartscher hat an der Nachtigallenstraße zahlreichen Unrat wie dieses Drainagerohr gefunden. Foto: Marc Uthmann - © Marc Uthmann
Fassungslos: Larissa Bartscher hat an der Nachtigallenstraße zahlreichen Unrat wie dieses Drainagerohr gefunden. Foto: Marc Uthmann (© Marc Uthmann)

Versmold-Oesterweg. Es könnte so idyllisch sein: Die Nachtigallenstraße führt aus der Oesterweger Siedlung hinaus in die Natur, zu ihrer Linken liegt eine von der Stadt gepflegte Bachlandschaft, rechts dominieren Wiesen und Wälder. Und doch gibt es hier seit einigen Monaten unliebsame Überraschungen.

Da wäre zunächst einmal der Streit um illegal entsorgte Gartenabfälle. Die Stadt unterband die Praxis, stellte Schilder auf – und musste dennoch feststellen, dass weiter abgeladen wurde (HK vom 12. Juni). „Darüber bin ich immer noch sauer", sagt der zuständige städtische Fachbereichsleiter Dirk Niggemann.

Ebenfalls umstritten: Das einstige illegale Depot für Gartenabfälle. Foto: Marc Uthmann - © Marc Uthmann
Ebenfalls umstritten: Das einstige illegale Depot für Gartenabfälle. Foto: Marc Uthmann (© Marc Uthmann)

Doch während an dieser Front – rechts der Straße – so langsam Ruhe einkehrt, geraten die Verantwortlichen aus dem Rathaus und vom Bauhof auf der linken Seite selbst etwas in die Kritik. Grund sind besagte Unterhaltungsarbeiten an der Bachlandschaft. Die waren bereits im Februar Thema im Energie-, Klima- und Umweltausschuss: Die Grünen hatten nachgefragt, warum dort eine Reihe von Bäumen abgeholzt worden war. Das hatte die Stadt damals damit begründet, den Zugang zum Gewässer hin sichern zu müssen. Die Bachlandschaft muss regelmäßig gepflegt werden, damit das Wasser ordentlich abfließen kann. Eine Antwort, welche die Politik zufriedenstellte.

Bauhof nutzt ausgebaggerten Boden

Durch die Fällarbeiten war allerdings eine Bodensenke entstanden, zudem lagen die Baumstümpfe frei: Hier musste wieder aufgefüllt werden. Was die Stadt in mehreren Etappen auch tat. Als Material dafür wurde nach Angaben der Stadt Boden verwendet, der beim Bauhof anfällt, wenn dieser Gräben ausbaggert oder Straßenbankette freischneidet. „Das ist dann in erster Linie Erde, aber auch Wurzelmaterial", erklärt Dirk Henselmeier vom Bauhof dem Haller Kreisblatt.

Umso perplexer war Anwohnerin Larissa Bartscher, als sie vor einigen Tagen mit Hündin Amy an dem gerade fertig sanierten, etwa 150 Meter langen Streifen vorbeispazierte: „Da ragte Plane aus dem Boden, es waren Teppichreste zu finden, Dämmmaterial, Plastik und sogar ein Drainagerohr lagen herum." Für die 47-Jährige ist es „unbegreiflich, wenn die Stadt so mit ihrer eigenen Fläche umgeht und da solchen Schrott hinbringt. Das kann doch ins Wasser gehen".

„Was wir an Unrat finden, holen wir raus"

Die Oesterwegerin beschwerte sich bei der Stadt, daraufhin inspizierte der Bauhof die Fläche noch einmal, nahm auch etwas Unrat auf und planierte den jüngst aufgefüllten Abschnitt. Für Larissa Bartscher nicht genug: „Da steckt immer noch was drin." Und tatsächlich machte die Tochter ihrer Vermieterin beim Ortstermin mit dem HK noch einige Plastikbeute.

Im Rathaus kann man sich auf die Vorgänge mittlerweile nur noch schwer einen Reim machen: „Wir lagern das Material, mit dem wir auffüllen, nirgendwo zwischen. Wir baggern aus und fahren es dann direkt zum Bestimmungsort. Was wir an Unrat finden, fischen wir natürlich raus", erklärt Dirk Henselmeier. Er gesteht aber auch ein, dass möglicherweise tiefer schlummernder Müll nicht unbedingt komplett zu erwischen sei.

Fläche soll noch mal aufgebuddelt werden

Für Larissa Bartscher steht fest: „Das Material muss behandelt werden, bevor es in den Boden kommen darf. Dafür gibt es in NRW gesetzliche Vorgaben." In der Tat gelten für belastetes Material strenge Kriterien – die werden für Bodenaushub an Gräben allerdings in der Regel nicht angelegt. Und auch Dirk Henselmeier beschwichtigt: „Das wird jetzt nicht den Wuchs der Vegetation behindern."

Fachbereichsleiter Dirk Niggemann hat sich derweil auf die Suche nach Erklärungen gemacht: „Es hat zuletzt geregnet, vielleicht ist dabei etwas Unrat hochgekommen – aber in dieser geschilderten Menge ist das für uns schwer zu erklären." Denn der Bauhof mache einen gründlichen Job: „Unsere Leute sind sehr sensibel bei diesen Arbeiten."

Reagieren will die Stadt an der Nachtigallenstraße jetzt dennoch: „Wir wollen die Fläche noch einmal aufgrubbern und dann schauen, ob noch etwas drin ist", kündigt Dirk Niggemann an.

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