Zum ersten Mal seit 20 Jahren: Grünen-Politiker kandidiert als Bürgermeister

Detlef Gohr will der erste Bürgermeister der Umweltpartei im Altkreis werden. Was Klimaschutz angeht, sieht er in der Gemeinde noch „Luft nach oben“.

Jonas Damme

Der Grünen-Wahlkampfstand kommt derzeit selten an die Sonne. Bürgermeisterkandidat Detlef Gohr will das ändern. Foto: Jonas Damme - © Jonas Damme
Der Grünen-Wahlkampfstand kommt derzeit selten an die Sonne. Bürgermeisterkandidat Detlef Gohr will das ändern. Foto: Jonas Damme (© Jonas Damme)

Steinhagen. Seit mehr als 20 Jahren hat es in Steinhagen keinen grünen Bürgermeisterkandidaten gegeben. Zuletzt hatte Johannes Wiemann-Wendt 1999 seinen Hut in den Ring geworfen. Für die Durststrecke gibt es einen Grund. „Solange Herr Besser im Amt war, haben wir uns keine großen Hoffungen gemacht", erklärt Ortsverbandssprecherin Heike Horn. Nun, da der Bürgermeister sich – für viele überraschend – zurückzieht, habe der Wind gedreht. „Wir haben durchaus eine Chance auf den Bürgermeister. Und wenn, dann gibt es keinen anderen als Detlef", betont Horn.

Der 59-jährige Kandidat der Umweltpartei ist bei den Grünen in Steinhagen und dem Kreis eine Institution. Bereits seit 1999 in der Steinhagener Fraktion aktiv und seit 15 Jahren Geschäftsführer der Kreistagsfraktion ist für ihn die ehrenamtliche Politik fast ein Hauptberuf. „Das meiste, was ich mache, ist Politik", sagt er selbst. „Das ist schon jetzt ein Vollzeitjob."

Die Agenda, die er ins Rathaus tragen will, ist klar: Die Gemeinde noch klimafreundlicher machen. „Steinhagen ist wegen der bisherigen rot-grünen Entscheidungsmehrheit bereits gut aufgestellt", findet Gohr. Trotzdem sei noch „Luft nach oben". Er wolle Klimaschutz ins Zentrum stellen. „Heute sucht man in der Politik oft Begründungen, warum man nicht klimarelevant gehandelt hat. Das müssen wir umkehren. Künftig sollte man begründen müssen, warum man im Einzelfall auf die Ökologie verzichten will."

Der beste Zeitpunkt, die Grünen schwungvoll nach vorne zu bringen

Nun sei der beste Zeitpunkt, die Grünen schwungvoll nach vorne zu bringen. „Der aktuelle Neustart der Wirtschaft nach dem Lock-down kann nur mit dem Fokus auf Klima und Ökologie erfolgreich sein", ist Detlef Gohr überzeugt. Die deutsche Gesellschaft habe ihren heutigen Wohlstand auf Kosten von Natur und Klima erreicht.

Corona zeige derzeit eindrucksvoll, wie schnell dieses „Kartenhaus" zusammenfallen könne. Klima- und Naturschutz konsequent in den Mittelpunkt zu stellen, sei daher unerlässlich. „Nur so können wir die Zukunft unserer Kinder und Enkel sichern", erläutert der zweifache Familienvater. Finanziell werde man die Corona-Folgen in Steinhagen sicher überstehen. Es sei schließlich nicht die erste Krise für die Wirtschaft.

In der Gemeinde gebe es viele Aufgaben. Eine großen Anliegen sei ihm das Gewerbegebiet Detert, das – auch dank der Grünen – ein ökologisches werden soll. „Wir dürfen die Fläche nicht vollpacken um jeden Preis", so Gohr. Vielmehr ginge es darum, ein Gebiet zu entwickeln, in dem Arbeitsplätze entstünden, in dem man sich aber auch noch wohlfühlen könne.

In den kommenden Wochen soll der digitale Wahlkampf starten

Im Dauerprojekt Ortskernumbau gebe es auch noch viele Entscheidungen zu treffen. So hoffe er auf die Entstehung der sogenannten „Steinhagener Höfe". „Davon verspreche ich mir eine ganze Menge", so der Kandidat. Aus seiner Sicht solle man aber versuchen, die alten Gebäude so weit es gehe zu sanieren, auch, um zum Beispiel das Secondhand-Kaufhaus M & M halten zu können. Darüber hinaus stelle er sich dort weitere Kultureinrichtungen vor. „Kultur muss man fördern, vielleicht könnte man sogar eine kleine Galerie einrichten." Auch eine finanzielle Unterstützung der Kreativen bei den Mieten sei sinnvoll.

In den kommenden Wochen wollen Gohr und sein grünes Team erstmal digitalen Wahlkampf machen. Facebook und Instagram sollen aufpoliert werden, wer Lust hat, an den regelmäßigen öffentlichen Online-Besprechungen teilzunehmen, findet alles nötige auf der Homepage der Grünen, gruene-steinhagen. de. Sobald es die Pandemie zulässt, will Detlef Gohr in den klassischen Wahlkampf einsteigen und den Steinhagenern seine grüne Weltsicht von Angesicht zu Angesicht näher bringen.

Info
Detlef Gohr lebt seit 1996 in Steinhagen, aufgewachsen ist er in Dülmen im Kreis Coesfeld. Der studierte Pädagoge ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Als selbstständiger Fotograf und Mediengestalter arbeitet er zum Beispiel für den Motorradteilehandel MGH oder die Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel. In der Freizeit kümmert er sich gern um den naturnahen Garten, kocht oder reist.

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