HalleDie Besetzung im Storck-Wald ist beendet: Und was jetzt?

Heiko Kaiser

Ein letztes Statement befestigt einer der Aktivisten an einem Ast. Acht Tage lang haben 30 zumeist junge Menschen den Wald am Steinhausener Weg besetzt. Am Montag sind sie von den Bäumen heruntergekommen. - © Heiko Kaiser
Ein letztes Statement befestigt einer der Aktivisten an einem Ast. Acht Tage lang haben 30 zumeist junge Menschen den Wald am Steinhausener Weg besetzt. Am Montag sind sie von den Bäumen heruntergekommen. © Heiko Kaiser

Halle. Es herrscht Aufbruchstimmung. Gerade wird eine Gulaschkanone in ihre hölzerne Verpackung gehievt. Wobei der Begriff Gulaschkanone die Sache nicht wirklich trifft angesichts der vegetarisch-veganen Grundhaltung am Mahnwachenzelt von Fridays For Future. In einer Feuerschale brennen einige Holzstückchen. Sie brennen auf Sparflamme. „Gerne wären wir noch länger hier geblieben", sagt Paul. Er ist einer derjenigen, die in der zurückliegenden Woche hoch oben im Baum auf einer Holzpalette ausgeharrt haben. „Es gibt Leute, die machen so etwas einen Monat, ein halbes Jahr. Wir aber sind hier an personelle Grenzen gestoßen", fügt er hinzu. Die Ankündigung von Storck, bis Ende Februar keine Maßnahmen zur Umsetzung der Laibachumlegung durchführen zu wollen, hat die Entscheidung erleichtert, den Wald zu räumen. Vorerst.

Am Eingang des Waldstücks steht noch das Dreibein aus Baumstämmen. Es ist das letzte Hindernis auf dem etwa 250 Meter langen Waldweg. Gräben und Barrikaden sind zurückgebaut. An den Wegrändern türmt sich Material, das einst die Passage blockierte. Von einigen Bäumen hängen Kletterseile herab, Transparente und verlassene Paletten schwanken im Wind. „Einige dieser Transparente bleiben", erklärt Katja von Fridays For Future. Auch die Plattformkonstruktionen aus Paletten und Seilen sollen zum Teil bleiben. Man weiß ja nie.

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„Sobald hier was passiert, sind wir sofort wieder auf dem Baum", sagt „Arbor". Er liegt gerade in etwa zehn Meter Höhe bäuchlings auf einem Ast und befestigt ein Laken, auf dem thematisch der tote Planet mit Lachgummis in Verbindung gesetzt wird. Katja und „Arbor" sind an diesem Morgen die einzigen von ehemals 30 Aktivisten im Wald. Doch auch sie werden gehen. „Storck darf jetzt keine Bäume mehr roden", sagt Katja. Ganz überzeugt wirkt sie nicht, als sie das sagt. Denn in die Erleichterung darüber, dass die Waldrodung vorerst gestoppt ist, mischt sich der Zweifel, ob nicht doch eine Ausnahmegenehmigung schon bald neue Verhältnisse schafft.

In einer Pressemitteilung erklärten die Besetzer: „„Unser Erfolg zeigt eindrucksvoll, dass Ziviler Ungehorsam Teil einer lebendigen Demokratie sein muss." Die vergangene Woche habe gezeigt, dass die ökologische Krise auch im Lokalen stattfinde. Tobias Rüter von Fridays For Future Altkreis Halle kommentierte indes: „Wir sind unglaublich dankbar für den Rückhalt und den Zuspruch der Bürger*innen. Ohne diese Unterstützung wäre dieser vielfältige Protest nicht möglich gewesen."

Die Isomatte ist zusammengerollt, Seile und Schnüre liegen zum Abtransport bereit. - © Heiko Kaiser
Die Isomatte ist zusammengerollt, Seile und Schnüre liegen zum Abtransport bereit. (© Heiko Kaiser)

Bürgermeister Thomas Tappe gab vor allem seiner Erleichterung darüber Ausdruck, dass die Besetzung gewaltfrei beendet worden ist und dass die Hindernisse auf dem Weg zurückgebaut worden sind. „Wir müssen jetzt schauen, wie es weitergehen wird und werden uns mit der Firma Storck darüber austauschen", sagte Tappe. Er fügte hinzu: „Als Stadtoberhaupt würde ich mir wünschen, dass die Firma weiterhin die Chance bekommt, sich zu erweitern. Das ist für Storck die einzige Möglichkeit. Und die wurde mehrheitlich in den unterschiedlichen Gremien beschlossen."

Wenig Chancen für Sondergenehmigung

Das Unternehmen wollte sich weder zu der Frage äußern, ob es bereits eine Entscheidung über die weitere Vorgehensweise gibt, noch dazu, ob die Rodungsarbeiten bis zum Herbst aufgeschoben sind oder ob das Unternehmen eine Sondergenehmigung für Fällarbeiten erhält.

Der Kreis Gütersloh erklärte auf Nachfrage, dass Sondergenehmigungen grundsätzlich erteilt werden könnten und in der Vergangenheit auch schon erteilt worden seien. Es müssten jedoch äußere Umstände dafür sprechen. Zu diesen gehören beispielsweise lang andauernde Fröste, die unter anderem die Brutzeit der Vögel verzögern. Angesichts der derzeitigen Witterung sei ein Antrag vermutlich umsonst gestellt.

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