HalleDie Aktivisten räumen den Storck-Wald - doch der Kampf geht für sie weiter

Die Baumbesetzer im Storck-Wald kündigen das Ende ihrer Blockade an und bitten um Mithilfe beim Abbau. Sie wollen den Wald aber weiter überwachen.

Ekkehard Hufendiek

80 Personen haben am sogenannten Future-Plenum der Baumbesetzer im Storck-Wald am Samstag teilgenommen. - © Ekkehard Hufendiek
80 Personen haben am sogenannten Future-Plenum der Baumbesetzer im Storck-Wald am Samstag teilgenommen. © Ekkehard Hufendiek

Halle. Eine Woche lang besetzten Aktivisten den Storck-Wald, um dessen Rodung zu verhindern. Eine Räumung ist ausgeblieben, die Bäume im Storck-Wald sind bislang stehengeblieben. Die Baumbesetzer schreiben sich das als vermeintlichen Erfolg auf ihre Fahnen. Denn die Fällperiode endet im Februar und beginnt erst wieder im Oktober. Nun trafen sich am Samstag Aktivisten, Unterstützer und Bürger, um gemeinsam zu besprechen, wie es weiter geht. Dabei stand eines fest: Im kommenden Herbst scheinen sie ihre Aktion fortsetzen zu wollen: "Wir kommen wieder - und zwar doppelt so viele", kündigte eine junge Frau an.

Die Erlaubnis zur Erweiterung der Firma Storck hat die Haller Politik vor wenigen Monaten nahezu einstimmig gefällt. Doch die Stadt Halle und die Firma Storck - beide besitzen Anteile an dem Waldstück - haben bislang auf eine Räumung des besetzten Waldes verzichtet. Der Verzicht ringt den Aktivisten jetzt offenbar Respekt ab: "Die Firma Storck ist smart", sagte einer der Baumbesetzer anerkennend.

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Im Live-Ticker können Sie noch einmal nachlesen, was in den vergangenen Tagen im Storck-Wald alles passiert ist.

Wenig Lob für die hiesigen Politiker

Für die hiesigen Politiker indes schienen sie weniger Lob übrig zu haben. Das wurde am Samstag auf der Versammlung im Storck-Wald deutlich. Rund 80 Personen kamen in der Nähe einer alten Buche zusammen - Anwohner, Baumbesetzer, Fridays-For-Future-Anhänger sowie Unterstützer und Sympathisanten der Szene oder des Waldes. Mit Hilfe eines Megaphons verschafften sich Einzelne Gehör: "So einen Stadtrat brauchen wir nicht", sagte etwa einer der Sympathisanten. Und ein Baumbesetzer stellte klar: "In unseren Augen ist dieser Wald nicht gerettet."

Auf dem sogenannten "Future-Plenum", was übersetzt Zukunfts-Versammlung bedeutet, sammelten die Teilnehmer Meinungen und Stimmen zum weiteren Fortgang des Geschehens. Die Baumbesetzer kündigten dabei das Ende ihrer Blockade an und baten gleichzeitig um Mithilfe beim Abbau ihrer Barrikaden. Deswegen berieten die Versammelten in Kleingruppen, wie weit die Blockade einerseits abgebaut werden könne und andererseits der Zugang für Personen mit Kettensägen weiterhin verwehrt bleibe. Eine "Besetzung light" solle eingerichtet werden und ein "Frühwarnsystem" eingerichtet werden, "falls Storck im Sommer fällen darf". Tatsächlich gibt es für die Fällperiode von Bäumen auch Ausnahmegenehmigungen.

Wald soll zu einer Begegnungsstätte werden

Auf weißen Laken verkünden die Baumbesetzer ihre Blockade gegen die Rodung des Storck-Waldes. - © Ekkehard Hufendiek
Auf weißen Laken verkünden die Baumbesetzer ihre Blockade gegen die Rodung des Storck-Waldes. (© Ekkehard Hufendiek)

In einer Pressemitteilung äußerten sich die Aktivisten außerdem wie folgt: "Morgen wollen wir gemeinsam die Besetzung wieder zurückbauen.Wir werden Plastik und Müll mitnehmen und die Wege zum Fahrradfahren und Spazierengehen frei machen. Der Wald soll auch im Dunkeln ohne Stolpergefahr begehbar sein. Die Baum-Plattformen und Barrikaden sollen unter Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten zurück bzw. umgebaut werden. Außerdem soll der Wald zu einer Begegnungsstätte werden."

Tobias Rüter von Fridays for Future im Altkreis Halle zeigt sich im Anschluss an die Veranstaltung in einer schriftlichen Stellungnahme zufrieden über die Woche: "Wir haben viele positive Rückmeldungen an der Mahnwache bekommen. Die Besetzung hat gezeigt, dass man keine Politik mehr machen kann, die die Klimakrise ignoriert und stur Profitinteressen auf Kosten der Bevölkerung umsetzen will. Es waren für uns ermutigende Tage weiterhin für eine klimagerechte Welt einzutreten."

Nach etwa eineinhalb Stunden Dauer des Future-Plenums hob einer der Baumbesetzer seine rechte Faust in die Höhe und die Baumbesetzer und deren Unterstützer skandierten im Chor: "Steini-bleibt, Steini-bleibt, Steini-Steini-bleibt-bleibt-bleibt!"

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