HalleWie viel Wald wird wirklich gerodet? Das sind die Fakten

Bürgermeister Thomas Tappe erklärt, was tatsächlich geplant ist – und was nicht.

Jonas Damme

Besetzter Storckwald - © Heiko Kaiser
Besetzter Storckwald © Heiko Kaiser

Halle. Die Aktivisten im Storck-Wald begründen ihren Einsatz damit, einen großen Umweltfrevel verhindern zu müssen. Die Debatte darum spaltet die Haller. Was dabei manchmal zu kurz kommt, sind die Fakten. Im HK-Gespräch fasst Bürgermeister Thomas Tappe deshalb noch einmal kurz die harten Zahlen und die geplanten Maßnahmen zusammen.

„Das gesamte Bebauungsplan-Gebiet umfasst 33 Hektar", so der Verwaltungschef. „Davon sind 20,3 Hektar Gewerbefläche, in der tatsächlich gebaut werden könnte." Allerdings seien die Baufenster innerhalb dieses Gebietes noch einmal deutlich kleiner.

„Der Gesamtwaldverlust wegen der Baumaßnahmen beträgt 6,6 Hektar", so der Verwaltungschef. „Die fallen wirklich weg." Die Vorgabe ist, dass im Verhältnis 1:1,2 ausgeglichen werde. Knapp acht Hektar neuer Wald werden also angepflanzt, zum großen Teil in Werther, aber auch nahe dem Firmensitz.

Im Bereich der Laibach-Offenlegung – also dort, wo die Aktivisten Bäume besetzt haben – sei ein Waldverlust von 0,8 bis einem Hektar geplant, allerdings nur dort, wo der Bach bisher verrohrt verlaufe.„Dort wird aber auch wieder Wald entstehen", so Tappe. Der Bach muss mäandrieren, weil er sonst zu steil würde, was die EU-Wasserrahmenrichtlinie nicht zuließe. Selbstverständlich werde darauf geachtet, die größten und wichtigsten Bäume zu schonen. „Von den alten Allee-Buchen fallen nur sehr, sehr wenige", so Tappe. Ein Großteil der Bäume dort sei vom Unternehmen selbst vor 60 bis 80 Jahren gepflanzt worden.

"Es ist die letzte Erweiterungschance in Halle"

Trotzdem wolle er die Fällungen nicht verharmlosen, sagt Thomas Tappe: „Klar, da findet ein Eingriff statt." Man müsse aber auch wissen, dass Storck rund um seinen Firmensitz etwa 120 Hektar Wald besitze, in dem das Unternehmen auch Artenschutz betreibe. Als Erweiterungsbereich hatte Storck sich zuvor schon einen Fünf-Hektar-Wald nördlich der Margerethe-Windhorst-Straße zurückgehalten. Nach einem Flächentausch bleibe der nun dauerhaft erhalten.

Trotz allem gesteht auch der Verwaltungschef zu, dass Fällungen für Gewerbe grundsätzlich nicht wünschenswert seien. „Für ein neues Gewerbegebiet würde ich so eine Fläche auch nicht nehmen", so Tappe. „Aber die Sachzwänge treiben uns in diese Richtung: Storck kann nicht anders. Es ist die letzte Erweiterungschance in Halle." Auch wenn mancher anderes behaupte, lege er Wert darauf, zu betonen: „Mir sind die ökologischen Themen sehr wichtig. Wir haben es uns im Rat nicht leicht gemacht."

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