HalleTotal im Trend: Stehen auch im Altkreis bald Tiny Houses?

Borgholzhausens Bürgermeister forciert die Ansiedlung der Kleinsthäuser in seiner Stadt, auch in Bielefeld sollen sie entstehen. Die Verwaltungschefs von Halle, Steinhagen und Versmold sind skeptisch.

Jonas Damme

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Altkreis Halle. Kernidee der Tiny-House-Bewegung ist die Vorstellung, dass das vorsätzliche Reduzieren von Eigentum und Wohnraum ein Luxusgewinn sein kann. Schon seit den 1990er Jahren entstehen vor allem im englischsprachigen Raum immer neue Konzepte, wie so ein „winziges Wohnen“ aussehen kann. Eine endgültige Definition für die Größe eines Tiny Houses gibt es nicht, 15 bis 50 Quadratmeter Wohnfläche sind übliche Größenordnungen. Meist sind die Gebäude transportabel.

Auch in der Region ist das Thema mittlerweile angekommen. In Steinhagen scheiterte bereits im vergangenen Jahr ein Antrag, ein solches Wohngebiet zu planen. Bielefeld hingegen beschloss kürzlich auf Antrag einer Bürgerinitiative ein solches Gebiet anzugehen. Auch in den Facebook-Gruppen im Altkreis finden sich immer wieder Debatten zum Thema, meist mit weit überwiegend positiver Resonanz.

Wir haben nun die fünf Bürgermeister im Altkreis gefragt, ob sie sich in ihren Kommunen einen kleinen Bereich vorstellen können, auf dem Mutige ihren Traum vom Tiny House verwirklichen können.

Dirk Speckmann: "Ich finde das Thema spannend"

„Ich finde das Thema Tiny Houses als pfiffige mobile kleine Wohnhäuser schon seit geraumer Zeit spannend, habe auch schon einige besichtigt und denke das es auch hier in Borgholzhausen durchaus Interesse geben könnte“, zeigt sich Dirk Speckmann sehr enthusiastisch.

Bei näherer Befassung mit dem Thema habe er aber festgestellt, dass es baurechtlich nicht ganz unproblematisch ist. In den geltenden, älteren Bebauungsplänen seien solche Gebäude „schlicht nicht vorgesehen – und daher auch nicht ohne Weiteres umsetzbar“.

Man müsste Tiny Houses also explizit planerisch in neuen oder zu ändernden Bebauungsplänen aufnehmen, was aber viel Vorlauf brauche. Und da die Stadt kaum noch Baugrundstücke verfügbar habe und es dann auch zur Nachbarschaft passen müsse, komme so ein Wohngebiet aus Sicht des Bürgermeisters nicht in Betracht.

"Vielleicht ist das für einige eine Alternative"

Eine Alternative sei allerdings, in Gebieten ohne expliziten Bebauungsplan in geeigneter Lage nach einer geeigneten Fläche zu suchen. „Dabei bin ich in der Tat fündig geworden und habe den Eigentümer darauf angesprochen. Dieses Thema ist bei ihm auf sehr fruchtbaren Boden gestoßen und ich bin mit ihm in sehr konkretem Austausch, in welcher Form er sein Grundstück für die Errichtung von einigen Tiny Houses zur Verfügung stellen würde“, erklärt Speckmann.

Es handele sich dabei um eine „sehr gut geeignete innerstädtische Fläche“ auf der drei Tiny Houses entstehen könnten. Die Stadtverwaltung unterstütze den innovativen Ansatz nach Kräften und der Bürgermeister würde sich sehr freuen, wenn es klappt. „Angesichts von mehr als 100 gelisteten Interessenten nach Baugrundstücken – davon alleine 30 aus Borgholzhausen – und vielen Menschen die händeringend nach Wohnraum in unserer Stadt suchen, ist das vielleicht für einige eine Alternative“, so Dirk Speckmann.

In den kommenden Monaten gebe es aber noch viele Details zu klären. „Die Stadt kann das nur wohlwollend begleiten, wofür ich mich aber sehr einsetzen werde.“

Sarah Süß: "Ein ganzes Baugebiet für Tiny Houses sehe ich in Steinhagen nicht"

„Zu Tiny Houses habe ich eine etwas zwiegespaltene Meinung“, erläutert Sarah Süß. Zum Einen seien Flächen rar gesät und die weitere Versiegelung sollte begrenzt werden, da seien alternative Wohnformen interessant. Zum Anderen zweifle sie jedoch daran, dass es in Steinhagen eine große Zielgruppe für Tiny Houses gebe. „Für Familien kommen die kleinen Häuser kaum in Betracht. Für ältere Menschen ist sicherlich die Barrierefreiheit ein Problem“, so die Bürgermeisterin. „Junge, alleinstehende Menschen bevorzugen für diese Lebensphase möglicherweise erst einmal eine Mietwohnung.“ Außerdem verwies auch Sarah Süß auf die planungsrechtlichen Schwierigkeiten.

„Lange Rede kurzer Sinn: Aus meiner Sicht dürfen wir uns aus ökologischen Gründen sowie aus Gründen des Flächensparens alternativen Bauformen nicht ganz verschließen. Ein ganzes Baugebiet für Tiny Houses sehe ich persönlich in Steinhagen nicht“, argumentiert Süß. „So etwas kann ein Experiment, gegebenenfalls auf einem kleinen Anteil einer möglichen Siedlungsfläche sein – aufgrund des Planungserfordernisses natürlich abhängig auch vom politischen Willen und meines Erachtens nicht ohne vorherige Bedarfsanalyse.“

Thomas Tappe: "Tiny-Houses-Siedlung versucht höheren Flächenverbrauch"

„Grundsätzlich stehe ich als Bürgermeister der Stadt Halle auch neueren und veränderten Wohnformen positiv gegenüber“, zeigt sich auch Thomas Tappe offen.

Zurzeit könne seitens der Haller Stadtverwaltung unter den Bauwilligen aber keine Bedarfssituation identifiziert werden, die eine flächige Ausweisung entsprechender Plangebiete notwendig werden ließe. „In der Tat würde aufgrund der Individualität und der Kompaktheit gegenüber anderen Bauformen eine städteplanerische Einfügung und Gestaltung eines solchen Gebietes in Verbindung zu anderen herkömmlichen Baugebieten auch schwierig sein“, gibt der Bürgermeister zu Bedenken. „Eine geeignete Fläche stünde aus meiner Sicht in der Stadt Halle zumindest bei den zurzeit in Planung befindlichen Baugebieten nicht zur Verfügung.“

Außerdem bringt er noch einen ökologischen Gedanken ins Spiel: Eine Tiny-Houses-Siedlung verursache im Vergleich zu mehrgeschossigen Mehrfamilienhäusern einen wesentlich höheren Flächenverbrauch. „Dies halte ich aufgrund des knappen Wohnraum- und Flächenangebotes für problematisch“, so Tappe. „Aus vorgenannten Gründen stellt Tiny Houses für mich zwar eine durchaus interessante, zurzeit aber nicht zielführende Wohnform in der Stadt Halle dar.“

Michael Meyer-Hermann: "Bisher gibt es keine konkrete Nachfrage"

„Bisher gibt es keine konkrete Nachfrage nach Tiny Houses in Versmold“, erklärt auch der dortige Bürgermeister auf Nachfrage. Politisch sei das Konzept ebenfalls noch nicht thematisiert worden. „Sollte sich ein Bedarf ergeben, sind wir einer Diskussion darüber aber aufgeschlossen“, so Michael Meyer-Hermann.

Derzeit konzentriere sich die Planung von Wohnbaugebieten auf die weiterhin große Nachfrage nach klassischen Einfamilienhäusern sowie Miet- und Eigentumswohnungen. Ob und wo eine Tiny-Houses-Siedlung möglich wäre und welche Chancen und Probleme damit verbunden wären, müsste noch bewertet werden. „Vergleichbare Erfahrungen gibt es in Versmold seit vielen Jahrzehnten mit den Ferienhaussiedlungen in Peckeloh“, so der Verwaltungschef weiter. Allerdings gebe es dort aber auch „Licht und Schatten“.

Veith Lemmen: "Stadt ist für Anfragen generell offen"

„Die Stadt Werther plant derzeit ihrerseits keine eigenständige Aktivität im Bereich Tiny-Houses“, erklärt Veith Lemmen. Das Konzept sei aus seiner Sicht durchaus eines von einigen interessanten Wohnraumkonzepten, die derzeit gesellschaftlich diskutiert würden. Es benötige aber viel Eigeninitiative und die nötigen, erschlossenen, privaten Baugrundstücke. „Daher ist die Stadt generell für Anfragen und Anliegen der Bürgerinnen und Bürger der Stadt wie gewohnt offen.“

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