Charlies erste Reise: Pärchen verreist mit umgebautem Handwerker-Bulli

Ein Pärchen hat einen Bulli in einen Camper verwandelt. Damit ging es jetzt zum ersten Mal auf Reisen. Die beiden wissen schon, was sie beim nächsten Mal anders machen wollen.

Melanie Wigger

Dario Marcello und Smiljka Fan haben ihren Bulli eigenhändig in eine Wohlfühloase zum Mitnehmen verwandelt. - © Melanie Wigger
Dario Marcello und Smiljka Fan haben ihren Bulli eigenhändig in eine Wohlfühloase zum Mitnehmen verwandelt. (© Melanie Wigger)

Halle-Künsebeck. Wenn Smiljka Fan und Dario Marcello die Türen ihres Bullis öffnen, bleibt so mancher Passant abrupt stehen – das gilt mitten in Italien genauso wie in Künsebeck. Viele Leute wollen einfach mal gucken, manche machen sogar Fotos. Kein Wunder. „Von innen sieht man gar nicht mehr, dass es ein Auto ist. Es ist richtig muckelig", findet Smiljka Fan. „Aber es gibt immer noch einiges zu verbessern", ergänzt ihr Freund Dario und zeigt auf ein paar Stellen, die für den Übergang mit Dekoration geschickt kaschiert wurden.

Mit einem Campingwagen kann der ehemalige Handwerker-Bulli jedoch locker mithalten: Das von außen unscheinbare Fahrzeug beherbergt im Inneren ein stilvoll eingerichtetes Mini-Heim – mit gemütlichem Bett, Sitzplätzen, einem Waschbecken mit fließend Wasser, einer Küchenanrichte mit eingebauter Kochplatte für den Gasherd und jeder Menge Stauraum.

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„Wir haben uns beim Ausräumen nach der ersten Reise selbst gewundert, wie viel da reinpasst", berichtet Smiljka Fan. Sie und ihr Freund haben innerhalb von wenigen Monaten ihren Bulli namens „Charlie" eigenhändig ausgebaut – und das ohne handwerkliche Vorkenntnisse (wir berichteten).

Für mehr Atmosphäre sorgen im Inneren jetzt reihum kleine Leuchten, die sich nach Bedarf schalten lassen. Licht, Steckdosen und ein kleiner Kühlschrank werden über Solarpanele auf dem Dach versorgt. „Am Anfang der Reise haben wir ständig darauf geachtet, möglichst sparsam mit dem Strom zu sein. Aber nach und nach haben wir gemerkt, dass wir damit sehr gut auskommen", erinnert sich Dario Marcello. Für den Fall der Fälle gibt es eine Notversorgung über die Lichtanlage des Autos.

Das Pärchen macht oft Fotos mit Charlie, um den Camper im sozialen Netzwerk Instagram unter „vanchapter" zu zeigen. - © Privat
Das Pärchen macht oft Fotos mit Charlie, um den Camper im sozialen Netzwerk Instagram unter „vanchapter" zu zeigen. (© Privat)

2021 ist Charlie im Fernsehen zu sehen

Ein Badezimmer passt in den Camper zwar nicht, aber als Not-Toilette ist ein Eimer mit Klobrille und Deckel an Bord – doch auf ihrer Reise konnten sich die beiden oft mit öffentlichen Toiletten behelfen.

Nächstes Jahr soll der Stauraum unterm Bett noch um Schwerlastschienen erweitert werden, damit das Gepäck da-runter hervorgezogen werden kann. „Dieses Mal mussten wir oft mit der Taschenlampe da-runter kriechen und nach Sachen suchen", erzählt Smiljka Fan. Ein ausziehbarer Tisch ist ebenfalls geplant, um drinnen gemeinsam essen und Karten spielen zu können, falls das Wetter mal nicht mitspielt.

Die Jungfernfahrt im September wurde zum Glück von der Sonne begleitet. Stolze 4.000 Kilometer – verteilt auf elf Tage – hat Charlie seine Besitzer nicht im Stich gelassen. Rechtzeitig zum Geburtstag von Darios Oma erreichte das Trio Neapel. Danach ging es Etappe für Etappe zurück Richtung Heimat.

„Ohne die wäre ich auch nicht losgefahren"

Nicht nur für die Geburtstagsfeier hat das Pärchen im Vorfeld beim Ausbau Vollgas gegeben. Auch ein Drehteam hat sie mehrfach begleitet – denn wie berichtet soll Charlies Entstehung in der WDR-Doku „Wir werden Camper" gezeigt werden. Im Februar 2021 sollen diese ausgestrahlt werden.

Die Besuche des Drehteams schafften produktiven Zeitdruck. Trotzdem wurde es bis zur Abreise Richtung Italien noch knapp: Noch am Morgen vor der Reise wurden Schranktüren und Hängeschränke eingebaut, berichtet Smiljka Fan: „Ohne die wäre ich auch nicht losgefahren."

Unterstützung gab es in der stressigen Phase immer wieder von Freunden und Familie. „Wir wurden ständig mit Essen versorgt – und von Oma gab es jedes Mal Kaffee und Kuchen. Wir sind echt dankbar darüber", sagt die 28-Jährige.

Die Friseurin und der Mediaberater sind stolz, dass sie in der Kürze der Zeit so viel auf die Beine stellen konnten. Alleine der Möbelbau habe nur zehn Tage gedauert. Und das ohne Vorlage – schließlich muss im Bulli alles auf Maß angepasst werden. Das erfordert auch Kompromisse wie das 1,75 Meter lange Bett, in dem der 1,78 große Dario Marcello oft schräg lag. Auch Smiljka habe Fußabdrucke an den Wänden hinterlassen, erzählen die beiden lachend. „Aber man gewöhnt sich an alles", sagt der 34-Jährige.

„Mit Charlie sind wir Paradiesvögel"

Auch wenn die Tour durch Italien an traumhafte Orte wie Rom und Florenz führte und gerade mit Blick auf die Corona-Situation Vorteile bietet, wollen die beiden bei der nächsten Reise auf jeden Fall etwas anders machen. „Dieses Mal konnten wir aus zeitlichen Gründen nie irgendwo lange bleiben", erklärt Smiljka. „Ich freue mich sehr darauf, dass wir nächstes Mal ohne Plan losfahren können." Auch Dario Marcello findet, dass darin der Reiz bestehe: spontan irgendwo ein paar Tage zu bleiben, wo es einem gefällt.

Obwohl Campen dieses Jahr eine Renaissance erlebt, haben die beiden Künsebecker unterwegs keine selbstausgebauten Fahrzeuge gesehen. „Schade", meint Dario Marcello: „Aber dafür waren wir überall das Highlight und wurden ständig angesprochen. Mit Charlie sind wir Paradiesvögel."

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