Pärchen baut Handwerker-Bulli zum Camper aus - und kommt damit ins Fernsehen

Das umgebaute Fahrzeug wird nicht nur Weltenbummler, sondern auch TV-Gast in einer Reportage.

Melanie Wigger

Dario und Smilkja aus Halle-Künsebeck - © Privat
Dario und Smilkja aus Halle-Künsebeck (© Privat)

Halle-Künsebeck/Versmold. „Angst ist der größte Faktor, der einen von tollen Sachen abhalten kann", findet Smiljka Fan. Diese Einstellung hat sie und ihren Freund Dario Marcello motiviert, unbekanntes Terrain zu betreten. Seit sechs Wochen tüfteln sie an „Charlie", damit der Bulli mit ihnen im September auf Reisen gehen kann – nicht nur als Fahrzeug, sondern auch als zweites Zuhause.

Charlie war in seinem ersten Leben in der Handwerker-Branche tätig – im Gegensatz zu Smiljka und Dario. Ihre Heimwerker-Fähigkeiten beschränkten sich bislang auf den gemeinsamen Aufbau von Ikea-Möbeln. Klar, haben sich die Friseurin und der Mediaberater im Vorfeld gefragt, ob sie ihr Ziel überhaupt erreichen können.

Ihre Lehrmeister in Sachen Camper-Ausbau fanden sie im Netz. „Wir haben unzählige Videos geguckt", so Dario. Die meisten ihrer Vorbilder betonten, dass sie sich ebenfalls mit null Vorerfahrung an das Projekt herangetraut hatten. „Dadurch haben wir erkannt, dass es auch ohne handwerkliche Begabung möglich ist", berichtet Smiljka.

Mit 10.000 Euro Budget soll jetzt ihr Camper entstehen. Einen Großteil, 4.400 Euro, hat der Autokauf bereits verschlungen. Mit vielen kleinen Kniffen versuchen die beiden jetzt an Materialkosten zu sparen. Sei es ein Blick in die Reste-Ecke des Baumarkts oder auch der möglichst sparsame Einsatz von Holz und Co. „Letztendlich wird man merken, dass alles von Laien gemacht wurde", so Dario, „aber das hat ja auch seinen Charme."

Der Umbau macht den Bulli günstiger

Smiljka bilanziert: „Wir sind bisher ganz gut durchgekommen." Manches sei etwas kniffelig, aber gemeinsam haben sie bislang alles gestemmt. „Ich habe nur unterschätzt, wie lange das alles dauert", gesteht Dario. Allein das Putzen kostete mehrere Tage, denn Charlie hatte aus seinem vorherigen Leben als mobile Werkstatt eine hartnäckige Ölschicht im Inneren.

Da die beiden ihre Urlaubstage für die Reisen mit dem Camper aufsparen wollen, verbringen sie die Freizeit mit ihrem Projekt. Sei es zum Ausschlachten, zum Dämmen, zum Anpassen und Verlegen der Bodenplatten, zum Anbringen der Solar-Panele ...

Dario und Smiljka - © Privat
Dario und Smiljka (© Privat)

„Allein die Organisation der einzelnen Schritte ist extrem zeitaufwendig", sagt Dario. Bei trockenem Wetter geht es zu Charlie, der momentan noch ins Smiljkas alter Heimat Versmold steht. Bei Regen erledigen die Künsebecker Baumarkt-Einkäufe und abends auf dem Sofa werden weitere YouTube-Videos geguckt, um die nächsten Arbeitsschritte zu kennen.

Im Netz sind die selbst gebauten Camper momentan ein Riesen-Trend. Auch die Autoverkäufer hätten dieses Phänomen bestätigt, berichten beide. „Die Nachfrage steigt", sagt Dario. Deshalb sind beide erleichtert, dass sie Charlie schon beim dritten Anlauf gefunden haben. Er ist hoch genug zum Stehen und hat sogar ein Deckenfenster. Perfekt für das Paar.

Das Ziel für die erste Fahrt steht schon fest: Zum 90. Geburtstag von Darios Oma geht es nach Italien – natürlich mit ein paar Zwischenstopps, um die Umgebung zu erkunden. „Bis dahin muss Charlie startklar, aber noch nicht perfekt sein. Es reicht theoretisch, wenn eine Matratze zum Schlafen drin liegt. Naja, eine Küchenzeile wäre auch nicht schlecht", überlegt Smiljka.

Allein diese kleinen Umbaumaßnahmen machen das Fahrzeug erheblich günstiger, erläutert Dario. Jetzt ist der ehemalige Handwerker-Bulli noch als Lkw angemeldet. Doch durch einen festen Schlafplatz im Inneren kann Charlie in der Versicherung in die Klasse der Camper wechseln – und kostet somit nur noch die Hälfte.

Zusätzliche Motivation mit dem Ausbau voranzukommen, kommt für die beiden jetzt auch noch aus dem Off. Die TV-Produktionsfirma Sagamedia hat Bilder von den beiden samt Charlie im sozialen Netzwerk entdeckt. Auf der Plattform Instagram hält das Pärchen die Arbeitsschritte fest, um auch andere damit zu motivieren.


Nun werden ihre Umbauarbeiten für eine Reportage-Reihe im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gefilmt. Dabei werden Menschen vorstellt, die den Start ins Camper-Leben wagen und sich damit einen Traum erfüllen.

Man hat ein Stück Zuhause mit dabei

Und ein Traum ist Charlie für die beiden schon jetzt – vor allem für Smiljka. „Ich wollte so etwas schon immer haben", schwärmt die 28-Jährige und ergänzt lachend: „aber ich hatte einfach nie den passenden Typen dafür." Jetzt sei das anders, sagt sie und schielt zu Dario, mit dem sie seit 13 Monaten zusammen ist und seitdem immer wieder von diesem Wunsch erzählt habe. Der reiselustige 34-Jährige ließ sich von der Idee anstecken. „Ich habe schon viele Fernreisen gemacht. Das Ziel war immer wieder, bloß so weit wie möglich weg zu reisen." Seit Corona habe sich das verändert. Wie sich das Thema Fliegen und Fernreisen in nächster Zeit entwickle, sei schließlich noch offen. „Mit der Maske durchs Hotel?", das kann sich Dario nicht erholsam vorstellen. „Mit dem Camper ist man freier." Und nicht nur das, stellt Smiljka fest: „Egal, wo man ist, man hat immer ein Stück weit sein Zuhause mit dabei."

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