Ab sofort Kurzarbeit bei Koyo in Halle

Krise in Künsebeck: Der Wälzlagerhersteller muss dringend Kosten sparen. Weil die Auslastung nicht stimmt, werden Mitarbeiter nun häufiger nach Hause geschickt. Vor allem die aus dem Büro

Marc Uthmann

Nächster Schritt Kurzarbeit: Mit dieser Maßnahme will Koyo in der Krise Luft holen. - © Marc Uthmann
Nächster Schritt Kurzarbeit: Mit dieser Maßnahme will Koyo in der Krise Luft holen. (© Marc Uthmann)

Halle. Die Verantwortlichen des Haller Wälzlagerherstellers Koyo (712 Mitarbeiter, 114 Millionen Euro Jahresumsatz) haben die ersten Maßnahmen ergriffen, um die aktuelle Schieflage des Unternehmens zu reparieren. 160 Beschäftigte aus verschiedenen Bereichen befinden sich seit dem 1. Oktober in Kurzarbeit.

Koyo, eine Tochter des japanischen Jtekt-Konzerns, leidet wie berichtet unter der schwächelnden Konjunktur und hier vor allem der Abhängigkeit von der Automobilindustrie. 70 Prozent des Umsatzes aus Eigenfertigung (67 Millionen Euro) werden mit dieser Branche erwirtschaftet. Die Geschäftsführung möchte noch in diesem Geschäftsjahr 1,2 Millionen Euro einsparen und verhandelt darüber gerade mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall.

Sofortige Entlastung soll nun die Kurzarbeit bringen. Sie betrifft mehrere so genannte indirekte Unternehmensbereiche, von der Produktionskontrolle über Finanzen, Prototypen, Werkzeugbau, Qualitätssicherung und Versand bis hin zur Konstruktion. Die betroffenen Mitarbeiter kommen zwischen drei und acht Tagen weniger je Monat. Der dadurch entstandenen Lohnausfall wird von der der Arbeitsagentur mit Kurzarbeitergeld teilweise aufgefangen. Sie zahlt 60 (unverheiratet) oder 67 Prozent (verheiratet) des ausgefallenen regulären Nettolohns.

Regelung zunächst bis Ende März befristet

„Der Drei-Jahres-Plan des Unternehmens sah deutlich mehr Umsatz vor, entsprechend sind die Abteilungen aufgebaut worden. Jetzt gibt es einen Personalüberhang", sagt der Betriebsratsvorsitzende Thorsten Neermann auf Anfrage des Haller Kreisblattes. Der Betriebsrat habe zugestimmt und mit dem Unternehmen eine Vereinbarung abgeschlossen, daraufhin beantragten die Koyo-Verantwortlichen Kurzarbeit. Sie ist zunächst bin Ende März befristet.

„Wir müssen jetzt sehen, wie wir mit der Situation klarkommen", bewertete Neermann den Schritt. In der Fertigung seien viele befristete Verträge abgeschlossen worden, die Koyo nun unter Umständen auslaufen lasse, um Überkapazitäten abzubauen. „Aber in den anderen Abteilungen haben wir viele Facharbeiter beschäftigt – da lassen sich in der Regel keine befristeten Verträge machen." Kurzarbeit war somit der einzige Weg, um in der Krise Luft zu holen.

Im Umgang mit schwierigen Situationen ist man bei Koyo grundsätzlich geübt: „Wir haben schon viel mitgemacht hier. Darum gibt es jetzt noch keine schlechte Stimmung", gibt der Betriebsratsvorsitzende Einblick in die Seele des Unternehmens. Zur noch größeren Herausforderung dürften ohnehin die Gespräche über die Sanierung werden: „Wir setzen die Verhandlungen mit dem Unternehmen fort, damit wir da einen Schritt weiterkommen", kündigte Thorsten Neermann an.

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