BorgholzhausenHilfe für Flut-Opfer: Reiter-Familie aus Pium bietet Pferdeboxen und Wohnung an

Menschen aus dem Kreis Gütersloh ergreifen die Initiative - und öffnen sogar ihre Häuser, um zu helfen. Auch das frühere Anwesen eines Olympiasiegers steht dabei im Fokus.

Christian Bröder

Peter Homrighausen und Sohn Marc Nüßing. - © Anja Hanneforth
Peter Homrighausen und Sohn Marc Nüßing. © Anja Hanneforth

Borgholzhausen. Von der Überschwemmungskatastrophe im Westen Deutschland sind auch viele Tiere nicht verschont geblieben. Mit dem Wasser kam der Kampf ums Überleben – und nun? Diese Frage hat sich auch der Gütersloher Peter Homrighausen (52) gestellt, der mit seiner Familie vor sieben Jahren die frühere Reitanlage des zweimaligen Olympiasiegers Franke Sloothaak (63) in Borgholzhausen gekauft hat. Dort leben und arbeiten sie und bieten nun kurzentschlossen eine konkrete Form der Hochwasser-Hilfe an.

„Wir können zwölf Pferde von betroffenen Personen aufnehmen, weil wir die Boxen in unseren Stallungen dafür frei haben", erklärt Homrighausen. Seine Ehefrau Carola Nüßing (52) ist die Geschäftsführerin und Gesellschafterin des Verler Familienunternehmens Nüßing GmbH für Baubeschläge, Sohn Marc (22) ist gelernter Pferdewirt und reitet im September zum ersten Mal beim CHIO in Aachen mit. Gemeinsam mit seinem Vater betreibt er auf dem Anwesen am Barenbergweg, wo die Unterbringungsmöglichkeiten liegen, auch die Sportpferde Nüßing GmbH. Zu deren Inventar zählt ein Fuhrpark, der ebenso zum Hilfseinsatz kommen soll.

Großer Pferde-Lkw steht für den Transport bereit

Ein großer Pferde-Lkw für sieben Tiere und mehrere Anhänger stehen zur Verfügung, so dass auch der Transport und die Evakuierung der Tiere vor Ort bewerkstelligt werden können. „Ich würde selber dort runter fahren und helfen, wo ich kann", sagt Peter Homrighausen. Damit nicht genug: Neben dem Quartier für die Tiere bietet die Familie auch Menschen eine Unterkunft auf dem Gelände in Borgholzhausen. Die vor gut drei Jahren im Obergeschoss eines Fachwerkhauses eingerichtete Zwei-Zimmer-Wohnung von Tochter Yvonne (25) steht aktuell leer und kann bezogen werden.

Zum Ende vergangener Woche hat die Familie das Angebot der schnellen Hilfe über die Netzwerke der sozialen Medien von Sportpferde Nüßing verbreitet. Mehr als 180.000 Personen hat der Post erreicht. „Gemeldet hat sich bislang noch niemand bei uns, aber das Angebot steht weiter", bekräftigt Peter Homrighausen. Wer die Hochwasser-Hilfe für Mensch und Tier in Anspruch nehmen möchte, kann sich unter der Handynummer 0171/3356952 mit ihm in Verbindung setzen.

Schlaflose Nächte nach den Nachrichten

Die Nachrichten aus dem Katastrophengebiet sorgten bei dem Gütersloher und seiner Familie für schlaflose Nächte und Überlegungen, wie man helfen könne. „Ich habe mich gefragt, was da gerade für ein Mist in Deutschland passiert. Umweltkatastrophen gibt es ja überall, aber so nah bei uns, in einer Region, in die wir auch regelmäßig mit unseren Pferden fahren und wo wir die Leute kennen - da müssen wir doch etwas tun."

Der Ansicht sind auch Claudia (43) und Maik Hanhart (45), die in Herzebrock-Clarholz einen Bioland-Hof betreiben. Gesagt, getan: Das Landwirte-Paar hat am vergangenen Wochenende ein Hilfsprojekt initiiert, bei dem schnell und unbürokratisch zwölf Lkw-Ladungen an Tierfutter nach Erftstadt transportiert worden sind. Die knapp 50.000 Einwohner zählende Stadt im Rhein-Erft-Kreis liefert mit dem Schlund an der Kiesgrube nahe des Ortsteils Blessem eine der einprägsamsten Bilder der Überschwemmungs-Katastrophe.

Sammelplatz: 90 Tiere auf zwei Fußballfeldern

Einen ähnlichen Eindruck haben die Schilderungen von einem Sammelplatz für Tiere in Erftstadt bei Hanhart hinterlassen: „Mir wurde gesagt, dort stehen 90 Pferde auf zwei Fußballfeldern. So etwas geht nicht lange gut." Um die Tiere mit dem nötigsten zu versorgen, sind aus dem Kreis Gütersloh dorthin und nach Jülich und Bad Münstereifel tonnenweise Heu, Gras, Silage und Stroh gebracht worden. „Alles das, was den Tieren vor Ort hilft", sagt Maik Hanhart.

Der Landwirt freute sich über das anlässlich der Katastrophe aufgehobene Lkw-Sonntagsfahrverbot ebenso wie über die hierzulande spontan in Gang gesetzte Kettenreaktion. Mehr als 20 Landwirte aus der Region spendeten Futter, die Landjugend mehrerer Orte verbreitete die Nachricht und etliche heimische Unternehmen, unter anderem Hagedorn (Gütersloh), Reiling (Marienfeld) und Loddemann (Harsewinkel), kümmerten sich um Fahrzeuge für den Transport.

Weitere Futtertransporte geplant

Für Mittwoch und Donnerstag stehen zwei weitere Transporte in die Krisenregion an. „Drei weitere Lieferungen muss ich noch vorbereiten und abstimmen", erklärt Hanhart. Auch bei ihm kann man sich melden, wenn man die Aktion unterstützen möchte. Der Landwirt ist erreichbar unter 0171/6918925.

Auch das Gütersloher Tierheim unterstützt die Flutopfer in NRW und Rheinland-Pfalz und lieferte am Wochenende Decken, Bettwäsche sowie Hunde- und Katzenfutter in die betroffenen Gebiete. „Tiere können wir leider nicht aufnehmen, da unsere Kapazitäten derzeit absolut begrenzt sind. Wir haben selber schlichtweg keinen Platz", schildert Tierpflegerin Anne Mähling.

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