Versteigerung: So viel kostet ein echter Böckstiegel

Die Gebote im Gütersloher Auktionshaus Jentsch fallen allerdings nicht so hoch aus wie bei einer Versteigerung im Frühjahr. Bei einem Bild wundert das den Fachmann.

Claus Meyer

Dieses Aquarell zeigt den Hafen im rumänischen Konstanza. Peter August Böckstiegel malte es 1918. - © Auktionshaus Jentsch
Dieses Aquarell zeigt den Hafen im rumänischen Konstanza. Peter August Böckstiegel malte es 1918. (© Auktionshaus Jentsch)

Werther/Gütersloh. 36 Bieter und Bieterinnen waren am vergangenen Samstag im Auktionshaus Jentsch. Damit war das Haus an der Verler Straße unter den bestehenden Corona-Maßnahmen „voll", wie Auktionator Detlef Jentsch mitteilt. Schriftlich und telefonisch hätten zahlreiche weitere Kunst- und Schmuckinteressenten an der Weihnachtsauktion teilgenommen.

Die Tuschezeichnung mit Peter August Böckstiegels Vater und Tante König fand am Samstag einen Käufer. - © Auktionshaus Jentsch
Die Tuschezeichnung mit Peter August Böckstiegels Vater und Tante König fand am Samstag einen Käufer. (© Auktionshaus Jentsch)

Wie berichtet standen auch neun Bilder von Peter August Böckstiegel zur Versteigerung. Acht von ihnen fanden am Samstag einen neuen Besitzer. Laut Detlef Jentsch haben sie zusammen 25.000 Euro erzielt. Die Werke stammen aus zwei „wohlhabenden Privatnachlässen aus der Region", so der Auktionator.

Drei der neun Werke waren selbst der Fachwelt nicht bekannt

Insgesamt habe es fünf Interessenten für die expressionistische Kunst gegeben, allesamt Neukunden, wie Jentsch berichtet. Einer von ihnen habe gleich mehrere Werke ersteigert. Drei der neun Werke – zwei Pastelle von Flüchtlingsfrauen und eine Tuschezeichnung, die Böckstiegels Vater und Tante König zeigt – waren bislang nicht einmal David Riedel, dem Künstlerischen Leiter des Museums Peter August Böckstiegel, bekannt.

David Riedel, Leiter des Böckstiegelmuseums - © Alexander Heim
David Riedel, Leiter des Böckstiegelmuseums (© Alexander Heim)

Da verwundert es nicht, dass sich die Kunstliebhaber diese Werke auch einiges kosten ließen. 5.000 Euro erzielte das eine Bild einer Flüchtlingsfrau, das Böckstiegel nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Reihe von Flüchtlingsporträts anfertigte. 4.500 Euro war am Ende das Gebot für die Tuschezeichnung mit Böckstiegels Vater und Tante König. Das Pastellbild einer weiteren Flüchtlingsfrau fand bislang noch keinen Käufer. Detlef Jentsch geht aber davon aus, dass sich dies schon bald ändern wird.

Dresdner Ortsteil in Farbe

Unter den Hammer kamen noch die Bilder „Schwestern", „Frauen" und „Greis", zudem eine Lithographie, die Böckstiegels Vater am Butterfass zeigt. Mit der Farblithographie „Frühling in Cossebaude" hielt Peter August Böckstiegel 1921 den Dresdner Ortsteil fest.

Zwischen 900 Euro und 1.200 Euro hatte Detlef Jentsch bei acht der neun Werke als Ausruf – also als Startgebot – angesetzt. Das Bild, das er im Vorfeld der Versteigerung als „bestes Stück" unter den Böckstiegel-Werken bezeichnet hatte, ist preislich unter den Erwartungen geblieben. 4.990 Euro hatte Jentsch für das Aquarell „Hafen von Konstanza" angesetzt, das Böckstiegel 1918 als Soldat in Rumänien malte. Mehr erzielte es am Ende auch nicht, was Jentsch nach eigenem Bekunden überrascht.

"Absolutes Sahnestück"

Mit dieser Meinung steht der Auktionator nicht allein. Auch David Riedel wundert sich über den Preis des Aquarells. Der Künstlerische Leiter des Museums Peter August Böckstiegel bezeichnet „Hafen von Konstanza" als „absolutes Sahnestück", für das er einen höheren Preis erwartet hätte – auch mit Blick auf Beträge, die in der Vergangenheit schon vergleichbare Arbeiten Böckstiegels erzielt haben. Das niedrige Gebot könne definitiv nicht an der Qualität des Bildes liegen. „Der neue Besitzer freut sich", ist Riedel überzeugt.

Bild der Flüchtlingsfrau. - © Auktionshaus Jentsch
Bild der Flüchtlingsfrau. (© Auktionshaus Jentsch)

Eben dieser Besitzer habe sich am Samstag auch schon 20 Minuten nach der für ihn erfolgreichen Auktion bei ihm gemeldet, berichtet Riedel. Der Künstlerische Leiter begrüßt das sehr, schließlich sei das Werk für eine künftige Ausstellung in Werther aber auch anderswo als Leihgabe interessant.

Insgesamt wertet der Künstlerische Leiter das Auktionsergebnis als „schönes Zeichen" für das Interesse an Böckstiegels Kunst. Auch die erzielten Preise findet er – mit Ausnahme des Konstanza-Bildes – erfreulich.

Im Januar kommen wohl weitere Böckstiegels unter den Hammer

Wie berichtet waren für vier Böckstiegel-Werke bei einer Versteigerung im April zusammen sogar knapp 100.000 Euro geboten worden. Detlef Jentsch hatte das jeweilige Startgebot damals ähnlich wie dieses Mal moderat angesetzt, nämlich zwischen 900 und 2.000 Euro. Konkurrierende Bieter hatten die Gebote aber in die Höhe getrieben. Den Zuschlag für alle vier Werke erhielt im April ein einziger Bieter. Auch diese Werke stammten aus einem privaten Nachlass.

Detlef Jentsch - © Nicole Hille-Priebe
Detlef Jentsch (© Nicole Hille-Priebe)

Rund 430 Objekte kamen am Samstag im Auktionshaus Jentsch insgesamt unter den Hammer. Außer den Böckstiegel-Werken waren das zum Beispiel Schmuck, Münzen, Uhren, Teppiche und Medaillen. Fast der gesamte Schmuck – zirka 200 Positionen – ist nach Angaben von Detlef Jentsch versteigert worden. Zudem das Silber und zahlreiche weitere Objekte – „und zwar zu sehr guten Weihnachtspreisen", so der Auktionator. „Die Weihnachtsauktion war die beste in der nun 40-jährigen Versteigerertätigkeit", resümiert Detlef Jentsch.

Die nächste Versteigerung soll schon bald folgen. Detlef Jentsch setzt sie auf Ende Januar an. Er geht davon aus, dass dann auch wieder einige Böckstiegel-Werke unter den Hammer kommen werden.

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