Lemmen gegen Decius: So bereiten sich die Kandidaten auf die Stichwahl vor

Claus Meyer

Coronagruß: Veith Lemmen (l.) und Johanes Decius am Wahlabend - © Claus Meyer
Coronagruß: Veith Lemmen (l.) und Johanes Decius am Wahlabend (© Claus Meyer)

Werther. Bei der UWG können sie offenbar nicht nur feiern. Sie gehören auch zur schnellen Truppe. Am Montagmorgen hängen schon aktualisierte Wahlplakate an Bielefelder und Haller Straße. „Stimmt für Werther" steht darauf, gefolgt von der Information, für wen konkret man bei der Stichwahl am 27. September stimmen soll: Johannes Decius, den Bürgermeisterkandidaten der Unabhängigen Wählergemeinschaft.

"Außer Schlafen, Schule und Wahlkampf werde ich nicht viel machen"

Einige Stunden bevor die fleißigen UWG-Wahlhelfer unterwegs sind, sitzt Decius im Kreise seiner Mitstreiter in Werthers Ratssaal. Sekündlich gehen Glückwunsch-Nachrichten auf seinem Smartphone ein. Decius strahlt, zum Trauern besteht trotz des schwarzen Hemdes, das er trägt, kein Anlass. 14 Tage werde er jetzt noch einmal Vollgas geben. „Außer Schlafen, Schule und Wahlkampf werde ich nicht viel machen", sagt Decius, der Lehrer an der Marienschule in Schildesche ist.

Mit seinem Kontrahenten stößt er coronakonform die Ellenbogen aneinander. Schenken wird er dem Sozialdemokraten Veith Lemmen aber nichts. „Ich glaube, dass es möglich ist, in der Stichwahl erfolgreich zu sein", sagt Decius. Wie sich die Wähler von CDU, Grünen und FDP entscheiden, sei nicht ausgemacht. „Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen wie heute zwischen mir und Ralf Eckelmann", prognostiziert Decius für den 27. September einen knappen Ausgang.

„Und morgen geht die Sonne wieder auf"

Auf den Fußball übertragen präferiert Decius also eine Art 3-4-3-System: selten angewandt, aber total offensiv. Eine andere Chance bleibt kaum. Bei allem UWG-Jubel: Lemmens Polster ist respektabel. Fast zwölf Prozentpunkte mehr als der UWG-Mann holt der SPD-Bewerber im ersten Durchgang. „Ich bedanke mich für das Ergebnis und den Zuspruch", sagt Lemmen mit Blick auf die 35,74 Prozent der Wähler und Wählerinnen, die bei ihm das Kreuz gesetzt haben.

Auch für Lemmen geht es nun in die zweiwöchige Verlängerung. „Ich habe große Lust, mit allen ins Gespräch zu kommen und diese Stadt zu führen", sagt er. Bei seinen vier Kontrahenten bedankt sich der SPD-Kandidat für den Wahlkampf. Für Ralf Eckelmann von der CDU, der knapp hinter Decius an Position drei liegt, findet er tröstende Worte. Es zeuge von Größe, wie sich Eckelmann nach der Niederlage präsentiere. Tatsächlich wirkt der CDU-Kandidat gefasst. „Es ist, wie es ist. Und morgen geht die Sonne wieder auf", sagt Eckelmann. Über die Reserveliste zieht er wieder in den Rat ein.

„Ich hoffe, er ist im Rat kooperativer als bei der Parteiarbeit"

Dessen neue Konstellation mit fünf Fraktionen und zwei fraktionslosen Ratsmitgliedern bereitet Eckelmanns Parteifreundin Birgit Ernst ein paar Kopfzerbrechen. „Ob das gut ist für Werther, muss sich noch zeigen", sagt sie. Kritisch im Blick hat sie nicht zuletzt Hannes Dicke-Wentrup, der als Einzelbewerber seinen Wahlkreis 13 mit 38,05 Prozent haushoch vor der politischen Konkurrenz gewonnen hat. „Ich hoffe, er ist im Rat kooperativer als bei der Parteiarbeit", sagt Ernst.

„Da muss sie sich keine Sorgen machen", lautet die Replik von CDU-Mitglied Dicke-Wentrup am Montagmorgen. Ein lokales Engagement bei den Christdemokraten hat er abgelehnt. Nun bietet der Einzelbewerber nicht nur seiner Partei, sondern allen Ratsvertretern die Zusammenarbeit an. „Wenn die anderen Parteien gute Ideen haben, werde ich darauf eingehen", sagt Dicke-Wentrup, dem es nach eigenem Bekunden wichtig ist, Sachprobleme vernünftig anzugehen. Den Wahlabend hat er am Liveticker verfolgt. „Ein paar Nachbarn waren auch da", berichtet Dicke-Wentrup, der mit einem Bier auf den Erfolg anstieß. Bei der Stichwahl des Bürgermeisters setzt er auf einen Sieg von Johannes Decius.

Mehrheitsfindung stets zu dritt

Arbeit sieht auch der bisherige Grünen-Fraktionsvorsitze Walter Arnold auf den Rat mit seiner „neuen Mischung" zukommen. Arnold selbst wird dem Stadtparlament auch wegen der fehlenden Überhangmandate nicht mehr angehören. Tatsächlich müssen sich künftig bei 29 Sitzen mindestens drei Seiten zusammentun, um Mehrheiten zu finden – unabhängig davon, wie die Bürgermeisterwahl ausgeht. Neben Dicke-Wentrup könnten so auch FDP-Ratsherr Jan-Holm Sussieck und die beiden Vertreter von Werther – Das geht anders!, Jürgen Schäfer und Wolfgang Böhm, in wechselnder Konstellation das Zünglein an der Waage sein.

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