Die Störche sind schon da: Vandalismus trübt aber die Wiedersehensfreude

Die frühe Rückkehr zweier Störche bleibt bei Beobachtern nicht lange unbemerkt. Ihnen fällt auch auf, dass der Aussichtsturm gesperrt ist. Das hat seinen Grund.

Tasja Klusmeyer

HK-Leser Ulrich Loleit aus Steinhagen ist Naturfreund und viel in der Region unterwegs. Im Steinhorster Becken und in der Lipperaue hat er schon Zugvögel entdeckt. Am Mittwoch entstand diese Aufnahme im Versmolder Bruch. - © Ulrich Loleit
HK-Leser Ulrich Loleit aus Steinhagen ist Naturfreund und viel in der Region unterwegs. Im Steinhorster Becken und in der Lipperaue hat er schon Zugvögel entdeckt. Am Mittwoch entstand diese Aufnahme im Versmolder Bruch. (© Ulrich Loleit)

Versmold. Auf den gewohnten Aussichtsposten an der Wiesenstraße müssen Natur- und Tierliebhaber momentan verzichten. Vandalismusschäden sind in der Vergangenheit immer mal wieder aufgetreten. Diesmal sind sie aber so hoch, dass der Aufgang gesperrt werden musste. Am 31. Januar hatten Unbekannte am verschiedenen Stellen Holz und Fenster zerstört. Bernhard Walter von der Biologischen Station erstattete Anzeige bei der Polizei.

Im Ausschuss für Energie, Klima und Umwelt informierte die Verwaltung über den erforderlichen Abriss. Durch die ständige Sabotage, so Fachbereichsleiter Dirk Niggemann, könne die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet werden. Zusammen mit Stadt, Kreis und Bezirksregierung sucht die Biologische Station nach einer Lösung.

Milder Winter, kürzere Wege

Zurzeit müssen die Bruch-Besucher also vom Boden aus über die Feuchtwiesen blicken – und freuen sich über das, was dort seit einigen Tagen zu sehen ist. Mitte der Woche machten die ersten Bilder à la „Die Störche sind zurück" im Netz die Runde. Leser wendeten sich mit den News aus dem Naturschutzgebiet ans Haller Kreisblatt. Als Leiter der Biologischen Station Gütersloh-Bielefeld ist Bernhard Walter bestens im Bilde. Auch er hat vor einigen Tagen die ersten Störche auf Versmolder Wiesen gesichtet.

„Früher als üblich", bestätigt er. Versmold bilde da allerdings keine Ausnahme. Am vergangenen Wochenende sei ein ganzer Schwung an Weißstörchen beispielsweise im Kreis Paderborn gelandet. Bedingt durch den milden Winter machen sich die Tiere offenbar schon jetzt auf die Rückreise in die Brutquartiere. In Schleswig-Holstein waren bereits Ende Januar welche gesichtet worden. Üblicherweise treffen die Winterurlauber zwischen Anfang März und Anfang April ein.

Die Treppe zum Turm ist mit einem Bauzaun gesperrt. Rechts ist eine zerstörte Stelle am Holz zu sehen. - © Tasja Klusmeyer, HK
Die Treppe zum Turm ist mit einem Bauzaun gesperrt. Rechts ist eine zerstörte Stelle am Holz zu sehen. (© Tasja Klusmeyer, HK)

„Sie fliegen nicht mehr so weit in die Winterquartiere", erklärt Bernhard Walter. Beliebte Ziele sind Spanien und Frankreich, nicht mehr unbedingt Afrika. Anhand ihrer Ringe wurden Versmolder Störche in Südeuropa nachgewiesen. Die beiden Vögel, die zurzeit im Bruch unterwegs sind, tragen keine Ringe. Deshalb kann Bernhard Walter auch nicht sagen, ob es sich um alte Bekannte handelt.

Was, wenn es noch mal richtig kalt wird?

Im vergangenen Jahr richtete sich zunächst der sogenannte Rietberger Storch am Horst an der Wiesenstraße nebst Partnerin ein. Wörtlich ins gemachte Nest setzte sich wenig später ein anderes Paar – oder es gab zumindest einen Partnerwechsel. Jedenfalls war vom beringten Rietberger Storch nichts mehr zu sehen. Mitte Mai schlüpften dann drei Küken! Zur Freude treuer Storchen-Fans.

Zurzeit ist Meister Adebar auf Nahrungssuche. Keinesfalls lässt sich der Weißstorch nur Frösche schmecken, auch Mäuse munden ihm. Und die gibt es nach Auskunft Bernhard Walters reichlich. Sorgen, dass ein plötzlicher Wintereinbruch den langbeinigen Tieren schaden könnte, muss man sich übrigens nicht machen. „Die können ein bisschen was ab."

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