Bio-Landwirte als Nebenjob: Dieses Paar baut Aroniabeeren an - mit Erfolg

Sie arbeitet als Hauswirtschafterin, er ist selbstständiger Verlagskaufmann. Elke Beckerwerth und Dirk Krüger betreiben nun Bio-Landwirtschaft im Nebenerwerb. Eine kleine Beere hat es ihnen angetan

Tasja Klusmeyer

Ein Platz im Beerenfeld: Elke Beckerwerth und Dirk Krüger sind Neu-Landwirte aus Überzeugung. Die ersten Aroniabeeren sind erntereif. Die Trockenheit haben die robusten Sträucher mit einem „Überlebensschluck" aus dem Wassertank gut überstanden. Bald werden sie zu Saft und Gelee verarbeitet. - © Biohof Beckerwerth
Ein Platz im Beerenfeld: Elke Beckerwerth und Dirk Krüger sind Neu-Landwirte aus Überzeugung. Die ersten Aroniabeeren sind erntereif. Die Trockenheit haben die robusten Sträucher mit einem „Überlebensschluck" aus dem Wassertank gut überstanden. Bald werden sie zu Saft und Gelee verarbeitet. (© Biohof Beckerwerth)

Versmold-Bockhorst. Der Hof Beckerwerth liegt im letzten Zipfel Versmolds, nahe der Grenze zu Borgholzhausen. 1887 wurde er erbaut und befindet sich seitdem in Familienbesitz. Früher hielten die Beckerwerths, wie es so üblich war, Schweine und Kühe und betrieben Ackerbau fürs Viehfutter. Elke Beckerwerth wurde auf dem Hof groß; schon ihr Vater war nur noch Landwirt im Nebenerwerb. „Wir hätten irgendwann wachsen und uns spezialisieren müssen", sagt sie. Mit 15 Hektar Land gehört der Hof in Halstenbeck zu den kleineren Betrieben. Die Viehhaltung wurde vor mehr als 30 Jahren aufgegeben, die Flächen sind verpachtet.

„Wir hatten irgendwann keine Lust mehr, auf meterhohen Mais zu gucken", sagt Dirk Krüger. Seit sechs Jahren lebt der Ehemann von Elke Beckerwerth mit auf dem Hof, er hinterfragte viele Prozesse der modernen Landwirtschaft. Inzwischen ist der Mais weg – zumindest auf einer Fläche von vier Hektar. Dort wachsen Aroniabeeren – in Bioqualität. „Wir vertreten den nachhaltigen Biogedanken", sagt Elke Beckerwerth.

Mit 50 Jahren wagen sie und ihre drei Jahre älterer Ehemann noch mal die berufliche Umorientierung. Zurzeit fahren sie zweigleisig und sind beide weiterhin in ihren ursprünglichen Berufen tätig.

Mit dem Gedanken, die eigenen Flächen selbst zu nutzen, spielten die Bockhorster schon länger. Nur das Wie konnte sich das Ehepaar längere Zeit nicht beantworten. Den Ausschlag gab das Magazin »Schrot und Korn«, wo Dirk Krüger vom Hersteller »Aronia Original« las, der deutschlandweit auf der Suche nach Flächen und Anbauern war.

„Das hörte sich so an, als ob wir das nebenbei schaffen könnten"

Die robusten Sträucher seien pflegeleicht und könnten maschinell geerntet werden. „Das hörte sich so an, als ob wir das nebenbei schaffen könnten", so Elke Beckerwerth. Ganz nebenbei sind die beiden von den Produkten der kleinen Aroniabeere, die sehr gesund sein soll, überzeugt. Im eigenen Garten steht seit einigen Jahren ein Strauch.

Zu einer Zusammenarbeit mit dem Dresdner Unternehmen kam es zwar nicht. Die Bockhorster schlugen einen eigenen Weg ein – im Sinne von Nachhaltigkeit und Regionalität. Ihren Obstanbau wollen sie „mit Achtsamkeit für Mensch und Natur" betreiben. Sie informierten sich, schafften Geräte an und kauften 14.000 Pflanzen. Seit Frühjahr und Herbst 2018 wachsen die Sträucher auf der vier Hektar großen Fläche, dazwischen befinden sich Blühstreifen – ein Paradies für Insekten. Die Beeren sind jetzt reif. Geerntet wird nach dem 4. September; dann bekommt der Hof die Biozertifizierung, für die er einige Auflagen erfüllen muss. Das reicht von Düngemittel über die Lagerung bis hin zur Herstellung.

Aroniabeeren an einem Strauch - © Patrick Pleul/dpa
Aroniabeeren an einem Strauch (© Patrick Pleul/dpa)

Bei der Vermarktungskette sind dem Ehepaar kurze Wege wichtig: Die Lebenshilfe Detmold betreibt eine eigene Mosterei, wo die Bockhorster Beeren gepresst und zu Saft verarbeitet werden. Der Kiebitzhof in Gütersloh stellt Gelee her. Vermarktet werden beide Produkte über Läden in der Region. Das Sortiment könnte irgendwann durch Tee, Marmelade oder getrocknete Beeren ergänzt werden – je nach Ertrag. „Dieses Jahr wird die Ernte noch nicht so groß sein", sagt Dirk Krüger. Allein zum Pressen brauche man eine Tonne Beeren, die dann etwa 800 Liter ergäben. Im Vollertrag rechnet das Ehepaar mit 60 bis 70 Tonnen Ertrag.

Bis dahin aber müssen die Sträucher in Halstenbeck noch wachsen. Es soll nicht alleine bei den Aroniabeeren bleiben. Im Herbst wird auf zwei Hektar eine Streuobstwiese mit 100 Bäumen angelegt. Ein weiterer Schritt, etwas für die Biodiversität vor Ort zu tun.

Info

Hoffest am 25. August

Kurz bevor die Erntemaschine anrollt, möchten Elke Beckerwerth und Dirk Krüger alle Interessierten über ihren Obstanbau informieren. Am Sonntag, 25. August, laden sie auf ihren Biohof in Bockhorst, Halstenbeck 21, ein. Von 11 bis 18 Uhr gibt es viel Wissenswertes über die Aroniabeere – wer mag, darf selbst pflücken.

„Das Rahmenprogramm ist zum Selbstläufer geworden", sagen die Landwirte im Nebenerwerb. Etwa 25 Aussteller sind mit von der Partie – alle aus dem privaten Umfeld des Ehepaares. So kümmern sich beispielsweise die Altherren der SG Oesterweg um die Getränke, eine Bekannte kommt mit ihren Alpakas, benachbarte Landwirte bieten ihre Produkte an und Freunde steuern Torten zur Cafeteria bei.

Kinderschminken und Kinderaktion mit dem NABU gehört ebenso zum Programm wie verschiedene kreative Angebote: Tonkeramik, Metallkunst oder Holzarbeiten.

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