So bereitet sich die künftige Bürgermeisterin auf den Rathaus-Job vor

Zum 1. November übernimmt Sarah Süß das Bürgermeisteramt in Steinhagen. Längst sitzt die 28-Jährige mit am Tisch, wenn wichtige Besprechungen anstehen. Amtsvorgänger Klaus Besser hat für seine Nachfolgerin noch den ein oder anderen Tipp parat.

Frank Jasper

Die neue Bürgermeisterin Sarah Süß bespricht mit ihrem Amtsvorgänger Klaus Besser (beide vorne) sowie Bauamtsleiter Stephan Walter und Buchhalterin Sylvia Brockmann (hinten) einen Wirtschaftsplan. - © Frank Jasper
Die neue Bürgermeisterin Sarah Süß bespricht mit ihrem Amtsvorgänger Klaus Besser (beide vorne) sowie Bauamtsleiter Stephan Walter und Buchhalterin Sylvia Brockmann (hinten) einen Wirtschaftsplan. (© Frank Jasper)

Steinhagen. Im Bürgermeister-Büro im ersten Stock des Rathauses wirkt es ungemütlicher als sonst. „Könnte daran liegen, dass ich bereits ein paar Regale leer geräumt habe", meint Noch-Bürgermeister Klaus Besser. Die Devotionalien und Gastgeschenke, die bisher hinter ihm auf dem Schrank thronten und für Behaglichkeit sorgten, hat er weggeräumt. Der goldene Drachen, den eine Wirtschaftsdelegation aus China mitgebracht hat, die Bilder von Austauschschüler aus den USA und der Schmuckteller von einem Chor aus der italienischen Partnerstadt Fivizzano – alles in Kisten auf dem Dachboden des Rathauses verstaut. Nur die Igelsammlung sitzt noch da. „Die nehme ich natürlich mit nach Hause", teilt Besser grinsend mit.

Neue Rathaus-Chefin muss sich 200 Namen merken

Dann steht Sarah Süß in der Tür. Sacko-Jeans-Kombi, wie ihr Vorgänger. „Ich kämpfe mich gerade durch die Schränke", begrüßt Besser seine Nachfolgerin. „Die Bilder kommen auch noch weg." Sarah Süß schaut sich um und weiß, wie die Gemütlichkeit zurückkehrt: „Ins Regal ziehen meine Glücksbringer ein, die ich vor der Wahl geschenkt bekommen habe. An die Wand kommt ein großes Panoramafoto von Steinhagen, das mein Mann mit der Drohne gemacht hat."

Seit ihrer Wahl zur Bürgermeisterin am 27. September war sie bereits etliche Male im Rathaus, um sich einzuarbeiten – und um sich wertvolle Ratschläge von Klaus Besser abzuholen, den sie in einem Haller-Kreisblatt-Interview mal als ihr politisches Vorbild genannt hat. Zuvor war Sarah Süß an diesem Nachmittag im Haller Amtsgericht, wo die studierte Rechtspflegerin den Oktober über noch arbeitet. „Mein Nachfolger ist aber bereits da", darum funktioniert das ganz gut", berichtet Sarah Süß.

Bei einer der ersten Besuche an ihrem neuen Arbeitsplatz gab’s eine Führung von Klaus Besser durchs Rathaus, um die neuen Kollegen kennenzulernen. Allein hier arbeiten 70 Beschäftigte. Die gesamten Gemeindeverwaltung, zu der beispielsweise auch der Bauhof gehört, zählen mehr als 200 Mitarbeiter. Ganz schön viele Namen, die sich die neue Bürgermeisterin einprägen muss. „Da muss man sich Eselsbrücken einfallen lassen – hab' ich auch so gemacht", zwinkert Besser seiner Nachfolgerin zu.

An diesem Nachmittag geht es um den Entwurf des Wirtschaftsplans für den Abwasserbetrieb. Darum sitzen Bauamtsleiter Stephan Walter und Sylvia Brockmann, die den Entwurf erarbeitet hat, mit am Tisch. „Betriebsleiter des Abwasserbetriebs ist der Bürgermeister, und der muss den Wirtschaftsplan am 25. November dem Gemeinderat vorlegen", fügt Klaus Besser erklärend hinzu. An diesem Datum also erstmals Bürgermeisterin Sarah Süß.

Bevor es ums Abwasser geht, schiebt Klaus Besser einen Stapel Briefe über den Schreibtisch. Sarah Süß sichtet ihre erste Post: Die Industrie- und Handelskammer und der Unternehmerverband bitten um Antrittsbesuche. Eine Elterninitiative will sich mit der neuen Bürgermeisterin treffen und über die Situation der Schüler während Corona sprechen. Der CVJM-Jugendkeller schickt einen Einladung zum Kennenlernen. Firmen und Vereine senden ihre Glückwünsche zur gewonnenen Wahl.

Darum wird es keine Abschiedsfeier für Klaus Besser geben

„Zwei Fünftklässler vom Gymnasium sind persönlich bei mir vorbeigekommen und haben mich in ihre Schule eingeladen", berichtet Sarah Süß. Dort soll sie demnächst der Stargast im Politikunterricht sein. „Wir müssen unbedingt mal unsere Kalender abgleichen", schlägt Klaus Besser vor, „damit es keine Überschneidungen gibt".

Auch Klaus Besser hat einen Brief geschrieben. Er hat ihn an die vielen Weggefährten geschickt, mit denen er in den zurückliegenden Jahren zusammengearbeitet hat. Darin verabschiedet er sich nach 26 Jahren als Bürgermeister und erklärt, warum es keine Feierstunde anlässlich seiner Verabschiedung in den Ruhestand geben wird. Die Corona-Pandemie lasse dies leider nicht zu. „Ich möchte natürlich vermeiden, dass die Gesundheit von Teilnehmenden gefährdet werden könnte", schreibt Besser.

15 ehemalige Ratsmitglieder werden verabschiedet

In der konstituierenden Ratssitzung am Mittwoch, 11. November, wird Sarah Süß offiziell als neue Bürgermeisterin vom Altersvorsitzenden Dieter Strakeljahn in ihr Amt eingeführt. Geplant ist in der Sitzung außerdem die Verabschiedung des bisherigen Bürgermeisters Klaus Besser und der 15 Ratsmitglieder, die dem neuen Rat nicht mehr angehören. Coronabedingt findet die Veranstaltung nicht wie üblich im Ratssaal, sondern in der Schulzentrumsaula statt.

Bis dahin wird sich der Kalender von Sarah Süß weiter gefüllt haben, immer mehr Namen von Verwaltungsmitarbeitern wird sie abgespeichert haben – und im Bürgermeisterbüro wird vermutlich ein großes Luftbild von Steinhagen hängen, währen die Igel ausgezogen sind.

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