Zwei Jahre nach Villa-Abriss: Im Schlichte-Park wird es lebendig

Dort, wo Stifterin Annette Schlichte einst wohnte, sind im Neubau die ersten Mieter angekommen. Auch alle anderen Steinhagener sollen vom erwachten Park profitieren.

Jonas Damme

Stiftungsvorsitzender Rainer Scharmann steht auf einer der Außenflächen der Penthäuser. Aus den 125-Quadratmeter-Wohnungen haben die künftigen Mieter einen guten Blick auf Schlichte-Brücke und Co. - © Jonas Damme
Stiftungsvorsitzender Rainer Scharmann steht auf einer der Außenflächen der Penthäuser. Aus den 125-Quadratmeter-Wohnungen haben die künftigen Mieter einen guten Blick auf Schlichte-Brücke und Co. (© Jonas Damme)

Steinhagen. Es ist ein Mammutprojekt, selbst für die finanzstarke Schlichte-Stiftung: 2,5 Millionen Euro lässt sich die gemeinnützige Einrichtung den Bau des ersten Gebäudes im alten Park am Kirchplatz kosten. Nach vielen Monaten Bauzeit geht das Gebäude nun seiner Fertigstellung entgegen.

Der Weg zum Neubau war nicht immer ein einfacher. Es gab viele, die sich um den verwunschenen Park, in dem die Schlichte-Villa jahrzehntelang vor sich hindämmerte, Sorgen machten. Ganz genau wurde hingeschaut bei der Frage, ob für einen Neubau Bäume gefällt werden dürfen. Auch die Befürchtung, Park und Alte Kirchstraße würden zum Parkplatz, wurde geäußert.

Ein erheblicher Teil des frühreren Schlichte-Parks soll öffentlich zugänglich werden. - © Jonas Damme
Ein erheblicher Teil des frühreren Schlichte-Parks soll öffentlich zugänglich werden. (© Jonas Damme)

Diese Tage zeigt sich nun, dass zumindest diese Ängste relativ unbegründet sind. Ein Großteil der alten Bäume steht noch und künftig soll der Teil des Parkes, der an die Alte Kirchstraße grenzt, sogar öffentlich zugänglich werden. Nur Richtung Woerdener Straße sind die Terrassen der Erdgeschosswohnungen vor den Blicken geschützt.

Überwiegend ältere Menschen ziehen ein

Die Tiefgarage ist an den Wendehammer der Alten Kirchstraße angebunden. Links entsteht ein Fahrradunterstand. - © Jonas Damme
Die Tiefgarage ist an den Wendehammer der Alten Kirchstraße angebunden. Links entsteht ein Fahrradunterstand. (© Jonas Damme)

Für Parkplätze haben die Planer ebenfalls reichlich gesorgt. In der Tiefgarage, die sich unterirdisch weiter erstreckt, als das eigentliche Gebäude, stehen elf Nischen zur Verfügung, weitere fünf entstehen oberirdisch. 16 Plätze stehen damit für die zehn Wohnungen bereit. „Von ’Parken im Park’ kann also wirklich keine Rede sein", betont Bauherr Rainer Scharmann, die aus seiner Sicht sehr gelungene Geländeplanung.

Ein Auto wartet bereits in der Tiefgarage, denn der erste Mieter ist schon eingezogen. Viele der Singles und Paare, die in den kommenden Wochen folgen werden, haben ihr eigenes Haus verkauft. „Es sind überwiegend ältere Leute", berichtet Rainer Scharmann. Ihnen sei gemein, dass sie sich bewusst reduzierten, weil sie im Alter weniger Platz brauchen. „Sie wollen zentral wohnen", sagt der Stiftungsvorsitzende. Direkt am Kirchplatz liegen Bäcker, Friseur, Supermarkt, Bibliothek, Ärztehaus, Restaurants und vieles mehr nur einen Steinwurf entfernt.

Vier 60-Quadratmeter- und vier 100-Quadratmeter-Wohnungen beherbergt der Neubau. Obendrauf stehen zwei Penthäuser. Ein Fahrstuhl bringt die Bewohner direkt aus der Tiefgarage vor die Wohnungstür.

„Heizkosten nur halb so hoch, wie die der früheren Villa"

In der großen Tiefgarage finden elf Pkw Platz, weitere Parkplätze entstehen vor dem Gebäude. - © Jonas Damme
In der großen Tiefgarage finden elf Pkw Platz, weitere Parkplätze entstehen vor dem Gebäude. (© Jonas Damme)

Dass die Annette-Schlichte-Steinhäger-Stiftung viel Geld in die Hand genommen hat, spiegelt sich in der Ausstattung: Stäbchenparkett, Fußbodenheizung, schalldichte Dreifachverglasung, der KfW-55-Energiestandard wird unterschritten.

„Die Heizkosten für das gesamte Gebäude liegen nur etwa halb so hoch, wie die der früheren Villa", rechnet Rainer Scharmann vor. Die Bewohner dürfte es freuen.

Große Balkone schauen auf die Schlichte-Brücke, den belebten Combi-Markt und den Kreisverkehr. Nur die vier Erdgeschosswohnungen sind den Blicken durch die hohe Hecke entzogen.

Arbeiten sollen im August abgeschlossen sein

In den Penthäusern bleibt bis zum Einzug noch viel zu tun. Viel Glas sorgt für helle Räume. - © Jonas Damme
In den Penthäusern bleibt bis zum Einzug noch viel zu tun. Viel Glas sorgt für helle Räume. (© Jonas Damme)

Für die Schlichte-Stiftung ist es das bisher größte Projekt. Bereits an der Bahnhofstraße hatte sie oberhalb der Bahnlinie vor einigen Jahren mehrere Gebäude gebaut, zehn Wohnungen auf einen Schlag ist aber eine neue Größenordnung. Insofern ist Rainer Scharmann froh, dass alles bisher – abgesehen von den üblichen Unwägbarkeiten einer Baustelle – gut geklappt hat. Er hofft, dass die letzten Arbeiten im August abgeschlossen werden können.

Dann wäre da aber natürlich noch das zweite Mehrfamilienhaus, das nebenan gebaut werden soll. Es soll noch eine Etage höher werden, als das jetzige. 16 Wohnungen plus drei Penthäuser sind auf vier Etagen geplant. Die Idee, ein Hotel einzurichten, hat Rainer Scharmann mittlerweile verworfen. Bisher hätte es kein überzeugendes Konzept gegeben, außerdem seien Mietwohnungen finanziell deutlich sicherer zu kalkulieren. Und gebraucht werden sie in Steinhagen auch. „Ich warte derzeit auf ein Angebot", so Scharmann zum Stand. Sollte das finanzierbar seien, könne die Planungen für das zweite Gebäude abgeschlossen werden.

Die Millioneninvestitionen sollen der Stiftung langfristige Einnahmen sichern. Aufgrund der schwierigen Finanzlage ist es derzeit nicht einfach, Gelder zu generieren.

¦ Eine der 100-Quadratmeter-Wohnungen im ersten Neubau ist noch zu haben. Interessierte sollten sich bei der Immobilienverwaltung Horst Neugebauer melden, ` (0 52 41) 7 09 08 88.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.