Diese Erfindung aus Steinhagen tötet Coronaviren ab

Schutzkleidung ist in Zeiten der Corona-Krise ein rares Gut. Jetzt könnte ein innovatives Desinfektionsgerät zur Entspannung der Lage beitragen. Erste Einsätze stimmen hoffnungsvoll.

Frank Jasper

Plasmatreat-Geschäftsführer Christian Buske (rechts) besucht das Bayerische Rote Kreuz (BRK). - © Michael Will/BRK
Plasmatreat-Geschäftsführer Christian Buske (rechts) besucht das Bayerische Rote Kreuz (BRK). (© Michael Will/BRK)

Steinhagen. Bislang spielt Plasma vor allem in der Behandlung von Materialoberflächen eine Rolle. Bei der Feinreinigung und Beschichtung von beispielsweise Mikrochips, Handydisplays und Autoscheinwerfern kommt Plasma zum Einsatz. Seit mehr als drei Jahren forscht Plasmatreat darüber hinaus an einem Gerät zur mobilen Plasma-Dekontamination, kurz MoPlasDekon. Ziel ist es, der herkömmlichen chemischen Dekontamination von verseuchten Oberflächen eine umweltfreundliche, leicht einsetzbare und schneller wirkende Entkeimungsmethode entgegenzusetzen. Eingebunden in die Entwicklung der neuen Technik ist die Rettungsdienstabteilung des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK).

Umgebauter Kühlschrank wird mit Plasma geflutet

Als die Projektbeteiligten im Juli 2019 im Rahmen einer ersten öffentlichen Präsentation die Einsatzmöglichkeiten von Plasma im Kampf gegen Bakterien, Viren und Pilzen in Steinhagen vorstellten, war von Corona noch keine Rede. Jetzt muss sich zeigen, ob sich die Technik gegen das neuartige Virus bewährt.

Ein Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes legt benutzte Atemschutzmasken und Schutzbrillen zur Wiederaufbereitung in den Desinfektionsschrank. Nach 30 Minuten können die Gegenstände gereinigt entnommen werden und erneut zum Einsatz kommen. - © Michael Will/BRK
Ein Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes legt benutzte Atemschutzmasken und Schutzbrillen zur Wiederaufbereitung in den Desinfektionsschrank. Nach 30 Minuten können die Gegenstände gereinigt entnommen werden und erneut zum Einsatz kommen. (© Michael Will/BRK)

Zu diesem Zweck wird derzeit ein Prototyp eines Reinigungsautomaten vom Bayerischen Roten Kreuz eingesetzt. In der technischen Uniklinik München befindet sich ein weiterer Automat in der klinischen Testphase, und auch die amerikanische Yale-Universität hat Interesse bekundet, wie Plasmatreat auf HK-Nachfrage mitteilt.

Bei den Automaten handelt es sich um umgebaute Kühlschränke, die mit Plasma geflutet werden. „Die Schutzbrillen und Schutzmasken werden in den luftdichten Schrank gelegt. Das ganze Verfahren dauert dann etwa 45 Minuten", beschreibt Uwe Kippnich, Koordinator für Sicherheitsforschung beim BRK das Prozedere. „Auf diese Weise können wir mit einem Schrank 2.000 Masken innerhalb von 24 Stunden wiederaufbereiten", so Kippnich. Künftig könnten auch Beatmungsschläuche auf diese Weise dekontaminiert werden, damit sie erneut zum Einsatz kommen können.

"Zulassung dauert unglaublich lange"

Plasmatreat-Geschäftsführer Christian Buske war am Freitag mit einem Expertenteam in Bayern, um die Anlage in Betrieb zu nehmen und die weiteren Schritte zu besprechen. „Wenn wir Plasma jetzt erfolgreich in der Corona-Krise anwenden können, wird unsere Forschung enorm vorangetrieben und letztlich könnte das noch ausstehende Zulassungsverfahren beschleunigt werden. Denn noch befinden wir uns in einem Graubereich", erklärt Christian Buske. „Wir wissen, dass unser Verfahren wirkt und haben ausreichend Beweise – zugelassen ist das Verfahren aber noch nicht. Dieser Prozess dauert unglaublich lange", so Buske. Plasmatreat verweist darauf, dass sich selbst besonders stabile multiresistente Keime mit Plasma abtöten lassen. Ergebnisse jahrelanger Forschung im mikrobiologischen Labor im Plasmatreat-Technologiezentrum hätten das gezeigt.

In solchen Düsen wird das Plasma erzeugt und mit Wasserdampf vermischt. - © Frank Jasper
In solchen Düsen wird das Plasma erzeugt und mit Wasserdampf vermischt. (© Frank Jasper)

Christian Buske hofft, dass die Plasmaautomaten möglichst bald in Serie gehen können. Dass das nötig ist, spüren er und seine Mitarbeiter nahezu täglich: „Wir bekommen viele Anrufe und Anfragen mit Hilferufen von Ärzten und Kliniken, aber auch Privatpersonen und Unternehmern. Schutzmasken werden knapp – da ist Desinfektion eine Lösung."

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