Amprion: Monstermasten rücken auch für Steinhagen näher

Ludger Osterkamp,Jonas Damme

Strom Energie Versorgung Netz - © Andreas Frücht
Strom Energie Versorgung Netz (© Andreas Frücht)

Gütersloh. Für den Bau der neuen Hochspannungsleitung durch Gütersloh, Steinhagen und Halle steht der Showdown bevor. Während die Firma Amprion deutlich macht, sie stehe bereits in den Startlöchern, bekräftigt die Bürgerinitiative Isselhorst ihre Absicht, umgehend gegen eine Genehmigung zu klagen. Die Entscheidung dürfte vermutlich im September fallen.

Sie befinde sich in der abschließenden Prüfphase, teilte die Bezirksregierung nun mit. „Die endgültige Entscheidungsreife dürfte nach derzeitigem Stand bis Ende des dritten Quartals 2019 erreicht werden", so ein Sprecher. Amprion hatte zuvor eine Pressemitteilung verschickt, wonach es mit dem Bau der Leitung beginne, sobald die Genehmigung vorliege.

„Diese Trasse ist eine der Hauptschlagadern der Energiewende im nördlichen Übertragungsnetz von Amprion", sagte Projektleiter Jörg Finke-Staubach. Die sogenannte »EnLAG 16« verläuft in vier Abschnitten von Gütersloh bis Wehrendorf, der erste, 20 Kilometer lang, verläuft in der Nähe von Siedlungsgebieten in Blankenhagen und Isselhorst. Amprion will mit diesem Abschnitt bis Halle-Hesseln beginnen und danach Richtung Norden weiterbauen. In Isselhorst gibt es viel Kritik an den »Monstermasten«, in Steinhagen ist es bisher ruhig geblieben, weil die Trasse hauptsächlich über den wenig besiedelten Ströhen geht. Allerdings kommt sie auch dort einigen Gebäuden nahe, zum Beispiel dem Annette-Schlichte-Seniorenheim.

Bürgerinitiative will klagen

Amprion gehe fest davon aus, dass die Genehmigung dafür bald erteilt werde, sagte Sprecherin Katrin Schirrmacher. Die neue Hochspannungsleitung verlaufe schließlich weitgehend in der Bestandstrasse. Die aktuell 80 Masten würden durch 56 neue ersetzt, deren Höhe schwanke zwischen 56 und 80 Meter. Auf jeden Fall werden sie deutlich höher als die jetzigen.

Vor kurzem seien alle Grundstückseigentümer und Pächter schriftlich informiert worden, so Schirrmacher. Es handele sich um etwa 120 Personen. Bis auf „einige wenige" sei man sich mit allen einig. Amprion kaufe die Flächen nicht, sondern entschädige die Eigentümer. Die Höhe dieser Zahlung richte sich nach dem Bodenrichtwert und dem Verhandlungsergebnis. „Bis Herbst werden wir alles geklärt haben", sagte Schirrmacher.

Liege die Genehmigung vor, werde zunächst mit den bauvorbereitenden Maßnahmen begonnen: Demontage der Bestandstrasse, Holzeinschlag, Bau von Zufahrten, Einrichten der Baustellen, Gießen von Fundamenten, etc.. Die Breite der Schutzstreifen richte sich nach der Leitungs- und Mastenhöhe; die Kabel bräuchten genügend Platz, um bei Wind schwingen zu können.

Danach, voraussichtlich im Frühjahr 2020, werde mit dem eigentlichen Bau der Masten begonnen. „Wir gehen davon aus, dass wir 2021 fertig sind", sagte Schirrmacher. Erst danach könne man den zweiten Abschnitt von Hesseln bis zur Landesgrenze angehen; diesen Abschnitt, circa sieben Kilometer lang, will Amprion als Erdkabel verlegen. Mitte nächsten Jahres werde man dafür den Genehmigungsantrag einreichen.

Die Forderung der Bürgerinitiative Isselhorst (BISS), auch auf dem Gütersloher Abschnitt und somit auch in Steinhagen Erdkabel zu verlegen, erteilte Amprion erneut eine Absage. Schirrmacher: „Dann müssten wir ja das ganze Verfahren wieder aufrollen." BISS-Sprecherin Maria Vornholt sagte derweil, man bleibe hartnäckig, sobald die Bezirksregierung die Hochleitung genehmigt habe, werde man dagegen klagen. „Kläger werden sowohl die Initiative als auch Privatleute sein."

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