HalleSchlechte Noten fürs Radfahren im Kreis: Die rote Laterne geht an Werther

Die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests sind auf den ersten Blick eher durchschnittlich. Im Vergleich zu anderen Kommunen sieht es jedoch besser aus. Sogar in Werther.

Uwe Pollmeier

Radfahrer gehören zum Stadtbild. Allerdings sind sie nicht überall gleich gerne unterwegs. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat nun die Ergebnisse des bundesweiten Fahrradklima-Tests 2020 veröffentlicht. - © CC0 Pixabay
Radfahrer gehören zum Stadtbild. Allerdings sind sie nicht überall gleich gerne unterwegs. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat nun die Ergebnisse des bundesweiten Fahrradklima-Tests 2020 veröffentlicht. © CC0 Pixabay

Altkreis Halle. Auf dem ersten Blick scheinen die Schulnoten, die Radfahrer den Altkreiskommunen beim ADFC-Fahrradklima-Test gegeben haben, wenig Lust darauf zu machen, mal wieder häufiger auf dem pedalbetriebenen Zweirad zu sitzen. Mehr als ausreichend ist nicht drin, allerdings pendeln die Zahlen, die aus den im vergangenen Herbst erfolgten Befragungen von insgesamt 230.000 Radfahrern ermittelt wurden, auch bundesweit gesehen in diesem eher bescheidenen Bereich. Im Kreis Gütersloh machten insgesamt 2.000 Radfahrer mit, pro Kommune mussten es mindestens 50 sein. In den 27 Fragen ging es darum, ob man sich auf dem Rad sicher fühlt, wie gut die Wege sind und ob die Stadt oder Gemeinde in Zeiten von Corona das Fahrradfahren besonders fördert.

Halle (3,8/136 von 415)

Die Lindenstadt erhielt die Note 3,8 und liegt damit auf Platz 136 unter 415 erfassten Orten mit etwa gleichen Einwohnerzahlen. Als besonders positiv bewerten die 105 Teilnehmer die Erreichbarkeit des Stadtzentrums (Note 2,4), die Möglichkeit des zügigen Radfahrens (2,6) und das Radfahren durch Alt und Jung (2,9). Im Vergleich zu anderen Städten schneidet Halle besonders gut beim Schutz vor Fahrraddiebstahl, dem Winterdienst auf Radwegen sowie der Führung an Baustellen ab.

Die Bewertungen der Kreiskommunen beim ADFC-Fahrradklima-Test zeigen ein Nord-Süd-Gefälle. - © ADFC-Kreisverband Gütersloh
Die Bewertungen der Kreiskommunen beim ADFC-Fahrradklima-Test zeigen ein Nord-Süd-Gefälle. (© ADFC-Kreisverband Gütersloh)

Schwachpunkte scheint es hingegen bei Ampelschaltungen für Radfahrer (4,6) und das Fahren im Mischverkehr (4,4) zu geben. Bürgermeister Thomas Tappe, selbst passionierter Radfahrer, bewertet die Ergebnisse positiv: „Wir liegen im Vergleich zu anderen Kommunen unserer Größe in der vorderen Hälfte und konnten uns im Vergleich zur letzten Erhebung verbessern." Die zum Jahreswechsel in der gesamten Innenstadt aufgestellten Fahrradbügel sorgen schon jetzt für mehr Sicherheit und Komfort. „Unser Ziel ist und bleibt eine Stadt, die für alle Verkehrsteilnehmenden ein freundliches und sicheres Klima ermöglicht. Daher betrachten wir die Ergebnisse der Studie als Lob und Ansporn zugleich", sagt Tappe.

Versmold (3,7/103 von 415)

„Die Fahrradfreundlichkeit ist und bleibt uns ein wichtiges Anliegen", macht Bürgermeister Michael Meyer-Hermann deutlich. Zwar liege man im oberen Drittel, allerdings seien die Werte etwas schlechter als bei der Umfrage von 2018. Durch Hinweise von Bürgern habe man Schwachstellen im öffentlichen Verkehrsraum lokalisieren können. „Wir haben uns dafür eingesetzt, dass Schäden an Radwegen an Landes- und Bundesstraßen beseitigt wurden." So wurden im vergangenen Jahr die Radwege nach Oesterweg und Peckeloh komplett saniert.

Steinhagen (3,7/99 von 415)

Für Steinhagens Klimaschutzmanagerin Anna Zühlke ist das Ergebnis in Ordnung: „Wir sind konstant geblieben und haben uns nicht verschlechtert." Man wolle das Ergebnis jedoch als Ansporn nehmen, um bei der nächsten Studie, die in zwei Jahren erscheinen wird, noch besser abzuschneiden. „Wir sind dran an dem Thema", sagt Zühlke und verweist auf das Radverkehrskonzept, welches man vor drei Jahren auf den Weg gebracht habe. Positiv sei ihr aufgefallen, dass sich 193 Personen an der Umfrage beteiligt haben. „Das zeigt uns, dass das Thema wichtig ist." Positiv aufgefallen sind den Radfahrern die sauberen Wege und die gelungene Führung an Baustellen.

Werther (4,1/305 von 418)

Schlusslicht im Kreis ist Werther. „Ich sehe den Grund darin, dass wir gerade unser klimafreundliches Mobilitätskonzept erstellen", sagt Klimaschutzmanagerin Annika Nagai. Daher sei im vergangenen Jahr nicht viel für Radfahrer passiert. „Das Konzept soll Mitte des Jahres abgeschlossen sein, so dass wir dann mit der Umsetzung beginnen", sagt Nagai. Bis zum nächsten Test 2023, der dann auf Daten aus dem Zeitraum September bis November 2022 zurückgreifen wird, erwartet sie daher eine bessere Note.

Borgholzhausen (3,6/119 von 418)

Die beste Note im Altkreis erzielte Borgholzhausen. Überraschend ist hier, wie auch in den anderen Altkreiskommunen, dass die Radfahrer das Fehlen öffentlicher Fahrräder kritisieren. Aktuell wird ein derartiges kreisweites Projekt diskutiert. Viele halten es für ein Modell, das nur in Großstädten erfolgreich sein könne. Allerdings scheint der Wunsch der Radfahrer ein anderer zu sein.

Alle Ergebnisse im Detail gibt es unter https://fahrradklima-test.adfc.de

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